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MRK aus ethisch-moralischer Sicht

Nachfolgend ein weiterer Beitrag aus der losen Reihe „Wort zum Sonntag“, die zum Diskutieren ermuntern soll.

Bei Diskussionen über neue Technologien wie KI, autonomen Fahren, 3D-Druck oder auch den Cobots lautet häufig der Tenor, dass viele der bestehenden Arbeitsplätze bedroht sind. Auch wenn es neue Arbeitsplätze geben wird, werden die Technologien ersteinmal kritisch beäugt.
Daher die Frage, gibt es Anwendungsfälle, die unzweifelhaft positiv sind? Ich denke schon, wie nachfolgendes Beispiel zeigt. Zugegeben, es ist vielleicht extrem, nichts desto trotz zutreffend: Das Krabben pulen. Denn weil die Arbeitskosten bei uns zu hoch sind und eine Automatisierung mittels Maschinen bislang scheiterte, müssen die in Nord- und Ostsee gefangenen Krabben (Garnelen) erstmal lebensmitteltechnisch nicht unbedenklich konserviert werden (natürliche Haltbarkeit 2 Tage, nun 2 Monate) um dann mit dem LKW quer durch Europa zu den Schälfabriken nach Marokko gefahren zu werden. Da die Krabben bei uns verzehrt werden, geht´s natürlich wieder zurück. Multipliziert man die wöchentlich 25 Fahrten mit den über 6.000 km (Hin- und Zurück), ergibt sich locker eine jährliche Strecke von über 7,5 Mio. km auf der Passivseite der Ökobilanz.

Nun kann argumentiert werden, dass so Arbeitsplätze in Marokko geschaffen und die Entwicklung des Landes gefördert wird. In der Tat arbeiten 4.500 Frauen in den dortigen Fabriken. Die Höhe ihres Gehaltes wird zwar immer wieder kritisiert, aber lassen wir dies erstmal, sie haben Arbeit, die sie ansonsten nicht hätten. Der Arbeitgeber macht zudem einen fairen, zumindest offenen Eindruck, so das Video. Zudem steht er unter dem Druck seiner Großkunden (Discounter). Kritisch eingewandt werden können aber die zwangsweise ungünstigen Arbeitsbedingungen: Bei einer Raumtemperatur von nur 9 Grad droht die Gefahr einer Rheumaerkrankung.
Fazit: Es gibt schwer widerlegbare ethisch-moralische Zweifel an der Richtigkeit der heutigen Schälprozedur (Öko-Bilanz, Konservierungsstoffe, Verschleiß der Mitarbeiter). Ob Roboter tatsächlich pulen könnten, ist noch nicht bewiesen, doch bin ich optimistisch, so ein entsprechender Greifer entwickelt wird. Der Kapitaleinsatz wäre zweifellose erstmal sehr hoch, da viele Roboter mit optischer Erkennung benötigt würden. Da die Frauen heute schneller als Cobots sind, würden trotz 4-Schichtbetrieb schnell 2.000 Roboter benötigt. (Dieser hohe Bedarf allein für das regionale Garnelen-Schälen erklärt auch das angeheure Potential, dass die Roboterhersteller weltweit sehen.) Die Amortisationsrechnung wäre auf Grund der hohen Frachtkosten dennoch sehr positiv.
Bei einem Durchschnittsverbrauch von rund 35 Liter/ 100 km ergibt sich allein aus den erwähnten 7,5 Mio. km p.a. ein Dieselverbrauch von 2,6 Mio. Liter. Es ist offensichtlich, dass durch die Dieselersparnis & Maut, Löhne, Konservierungsstoffe binnen kurzer Zeit eine Umstellung auf Robotik rentierlich wäre, so sie denn möglich ist.
(Entsprechende Rechnungen sind im Buch „Einführung in die Mensch-Roboter-Kollaboration“ enthalten.)


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