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Wertbeitrag von Robotern messbar machen

Wie der Business Case die Investition absichert

Mit Robotik aus der Stillstandfalle

Michael Bozek, Senior Impact Engineer bei IMPADY GmbH

Europa schwächelt, Deutschland steckt in einer Rezession, und viele Unternehmen sitzen in einer Stillstandfalle. Aufträge kommen wieder zögerlich, aber die notwendigen Kapazitäten fehlen. Nicht, weil Maschinen rar sind, sondern weil Menschen fehlen. Der demografische Wandel schlägt immer stärker durch, Schlüsselstellen bleiben unbesetzt, Schichten können nicht ausgelastet werden und wertvolles Know-how geht in Rente.

Gleichzeitig waren die Voraussetzungen für Digitalisierung und Automatisierung nur selten so gut wie heute. Kollaborative Roboter, sogenannte Cobots, senken die Eintrittshürden erheblich. Sie sind kostengünstiger und einfacher zu programmieren als klassische Industrieroboter und ihr Sicherheitskonzept erlaubt den Einsatz in direkter Zusammenarbeit mit dem Menschen. Roboter in der Schreinerei oder der „Kollege Cobot“ in der Backstube sind längst keine Exoten mehr.

Roboter helfen dabei, die Produktivität zu erhöhen und die Folgen des Fachkräftemangels abzufedern. Sie sind ein wichtiger Baustein für die Standortsicherung und für die Erhaltung der Wertschöpfung im Land.

Warum der Robotermarkt in Deutschland stagniert?

Weltweit gesehen ist die Robotik auf Wachstumskurs. Laut International Federation of Robotics (IFR) werden im Jahr 2025 neue Rekorde beim Einsatz von Robotern erreicht. Getragen wird dieses Wachstum vor allem von den asiatischen Märkten. Obwohl Deutschland weiterhin der größte Robotikmarkt Europas ist, lässt die Dynamik spürbar nach: zuletzt kam es zu einem deutlichen Rückgang der Installationen von rund 10%.

Der Fachverband Robotics + Automation des VDMA mahnt, dieser Trend müsse umgekehrt werden, wenn Deutschland und Europa wettbewerbsfähig bleiben wollen. Die Technologie ist vorhanden, der Bedarf ebenfalls, doch die Investitionen in Automatisierung kommen trotzdem nicht richtig in Gang.

Woran liegt das?

Im Kern lassen sich dafür zwei Ursachen benennen. Erstens die unsichere Wirtschaftslage mit schwankender Auftragslage, unsicheren Absatzmärkten und die Sorge, mit kapitalintensiven Investitionen schlichtweg falsch zu liegen, führen zu einer zögerlichen Haltung. Zweitens bleibt der tatsächliche Wert vieler Roboterinvestitionen oft unklar. Das Bauchgefühl „Wir müssen jetzt automatisieren“ ersetzt nicht die Antworten auf die Fragen, welche Effekte sich für das Unternehmen realistisch erzielen lassen. Verstärkt wird dies durch fehlende Automatisierungskompetenz, mangelnde Prozessstandardisierung und kulturelle Vorbehalte. So bleibt der Robotikmarkt in Deutschland hinter seinem Potenzial zurück.

Den Wert des Roboters sichtbar machen

In wirtschaftlich unsicheren Zeiten entscheidet nicht die technische Faszination über eine Roboterlösung, sondern der deutlich nachvollziehbare, ökonomische Nutzen. Dabei ist es entscheidend, Kosten und Nutzen systematisch zu erfassen und ins Verhältnis zu setzen. Das geeignete Instrument dafür ist ein Business Case, der Kosten, Nutzen und auch mögliche Projektrisiken in Form von Schlüsselkennzahlen wie Amortisationszeit und Return on Investment sichtbar macht.

Auf der Anschaffungsseite (CAPEX) seht dabei mehr als der reine Roboterpreis. Typischerweise gehören auch die Investitionen in Greifer, Förder- und Sicherheitstechnik sowie Engineering, Programmierung, Inbetriebnahme und Schulungen mit dazu. Hinzu kommen laufende Aufwendungen (OPEX) für Wartung, Energie und ggf. auch Hard- und Software-Miete. Gerade diese indirekten Kosten werden in frühen Projektphasen oft unterschätzt. 

Aber auch die Nutzenseite reicht weit über die reinen Personalkosteneffekte hinaus. Produktivitätsgewinne durch stabilere Prozesse und höhere Ausbringung, Qualitätsverbesserungen durch weniger Ausschuss und Nacharbeit sowie Einsparungen bei Material und Betriebsmitteln sind ebenso relevant wie die Reduktion des Risikos plötzlich auftretender Kapazitätsengpässe durch den Fachkräftemangel. Gleichzeitig müssen aber auch Risiken adressiert werden, etwa durch verlängerte Ramp-up-Phasen, zu optimierende Vor- und Nachprozesse oder eine geringe Akzeptanz bei den Mitarbeitenden. Ein belastbarer Business Case macht diese Faktoren explizit deutlich und quantifizierbar.

Weder Anbieter noch Abnehmer einer Roboterlösung verfügen allein über alle nötigen Informationen, um einen Business Case zu erstellen. Deshalb sollte er als gemeinsames Projekt von Anbieter und Abnehmer verstanden werden. Dabei bringt das Anwenderunternehmen Prozessdaten, Kostenstrukturen und seine Ziele ein, während Hersteller und Integratoren Erfahrungswerte zu Taktzeiten, Leistungsdaten und den realistischen Kostenblöcken liefern können. Softwaregestützte Tools zur gemeinsamen Datenerhebung erleichtern diesen Dialog und schaffen ein tieferes Vertrauen für das gemeinsame Roboterprojekt.

Planbarkeit liefert Entscheidungssicherheit

Ein guter Business Case beantwortet nicht nur die Frage, ob sich ein Projekt grundsätzlich lohnt, sondern auch, wie es sich finanzieren lässt. Hier hilft der Net Present Value (NPV), also der auf den heutigen Zeitpunkt abgezinste Wert der zukünftigen Zahlungsströme. Er macht sichtbar, wie sich einmalige und laufende Kosten im Zeitverlauf zu den erzielbaren Einsparungen verhalten.

Eine jährliche Darstellung der Zahlungsströme zeigt, in welchen Jahren der Cashflow belastet wird und ab wann die Lösung sich positiv auf Ergebnis und Liquidität des Unternehmens auswirkt. Ergänzt durch einen Szenarioansatz mit einem realistischen, einem optimistischen und einem konservativen Verlauf, entsteht ein umfassendes Bild über die zukünftigen Entwicklungschancen. Entscheider erhalten damit nicht nur eine Punktprognose, sondern einen guten Eindruck, wie robust sich die Investition gegenüber schwankender Auslastung, steigenden Kosten oder Verzögerungen im Ramp-up verhält.

Die Kombination aus Amortisationszeit, ROI, NPV und möglichen Szenarien liefert die die notwendige Sicherheit für die langfristige Investitionsplanung. In der Praxis zeigt sich, dass die meisten Roboterprojekte selbst unter vorsichtigen Annahmen Amortisationszeiten von deutlich unter 24 Monaten erreichen. Gleichzeitig sinkt das Risiko, dass fehlende Fachkräfte das Wachstum ausbremsen. Die Diskussion auf höchster Entscheidungsebene verschiebt sich damit weg von gefühlten Einzelrisiken hin zu einer strukturierten Abwägung von Chancen und Risiken auf Basis nachvollziehbarer Zahlen.

Fazit und Ausblick

Roboter sind technisch faszinierend, aber keine Spielerei. Ihr Wert liegt in dem Beitrag, den sie zur Zukunftsfähigkeit des Unternehmens liefern. Sie helfen, dem Fachkräftemangel zu begegnen, Produktivität und Qualität zu steigern und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist es daher zentral, diesen Wert herauszuarbeiten und klar zu quantifizieren.

Anbieter und Abnehmer können diese Aufgabe nur gemeinsam lösen. Dabei müssen die Anbieter, Integratoren und Dienstleister ihre technische Exzellenz mit verständlichen Bewertungsmodellen verbinden. Anwenderunternehmen sollten hingegen bereit sein, ihre Prozess- und Kostenstrukturen offen einzubringen, um eine ökonomisch bessere, weil abgewogene Investitionsentscheidungen treffen zu können. Belastbare Business Cases schlagen dabei die Brücke zwischen der technischen Roboterlösung und ihrem ökonomischen Nutzwert fürs Unternehmen. Mit Hilfe von Szenarien schaffen sie darüber hinaus den notwendigen Hebel zur Sicherung des Standorts und der Wertschöpfung.

Quellen

World Robotics 2025 Report, International Federation of Robotics, Sep. 2025

Leveraging Robotics and Automation for a Resilient and Competitive Europe, Strategy Paper, VDMA Robotics + Automation, Jan. 2025

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