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Meinung

Verkaufsargument „Automationsphobie“ anstelle „Personalmangel“?

Im Juni ist erstmals wieder die Zahl der Arbeitslosen gestiegen – gleichwohl als Folge eines Sondereffektes (erstmalige Einbeziehung von Ukrainern). Dennoch: Die Zeiten des Booms sind vorbei und die Aussichten gerade in Deutschland düster. ifo-Chef Fuest erwartet eine Rezession. Und diese scheint selbst für die USA mit ihrer sicheren Energieversorgung nicht ausgeschlossen zu sein. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob „Fachkräftemangel“ als Begründung für den Cobot-Einsatz noch taugt.


Personalkrise dürfte selektiver werden

Ich denke, in Bereichen wie der Programmierung oder auch der Pflege, im Service oder dem Handwerk wird die Personalnot unverändert so groß bleiben, dass die Wertung von Andrea Alboni (Universal Robots) des Mangels als „Personalkrise“ fortbestehen wird. Aber in der Fertigung oder bei Hilfstätigkeiten? Da könnte es schon anders werden und vor allem: Wenn das Argument „Cobots gegen Arbeitskräftemangel“ bei vielen KMU im Boom nicht gezogen hat, warum dann bei der Stagnation oder gar Rezession?

Packen wir die KMU bei der Ehre?

Vor diesem Hintergrund kann es eine Option sein offen auszusprechen, was für viele Mittelständler zutrifft. Sie haben eine „Automationsphobie“. Diese Bezeichnung las ich kürzlich auf einer amerikanischen Seite auf LinkedIn. Die Personalnot ist in den USA nicht minder groß wie bei uns. Aber auch dort nutzen 90% der Unternehmen keinen Roboter obwohl sie ihn einsetzen könnten. Ich denke, „Automationsphobie“ beschreibt sehr zutreffend das Problem. Es geht weniger um eine rationale Entscheidung pro oder contra Cobot, sondern um die Überwindung der geistigen Barriere. Niemand will als Homophob gelten und als „Automationsphob“ eigentlich auch nicht, oder? Also nennen wir das Kind bei Namen!

Denkprozess kann ausgelöst werden

Während des Studiums fragte uns unser Professor, was wir denn werden wollten. Die Antworten waren eher vage. Dann gab er uns auf, unsere Todesanzeigen zu formulieren. Dieser Unterschied der Aufgabenstellung bewirkte, dass wir uns nicht nur Gedanken über die Job-Bezeichnung machten, sondern auch über den Familienstand, den Wohnort und vieles mehr. Übertragen auf die Robotik ist das Argument „Fachkräftemangel“ recht eindimensional, während Automatisierung an sich weiterreichender ist. HIer geht es u.U. mehr als um eine Insellösung oder das Füllen einer Lücke.

Deutscher Robotik Verband und sonstige Verbände sind gefragt

Wenn nicht nur vom Autor, sondern in der Robotik-Branche eine „Automationsphobie“ identifiziert wird, wäre es naheliegend, dass die Branchenverbände (Deutscher Robotik Verband/ VDMA) wie auch die IHK das Thema offen ansprechen. Dies könnte frei nach Ikea geschehen: „Lebst Du noch oder automatisierst Du schon?“

Vernetzen wir uns? LinkedIn
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Zur Cobot-Gruppe auf LinkedIn (Link)
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In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät bei fast allen Fragen rund um Robotik incl Finanzierung/ Förderungen, aber nicht vertiefend in die Technik gehend. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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