Wachstumsprognosen Cobots: Warum ich sie für ambitioniert halte

Keine Frage, wir haben gravierenden Personamangel – eigentlich in allen Industrieländern incl. China – und kaum etwas spricht gegen Cobots. Entsprechend positiv bis euphorisch sind regelmäßig die Prognosen bezüglich ihrer weiteren Entwicklung. Gerade KMU können von ihnen profitieren. Ein starkes Wachstum im Bereich der KMU sehe ich daher auch. Aber bislang gab es zwei bis drei weitere große Käufergruppen, die m.E. nur noch moderat wachsen sollten.

Wer kauft Cobots?

Neben der Zielgruppe der KMUs haben bislang Hochschulen und Forschungseinrichtungen (auch von Unternehmen) einen beachtlichen Teil der Cobots gekauft. Es gibt dutzende Lehrstühle mit jeweils mindestens fünf, teilweise gar dutzenden Cobots. Hinzu kommen die ganzen Cobot-Zulieferer, die erstmal ihre Entwicklungen (z.B. Greifer, Vision) an einem Cobot testen. Dies ist gut sichtbar bei Messen. Hier dienen die Cobots dann der Vorführung der eigenen Produkte. Produktiv arbeiten sie im eigentlichen Sinn aber nicht. Ich denke, diese Kundengruppe wird weiter neue Modelle kaufen (z.B. Neura Robotics Maira), aber keinen x-ten UR 10. Mich würde nicht wundern, wenn Hochschulen und Peripheriehersteller während der letzten Jahre allein im DACH-Raum eine hohe drei- bis gar niedrige vierstellige Anzahl an Cobots gekauft hätten. Damit hätten sie in der Vergangenheit einen signifikanten Marktanteil gehabt.

Der Blick in ein Cobot-Labor einer Hochschule (hier Außenstelle Cham der TH Deggendorf) zeigt alles was das Herz begehrt. Nicht abgebildet sind weitere Modelle, die an anderer Stelle standen.

Eine weitere Kundengruppe mit womöglich nur noch begrenzterem Potential sind Großunternehmen. Diese verfügen schon seit Jahren über das Know how Cobots beurteilen zu können und setzen diese auch schon ein wo sie es für sinnvoll halten. Universal Robots ist zu Recht stolz darauf, dass bei Siemens Erlangen alleine 70 Cobots eingesetzt werden (Link). Dieser Erfolg bedeutet aber wohl auch, dass Siemens Erlangen erstmal keine weiteren 70 Cobots kaufen wird. Dies impliziert rechnerisch für UR einen Absatzrückgang an diesem Standort, der andersweitig ausgeglichen werden muss. Sicherlich kann die Erfolgsstory von Erlangen an anderen Siemens-Standorten fortgesetzt werden, aber ob hierbei das jährliche Wachstum von 30% oder gar 40% (siehe Graphik oben) generiert wird, bezweifle ich doch. (Denkbar erscheint aber auch der Kauf der neuen “starken” Modelle mit Traglast 20 kg+.)

Fazit: KMU müssen wohl um >50% p.a. zulegen um die Prognosen von 30% bis 40% Gesamtmarkt zu erfüllen

Unterstellt man also dass es bei Forschungseinrichtungen kein Wachstum mehr geben wird und bei Großunternehmen nur noch ein “moderates” (vielleicht 20% p.a?), werden die KMU umso wichtiger. Sie werden ja auch am meisten umworben und haben auch die größte Not. Allerdings werden sie häufig vom Tagesgeschäft “erschlagen” und haben Angst, dass eine Automatisierung ihre Abläufe gefährdet. Der Markt und das Interesse ist da, wie vor allem der Erfolg der Regionalmessen von all about automation zeigt. Bei den KMU sehe ich allerdings Schwierigkeiten die Unternehmen mit Nachfolgeproblemen zu erreichen. Denn wenn der Inhaber erstmal deutlich über 60 Jahre alt ist, neigt er zum Fortführen des Status quo. Und dass er noch keinen Nachfolger aufgebaut hat zeigt zudem, dass er den einfachsten Weg geht.

Zudem ist der Verkauf an KMU recht zeitintesiv und bedingt entsprechend Personal. Hier können die Hersteller/ Integratoren durch den Personalmangel gebremst werden. Andererseits wird die Programmierung der Roboter auch stetig einfacher, weniger aber die bauliche Integration (Sondermaschinenbau).

Details zur Graphik

Das Video zeigt einen typischen Hochschulfall. Kauf weil eine Hochschule eine Niederlassung eröffnet hat.

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er beantwortet Unternehmen die Frage, ob und wie ein Roboter bei Ihnen eingesetzt werden könnte (Erstanalyse samt Empfehlung). Dies in den Großräumen Trier und Lüneburg sowie Ostdeutschland ohne Leipzig/ Berlin für 700 € netto, im restlichen Deutschland zu einem Pauschalpreis von 1.750 € netto (incl. Anreise). Der niedrige Preis ist dank Förderung möglich. Permanent auf der Suche nach interessanten Lösungen hat er schon hunderte Applikationen gesehen. Aus diesem Grund gehören auch Großunternehmen zu seinen Kunden, die zwar über Know how verfügen, aber nicht den gesamten Markt kennen. Für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern oder solchen mit Sitz in Österreich oder Schweiz gilt der Pauschalpreis nicht. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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