Yuanda macht weiter

Die Woche startet mit einer guten Nachricht: Gestern gab Geschäftsführer und Mitgründer Dr. Jens Kotlarski von Yuanda die Fortführung der Firma bekannt. Zusammen mit Prof. Dr. Tobias Ortmair, einem der beiden anderen Gründer, und dem Investor Philipp Georgi haben sie das Unternehmen aus der Insolvenz heraus übernommen. Als neuer Name wurde im Juni 2022 “Vorwärts Robotik GmbH” bestimt. (Foto oben ist Screenshot von LinkedIn und zeigt von links: Georgi, Ortmair, Kotlarski)

Opdra

Yuanda ist draußen

Es ist davon auszugehen, dass Yuanda nun vollkommen draußen ist – in aller Konsequenz. Die letzte veröffentlichte Bilanz betrifft das Geschäftsjahr 2020. Seinerzeit wies das Unternehmen Verbindlichkeiten in Höhe von 16 Mio. Euro aus. Ich gehe davon aus, dass der Betrag ganz überwiegend Yuanda geschuldet wurde. Er war zu verzinsen und wäre in der Zukunft zurückzuzahlen gewesen. Diese Notwendigkeit besteht nun nicht mehr. Andererseits war für die Fertigung m.W. Yuanda zuständig. Somit dürfte die alte Fertigung nicht mehr zur Verfügung stehen. Dies ist in Zeiten von schwierigen Lieferketten aber kein Nachteil. Zudem könnte künftig in Deutschland gefertigt werden, was das Image nochmals verbessern würde. Zudem kam die Insolvenz vermutlich nicht überraschend, so dass es genügend Zeit zum Handeln gab.

Sehr loyales Team

Der Roboterhersteller beschäftigt zahlreiche Fachkräfte. Es ist davon auszugehen, dass es seit Bekanntwerden der Insolvenz Abwerbeversuche von anderen Unternehmen gab. Dennoch hat sich der Personalstand nicht verändert. Ein klares Bekenntnis, dass die Mitarbeiter nicht nur an das Produkt glauben, sondern auch die Unternehmenskultur bestens ist.

Verlustfinanzierung

Mit über 50 Mitarbeitern hat die Nachfolgefirma von Yuanda unverändert beachtliche Fixkosten. Mit nur einem Produkt sind diese Kosten so schnell nicht zu verdienen. Dies liegt nicht am Produkt, sondern am Markt, der noch nicht solch eine Nachfrage hergibt. Um diese Kosten zu decken werden die drei neuen Gesellschafter Geld bereitstellen müssen und – dies kann es ein Asset sein – die bestehenden Vorräte verwerten. Denn in der Bilanz 2020 wurden die Vorräte mit 1,3 Mio. Euro aufgeführt. Besteht das Warenlager noch immer, dürfte es günstig mit übernommen worden sein.

automatica-Teilnahme?

Interessant wird sein, ob man sich auf der automatica vorstellen wird. Auf einer frühen Ausstellerliste war “Yuanda” gelistet. Nach der Insolvenz nicht mehr. Vielleicht wurde Yuanda gestrichen weil eine fällige Anzahlung nicht gezahlt wurde oder das Unternehmen wird bereits unter einem neuem Namen geführt. Eine Teilnahme würde bei einer Vorstellung weiterer Produkte sicherlich Sinn machen. Die Mehrheit der Cobot-Hersteller scheint mittlerweile drei, ehr vier Modelle als sinnvoll anzusehen (Universal Robots, Kassow Robots, Neura Robotics, Doosan, Fanuc, Techman/ Omron).

Mögliche Parallele zum eigenem Fall

Als Unternehmensberater hatte ich während der Finanzkrise einen möglicherweise vergleichbaren Fall: Ein Biotech-Startup meldete kurz vor der Markteinführung Insolvenz an. Grund war, dass der ausländische Investor, der bereits 20 Mio. Euro investiert hatte, Panik bekam und die letzte Tranche über 2 Mio. Euro nicht zur Verfügung stellte. Der Geschäftsführer des Startups übernahm die Firma und erhielt so für wenig Geld Rechte am Know how, dass zuvor mit eben 20 Mio. Euro entwickelt worden war. Später verkaufte er das Unternehmen für einen hohen 2-stelligen Mio.-Betrag. Dies zeigt, eine Insolvenz kann immer auch eine Chance sein. Sowohl für den neuen Eigentümer wie für das Unternehmen selbst.

Das Video enthält einen englischen Untertitel – passend für die nicht wenigen nicht-deutschen Leser.

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In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Marktanalysen und Finanzierung/ Förderungen. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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