Börse: Ist die Industrie-Robotik unterbewertet?

Nein, an dieser Stelle werden unverändert keine Aktien empfohlen. Aber zugleich wird etwas doch bemerkenswertes hinterfragt. Unsere Robotik steht für die Automatisierung der Fertigung und mehr (optional Handwerk, Haushalt, Medizin etc.). Die Prozess-Automatisierung von (Unternehmens-) Verwaltungen wird Robotic Process Automation (RPA) genannt. Ein Primus der Branche, Uipath, ging nun an die Börse.

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Gigantische Bewertung für Robotik-Software Prozess-Automatisierung

Aktuell wird Uipath mit etwa 35 Mrd. US-$ bewertet. Das rumänische Unternehmen besteht seit 2005 und erlöste 2020, so die Investorenpräsentation, 336 Mio. US-$, heuer sollen es bereits 600 Mio. US-$ werden. Das Unternehmen hat ebenso wie RPA an sich eine erfolgversprechende Entwicklung vor sich, dennoch erstaunt die Bewertung.

Industrie-Robotik gibt´s günstiger

Kuka wurde 2017 von Midea für 4,5 Mrd. € gekauft. Der Preis erschien der deutschen Industrie, die von der Regierung um ein eigenes Kaufangebot gebeten wurde, zu hoch. Fanuc hat aktuell eine Börsenkapitalisierung von 40 Mrd. US-$, Omron von 15 Mrd. US-$ und Yaskawa von etwa 12 Mrd. US-$ (Werte stark gerundet, da von YEN auf Dollar umgerechnet wurde.) D.h. Uipath hat bereits den Wert von Fanuc erreicht oder aber den von Omron, Yaskawa und Kuka zusammen.

Robotik-Startups erreichen zwar bisweilen eine dreistellige Bewertung (bei uns z.B. Wandelbots oder Franka Emika), doch werden Startups in anderen Sektoren häufig viel höher bewertet. Es gibt weltweit wohl 10 Flugtaxen-Hersteller mit guten Chancen und dennoch wird Lilium allein mit 3,3 Mrd. US-$ bewertet.

Der einzige Ausreißer in der Industrie-Robotik scheint ABB zu sein mit einer Bewertung von 64 Mrd. US-$. Das Marktvolumen der Industrie-Robotik (etwa 130 Mrd. US-$) dürfte noch auf Jahre über dem von RPA (30? Mrd. US-$ im Jahr 2024) liegen.

Warum wird RPA höher als Industrie-Robotik bewertet?

Über den Grund für die unterschiedliche Bewertung kann hier nur spektuliert werden. Neben psychologischen Faktoren (“Hype” um ein neues Business und etwaige fehlende Enttäuschungen) dürfte die Industrie-Robotik einen Nachteil in der offensichtlichen Zersplitterung des Marktes und den hiermit verbundenen Preiswettbewerb haben. Es ist bezeichnend, dass Cobots eine Amortisationszeit von häufig weniger als 1 Jahr haben. Gäbe es nur einen Anbieter, könnte er seine Cobots sicherlich um 50% verteuern und sie würden noch immer gekauft. Vielleicht ein paar Stück weniger, aber egal, in Summe würde es stimmen. Wie die zahlreichen Robotik-Startups zudem zeigen, ist ein Markteintritt in die Branche relativ einfach. Mit maximal 50 Fachkräften, zwei oder drei Jahren Zeit und rund 15 Mio. € Budget kann bereits ein gutes Produkt entwickelt werden. Dies wurde hier bereits gezeigt (Link).

Ein weiterer Grund: Da Industrie-Roboter einen erheblichen Materialanteil haben, sind die Skalierungseffekte bei großen Stückzahlen bedeutend niedriger als bei RPA.

Der entscheidende Unterschied dürfte aber darin liegen, dass Robotik-Hersteller noch vor allem Mechanik verkaufen und keine KI. Letzteres kommt zunehmend auf und beflügelt wiederum die Phantasie der Investoren und läßt höhere Preise zu. Der Aufwand hierfür besteht primär in Software, so dass dann auch Skalierungseffekte möglich sein sollten. Ein weiterer Ansatz zur Wertsteigerung dürften einheitliche und einfache Benutzeroberflächen sein, wie sie Kuka vorgestellt hat.

Fazit: Richtig hohe Unternehmenswerte scheinen nur mit mehr Software realisierbar zu sein, die in Folge vom Markt auch mit entsprechenden Marktanteilen bei guten Renditen honoriert werden muß.

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In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Boost-Bot beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Markt (-eintritt)/ Business Development und Finanzierung/ Förderungen. Das Standardbuch über Cobots stammt ebenfalls von Guido Bruch.

Quelle Beitragsfoto: Deutsche Börse AG

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