So viel kostet eine Cobot-Entwicklung

Zum Beitragsbild: Die meisten Cobot-Hersteller sitzen in Bayern. Mit diesen Standort-Siegel hat sich offenbar ein Tüftler in Kroatien schmücken wollen.

In den vergangenen Jahren sind einige Cobot-Startups gegründet worden. Ein Blick in deren Bilanz zum Zeitpunkt der Vorstellung des ersten Cobots zeigt in etwa, wieviel bis zum Markteintritt investiert wurde. Hierfür werden nachfolgend aufgelaufener Fehlbetrag und aktivierte immaterielle Vermögensgegenstände addiert. Ein Fehlbetrag entsteht quasi automatisch, da ein Startup mangels verkaufsfähigem Produkt keine Erlöse erzielen kann. Der Fehlbetrag sagt also nichts für den Unternehmenserfolg aus. Einige der Aufwendungen können (freiwillig) aktiviert werden. Dann fließen sie zunächst nicht in die Ergebnisrechnung ein, haben aber dennoch Geld gekostet. Nicht erfaßt werden bei solch einer Methodik etwaig erhaltene Forschungsgelder. Diese dürften aber niedrig sein. Denn Forschungsgelder werden i.d.R. an Verbundprojekte ausbezahlt. Wichtig ist, dass hier nur in etwa die Aufwendungen bis zum fertigen Produkt gemeint sind. Bis zu diesem Zeitpunkt verfügen die Startups zwar auch über eine Geschäftsführung, die bereits den Markteintritt vorbereitet, aber über nur wenige oder gar keine (Personal-) Aufwendungen für Marketing, Vertrieb oder Business Developement.

Gomtec

Gomtec war das wohl erste deutsche Cobot-Startup. 2014 stellte das kurz darauf von ABB unternommene oberbayerische Unternehmen gleich drei “Roberta”-Modelle vor. Bis dahin wurden etwa 4 Mio. Euro investiert. Dass binnen kurzer Zeit mit relativ wenig Geld relativ viel entwickelt werden konnte, dürfte an der einmaligen Erfahrung des Gründers Bernd Gombert zurückzuführen sein. Dieser hatte zuvor bereits den Kuka iiwa entwickelt. Bei der Entwicklung dürfte der Fokus noch klar auf der Mechatronik gelegen haben. Nach der Übernahme blieben am Standort in Gilching stets zwischen 20 bis 30 Mitarbeiter, die, so ABB, weiterhin Cobots entwickelt haben. Da die ersten neuen Cobot-Modelle von ABB erst Anfang diesen Jahres vorgestellt wurden, dürfte deren Entwicklung rund 120 Mann-Jahre in Anspruch genommen haben. Allerdings ist von Branchenexperten immer wieder zu hören, dass die beiden neuen Modelle Swifti und GoFa in China entwickelt sein sollen.

Franka Emika

Franka Emika stellte 2017 seinen Panda vor. Hier dürfte ein beachtlicher Teil des Invest von rund 8 Mio. Euro der Software gegolten haben. Dies gilt sowohl für die Steuerungssoftware selber wie auch die Benutzeroberfläche. Dieser Mehraufwand dürfte den höheren Mittelbedarf im Vergleich zu Gomtec erklären. Im Bereich der Mechatronik dürfte Franka hingegen von der Zunahme der mittlerweile besser verfügbaren Standardteilen profitiert haben. Der Panda wurde 2017 eingeführt. In der Folge wurde massiv in die eigene Cloud-Lösung, die Franka World investiert. Insofern hat Franka Emika bis heute weitaus mehr als 8 Mio. Euro in die Entwicklung gesteckt.

Yuanda Robotics

Der Entwicklungsaufwand des Yu lag offenbar geringfügig unter dem des Panda (ohne Franka World). Der Programmierumfang kann aber höher gewesen sein, da der Yu auch über eine Kamera verfügt. Franka hat im Gegenzug eine Cloud-Anbindung. Yuanda ist übrigens ein gutes Beispiel für die Zweiteilung Entwicklung und spätere Markteinführung. Mit letzterer verbunden war in den vergangenen Wochen und Monaten die Einstellung einiger in der Branche bekannter Köpfe für Business Developement und Verkauf. War es nach der Vorstellung des Cobots noch recht ruhig um Yuanda, ist das Unternehmen nun klar sichtbar. U.a. kommt Yuanda bei Aitme zum Einsatz. Zuvor scheint der chinesische Markt im Fokus gestanden zu haben.

NEURA Robotics

Das vormals unter Han´s Robots Germany firmierende Startup ist finanziell noch eine Blackbox. Es liegt keine Bilanz vor. Doch angesichts des überschaubaren Personalstamms von rund 30 bis 40 Personen und der Gründung im Frühjahr 2019 dürfte der Kapitaleinsatz hier bislang nicht höher als bei Franka oder Yuanda gewesen sein. Für das Geld wurden nicht nur diverse Cobots und ein mobiler Roboter entwickelt, sondern auch stärker als bislang auf Künstliche Intelligenz und Sensorik gesetzt. Möglicherweise wurde doch ein wenig auf die zuvor bestehenden Han´s China-Modelle aufgebaut. Die Relation Kapitaleinsatz zu Output dürfte bei NEURA Robotics am besten sein. Dies kann die attraktiven Verkaufspreise mit erklären.

Rethink Robotics

Der Cobot-Pionier stellt einen Sonderfall dar. Bereits 2008 gegründet, verbrannte das US-Unternehmen für Entwicklung und vor allem auch die Marktbearbeitung bis zu seiner Insolvenz stolze 150 Mio. US-$. 2018 wurden die Rechte von der deutschen Hahn Group übernommen und in die neugegründete Rethink Robotics GmbH eingebracht. Diese wies in ihrer Bilanz 2018 ein Sachanlage-Vermögen von fast 34 Mio. Euro auf. Dies dürfte in etwa der Kaufpreis für die erworbenen Rechte (Patenten & Marke) gewesen sein. Die mit dem Kauf verbundene Hoffnung das sehr interessante Intera-Betriebssystem an andere Robotik-Herstellern lizenzieren zu können, wurde offenbar bislang nicht realisiert. Derzeit wird zusammen mit Siemens an einem neuen Modell gearbeitet. Am neuen Firmensitz in Bochum entsteht derzeit eine Fertigung. Ein neues Modell ist in Arbeit.

KEA Robotics

Das unweit von ABB Gomtec ansässige Startup ist noch jung und hat noch kein marktreifes Produkt. Es wird hier dennoch aufgeführt, da es mit seinem modularen Leichtbauroboter einen neuen Ansatz verfolgt und diesen offenbar sehr schlank umsetzen kann.

Zusammenfassung

Sehr grob kann festgestellt werden, dass die Entwicklung eines Cobots zwischen 5 und 10 Mio. Euro kostet. In der Folge ist dieser Betrag um die Kosten für den Markteintritt und ggfs. den Aufbau einer Fertigung zu ergänzen. Vermutlich kommen mit diesem Betrag Startups zurecht. Konzerne wie Fanuc und Kuka dürften einen höheren Mittelbedarf haben. Dies läßt erahnen, dass der prognositzierte Cobot-Absatz, auch wenn die Entwicklung noch so positiv ist, zunächst nicht reichen wird damit alle Marktteilnehmer auf ihre Kosten kommen. Sonderfaktoren wie die Pandemie stellen zudem echte Bremsklötze dar. Der Marktführer Universal Robots mußte 2020 einen Umsatzrückgang von 12% hinnehmen. Die Hoffnung von Franka Emika, in 2020 sich der Umsatzmarke von 50 Mio. Euro nähern zu können, erfüllte sich nicht. Am Ende wurden wohl “nur” 8 Mio. Euro erlöst. Für ein junges Unternehmen in diesem Umfeld natürlich noch immer eine hohe Zahl.

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Boost-Bot beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Markt (-eintritt)/ Business Development und Finanzierung/ Förderungen. Das Standardbuch über Cobots stammt ebenfalls von Guido Bruch.

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