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Wie Kuka aus dem 25 Mio. teuren Panda-Projekt herausgedrückt wurde

Eine typische Angst von Gründern, die einen Investor aufnehmen, besteht darin, von diesem herausgedrängt zu werden. Seltener kommt es vor, dass der Investor herausgedrängt wird. Dies war quasi bei der Vorgängergesellschaft von Franka Emika, dem Münchner Startup, dass den „Panda“ entwickelt hat, der Fall. An der Vorgängergesellschaft, der KBee AG war Kuka mit 45% beteiligt. In ihrer Bilanz 2016 (abrufbar beim Bundesanzeiger) ist zu lesen: Die Gesellschaft hat im Sommer 2016 alle wesentlichen Mitarbeiter durch Eigenkündigungen (sic! – d. Verf.) verloren. Durch die Kündigung des Lizenzvertrages ihrer Technologiegeberin Kastanienbaum GmbH im Sommer 2016 wurden der Gesellschaft weitere wesentliche wirtschaftliche Grundlagen entzogen. Die Gesellschaft stellte daraufhin im Sommer 2016 ihre laufende Projektarbeit ein.“

(Geschäftsführer der Kastanienbaum GmbH waren – abwechselnd – die Haddadin-Brüder, die Haupt-Köpfe von Franka.)

Zeitgleich zu den Kündigungen nahm am 14.06.2016 Franka die Tätigkeit auf. D.h. die Mannschaft kündigte und heuerte parallel bei der neuen Gesellschaft Franka an, die zu dem Zeitpunkt bereits ausreichend finanziert gewesen sein dürfte. Die KBee AG hatte bis Ende 2016 (vermutlich eher bis zum Trennungsdatum) Verluste in Gesamthöhe von knapp 11,6 Mio€ als Folge der umfangreichen Entwicklungsmaßnahmen erwirtschaftet, die zu zumindest 45% von Kuka zu tragen waren.

KBee hat für 2017 bereits keine Bilanz mehr hinterlegen müssen und hofft von einem möglichen Franka-Erfolg partizipieren zu können: „Die Gesellschaft hat am 30.06.2016 einen Kauf- und Lizenzvertrag mit der FRANKA EMIKA GmbH, München abgeschlossen, aus welchem die Gesellschaft zukünftige Einnahmen plant.“

Kuka weist in der Bilanz 2017 Aufwendungen für den weiteren Unternehmenserwerb von KBee für die Jahre 2016 und 2017 von 1,6 Mio€ (Meilensteinzahlung) bzw. 1,0 Mio€ aus. (Der damalige Kuka-Chef, Dr. Till Reuter, war an KBee beteiligt, was überraschenderweise wohl erst in einer Kuka-Aufsichtsratssitzung am 11.10.2016 – also nach der Trennung – ausgiebig diskutiert wurde.) Zugleich schrieb Kuka in seiner Bilanz 2017 9 Mio€ ab, die die Wertberichtigung der Finanzanlage KBee AG betrafen. (Schmerzlicher als diese Wertberichtigung dürfte der Entgang der erhofften Gewinnanteile sein – die künftige Panda-Familie kann durchaus zu einem drei- oder vierstelligen Mio.-Unternehmenswert führen.) Im Geschäftsjahr 2018 hat Kuka seine KBee-Anteile verkauft. Der Erlös dürfte im Mio-Bereich gelegen haben, so dass sich die vorherige Wertberichtigung relativiert. Aber: An künftigen Gewinnen wird man nicht mehr teilhaben können. Interessant wäre zu wissen, wer denn recht viel Geld für die scheinbar nun wertlose KBee gezahlt hat.

Der Hintergrund der Auseinandersetzung dürfte, so meine Informationen, in den unterschiedlichen Geschäftsmodellen der Firmen zu finden sein. Die Franka-Gründer wollten einen preiswerten Roboter samt Direktvertrieb (Internet) und einen autarken Kunden, der dank der Einfachheit der Cobots diese selber programmieren kann. Dies haben sie auch eindrucksvoll umgesetzt. Kuka bietet hingegen hochpreisige Lösungen an, bei denen die Programmierung durch Kuka oder den Partner unerläßlich ist. Größere Roboter vorausgesetzt, kann Franka für Kuka bedrohlich werden. Eine Kooperation hätte wiederum keinen Sinn gemacht, da die niedrigen Franka-Preise nicht die für den Kuka-Apparat erforderlichen Deckungsbeitrag generieren würden. Für die neue Gesellschaft Franka Emika mögen sie hingegen mehr als auskömmlich sein. (Ironie des Schicksals: Der fast parallel eingestiegene chinesische Midea-Konzern kritisiert gerade die hohen Kuka-Preise. ) Vielleicht, auch dies erscheint denkbar, wollte sich die Panda-Mannschaft nur von den Chinesen abgrenzen. Dies würde aber eine frühzeitige Information über den Einstieg vorausgesetzt haben, was angesichts der Börsengesetze (Insider) eher unwahrscheinlich erscheint.

Wer wissen möchte, wieviel die Entwicklung des Panda gekostet hat, sollte zu den genannten KBee-Verlusten in Höhe von 11,6 Mio€ noch den in der Franka-Bilanz per 31.12.2017 ausgewiesenen Verlust von 8 Mio€ hinzuaddieren. Bis zur Markteinführung in 2018 und danach dürften weitere Verluste angefallen sein. Der Panda dürfte – incl. Aufbau der Organisation – somit mindestens 20 Mio€ gekostet haben. „Mindestens“ deshalb, weil in der Franka-Bilanz 2017 Ende Dezember ein Kassenbestand von 3,1 Mio€ ausgewiesen wurde, dieser aber anscheinend im Frühjahr 2018 weitgehend verbraucht war, was auch logisch wäre: Den laufenden Ausgaben (Personal) standen noch keine Einnahmen gegenüber. Denn der besagten Bilanz ist ebenfalls zu entnehmen:

„Vor dem Hintergrund des zur Verfügung stehenden Eigenkapitals und des mit dem erfolgreichen Markteintritt verbundenen Liquiditätsbedarfs konnte im ersten Halbjahr 2018 ein strategischer Partner gewonnen werden, der im Rahmen einer Kapitalerhöhung neue Anteile an der Franka Emika übernahm. Damit ist die Gesellschaft mit ausreichend Liquidität und Eigenkapital ausgestattet, um im Prognosezeitraum von der Fortführung des Unternehmens auszugehen. Gleichzeitig konnten auch alle Rechtsstreitigkeiten mit dem KuKa-Konzern beigelegt werden.“

Die aufgelaufenen Verluste bis zum Markteintritt von kumuliert vermutlich 25 Mio€ waren nicht gering – im Vergleich zu Yuanda (simple Rechnung 20 Mitarbeiter x 100.000 p.a. x 3 Jahre + Material/ Sonstiges) oder zu Automata (das Startup erhielt von Investoren 9,5 Mio. US$) – und angesichts des bereits vorab bestehenden enormen Fachwissens seiner Führungskräfte. Im Vergleich zu Entwicklungen in anderen Branchen waren die Ausgaben hingegen nicht so hoch. Franka hat nicht nur entwickelt, sondern auch Grundlagenforschung betrieben. (Da Franka mit TQ in Durach/ Kempten über einen Lohnfertiger verfügt, wurde kein Kapital für den Fertigungsaufbau benötigt.)

 

Angesichts des Cash-Drains dürfte der Erhalt des Deutschen Zukunftspreis aus den Händen des Bundespräsidenten Ende 2017 nicht nur der Proof-of-Concept gewesen sein, sondern die Dotierung in Höhe von 250.000 € auch hilfreich gewesen sein.

Bei dem erwähnten strategischen Partner handelt sich bekanntlich um den Familienkonzern Voith, der sich mit 10% an Franka und mit 51% an der neuen Vertriebsgesellschaft Voith Robotics beteiligte. Details hierzu sind der Bilanz der Voith GmbH & Co. KGaA für das Geschäftsjahr 01.10.2017 bis 30.09.2018 zu entnehmen. Wie ebenfalls bekannt, war Voith bis zum Einstieg der Chinesen Großaktionär bei Kuka und konnte seinen Anteil mit hohem Gewinn an Midea verkaufen.

Für den Erfolg von Franka kann der Einstieg von Voith entscheidend sein. Für einen Außenstehenden, wie den Verfasser, scheint die Unternehmenskultur noch zu wenig markt-orientiert zu sein. Eine Presseanfrage von ihm wurde am Thema vorbei auf Englisch (für den Mittelstand eher ein No-go) beantwortet und stellt ein User eine Frage zu einem YouTube-Video, wird diese konsequent nicht beantwortet (siehe Screenshot).

Ein Kaufinteressent erhält keine Antwort - unglaublich!

Der Weltmarktführer Universal Robots wurde übrigens 2015 für 285 Mio US$ und einem möglichem Nachschlag 65 Mio US$ erworben. Terradyne, der Käufer, übernahm 2018 zudem den Weltmarktführer für mobile Roboter, MIR, für 272 Mio US$. Von den chinesischen Cobot-Herstellern scheint mit Siasun der Erste den Eintritt in den deutschen Markt zu planen (Link).

Der Autor dieses Blogs steht für Marktrecherchen oder auch einen Gang durch Ihre Produktion/ Fertigung zur Verfügung (Detail) um dann konkrete Cobot-Vorschläge incl. Fördermöglichkeiten zu unterbreiten. Es werden sowohl KMU wie Groß-Unternehmen besucht.