Cobots: Positionierung als Gadget oder als Problemlöser?

Nicht selten werde ich von Kollegen der Robotik kontaktiert, z.B. wenn ihnen etwas nicht gefällt oder sie meine Meinung hören wollen. So war es die Tage als ein namhafter Roboterhersteller in einem Post gezeigt hat wie sein Roboter das Ladekabel zu einem Elektroauto führt. Die Meinung des Bekannten: “Die Firma hat so tolle Produkte, da sollte sie besser solch ein Gadget nicht zeigen, was meinst Du dazu?” Ich begann nachzudenken. Letztlich geht es um die Frage, ob das Interessse des potentiellen Kunden geweckt wird oder ob er “abschaltet”, verschreckt wird und das Gezeigte für eine Spinnerei hält.

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In Finnland führt ein Universal Robots den Tankschlauch

Passend zur Kritik erschien ein Artikel mit einem echten Use-Case samt Video (s.u.). Ich sehe den Nutzen kritisch. Denn wenn ich eh aussteigen muß (Abschrauben des Tankdeckels) bzw. dies gar gerne tue (Bewegung!), was nützt mir dann dieser Service? Aber gut, die Tankstelle zahlt ihn und in Italien gibt es ja durchaus eine Nachfrage nach den Service-Mitarbeitern, der das Auto betankt. Er wird dort sporadisch genutzt, obwohl der Liter im Vergleich zur SB-Säule schnell 10 Cent mehr kostet.

Cobots an Haushaltsgeräten

Ich denke, hier muß unterschieden werden. Der Bier-zapfende Roboter kommt, so scheint mir, immer gut an. Er schreckt auch nicht ab und wird er als Spaß-Objekt wahrgenommen. Mittlerweile mag mancher denken “stimmt, warum das Zapfen nicht automatisieren?”. Er ist dann ein brauchbarer Use-Case.

Extrem populär ist das Bedienen eines Kaffeeautomaten durch einen Cobot. Hier bin ich skeptischer. Denn einerseits weiß jeder, der solch ein Gerät Zuhause hat, dass man nach vielleicht 10 Tassen selber Hand anlegen muß (Bohnen oder Wasser nachfüllen, ausgießen) und dann fehlt mir eigentlich die Glaubwürdigkeit. In fast jedem Betrieb stehen Münzautomaten. Somit bedarf es eigentlich keiner Automatisierung mehr. Aber so wie ich scheint kaum einer zu denken und damit paßt der Case. Vor allem wird der Case auch schnell verstanden. Dieses Video ist übrigens schon fünf Jahre alt. Insofern könnte der Kaffee-Einsatz nur Premieregäste interessieren. Der Einsatz von gleich zwei Cobots (Kosten!) zeigt, dass es sich um einen Gag handelt:

Lösung sollte alterskonform sein und nicht abschrecken

Und dann möchte ich noch auf den Case des Startups VisCheck, an dem ich involviert bin, hinweisen. Wir durften während der automatica am Stand von NEURA Robotics zeigen wie ein Cobot den Bildschirm einer Haushaltsmaschine liest und diese dann bedient. Gedacht als Eye Catcher hatte ich bei der Standbetreuung wechselhafte Feedbacks: Jüngere Personen wurden neugierig und haben fast immer auf Anhieb verstanden worum es geht. (Eine beliebige Maschine kann einfach automatisiert werden, wenn sie über einen Bildschirm verfügt. Dessen Inhalt wird von einer Kamera erfaßt und dann passend an den Roboter übermittelt. Dieser sieht so was zuvor der Mensch sah. Alles ohne Software-Schnittstelle. Vgl. Opdra) ABER: Gerade bei Männern ab 50 Jahren konnte fast schon eine Abwehrhaltung festgestellt werden. Sie sahen ein Küchengerät und schon war ihr Interesse weg (“dafür ist meine Frau zuständig”). Allerdings hielten diese Messebesucher auch zu den zahlreichen praktischen industriellen Anwendungen von NEURA Robotics (und wahrscheinlich an allen anderen Ständen) einen Sicherheitsabstand zu den Robotern ein. Vielleicht wären sie oder so nicht zu erreichen gewesen.

Das Video startet bei der Vorstellung der Küchenmaschine.

Auf das Bierzapfen übertragen wäre interessant zu wissen, ob es Frauen eher abschreckt. Das Problem des Nicht-Interessierens besteht allerdings auch bei speziellen Industrie-Lösungen. Ein Schweißroboter wird einen Elektriker nicht interessieren. Er wird kaum überlegen, “was könnte er bei mir machen“, sondern weitergehen.

Doosan hatte bei der automatica eine ganz spezielle Lösung des Auffallens: Cobots hämmerten lautstark auf ein Schlagzeug ein:

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät KMU rund um Robotik – bis zu 50% Förderung der Beratung sind möglich. Permanent auf der Suche nach interessanten Lösungen hat er schon hunderte Applikationen gesehen. Aus diesem Grund gehören auch Großunternehmen zu seinen Kunden, die zwar über Know how verfügen, aber nicht den gesamten Markt kennen. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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