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Meinung

Publikumsbeschimpfung

Am heutigen Sonntag-Abend waren wir in einem bayerischen Gasthaus im ländlichen Kreis Rosenheim. Wir sahen das Schild „Betriebsurlaub 04. Juli bis 15. September“ und fragten die Kellnerin (etwa 50 Jahre) ob der Wirt ins Krankenhaus müsse. Es entstand ein vielsagender Dialog über Arbeitskräftemangel und Robotik, passend zum Freitag-Titelblatt des Handelsblatt (s.o.).


Sie: „Wir müssen zusperren weil wir kein Personal mehr finden. Weder für den Service noch für die Küche.“
Ich: „Personalmangel im Service ließe sich durch einen Service-Roboter mindern.“
Sie: „Das geht nicht in einem bayerischen Gasthaus, da kommen keine Gäste mehr“.
Ich: „Wenn geschlossen ist, kommen auch keine Gäste. Der Donisl am Marienplatz (München, Anm.) hat einen und ist sehr zufrieden. Wichtig ist, dass das Personal die Waren übernimmt und mit dem Gast tratscht.“
Sie: „Ja, dass Gespräch muss sein. In unserer Gaststube wäre es viel zu eng für einen Roboter.“
Ich: „Nein, würde passen, ich kenne mich da aus.“
Sie: „Der Chef will keinen. Übrigens haben hier alle Personalnot.“
Ich habe dann nicht mehr nachgehakt. Letztlich zeigt das Gespräch das Grundproblem unserer Gesellschaft. Egal ob Gasthaus, Flughafen (vgl. Handelsblatt-Artikel über die Möglichkeiten, die es hier gibt, aber nicht verfolgt werden.): Klappt die Netzverbindung des Handy nicht, sagen die gleichen Leute, die jegliche Innovation von sich weisen „Digitalisierungswüste Deutschland“ und geben der Politik die Schuld. Hier haben sie zwar Recht, aber im Grund sind viele Bürger auch nicht anders. Obwohl die Existenz des Gasthauses bedroht ist (warum soll es ab Mitte September wenn die Wiesn beginnt, Personal geben – und die Biergartensaison ist dann vorbei) wird nach Argumenten gesucht das Bestehende fortzupflegen. (Donisl-Video startet nach 30 Senkunden mit Film.)

Eindrücke von der automatica

Bei der automatica durfte ich das Produkt unseres Startups präsentieren. Zugegeben, es ist arg innovativ bis seltsam. Jedenfalls verfestige sich hier mein zuvor schon gewonnener Eindruck: Personen bis 30 Jahre braucht nur wenig erzählt zu werden. Sie haben sofort die Fähigkeit den Nutzen zu erkennen und auf sich zu übertragen. Ab 50 Jahre wird es häufig sehr schwierig. Dies galt vor allem für Männer, die zusammen ankamen. Es schien bisweilen so, als ob sie durchaus die Notwendigkeit zum Besuch der automatica sahen, aber allein nicht hingehen wollten. War bei mehreren 50 jährigen ein jüngerer Kollegen, war dieser gegebenüber meinen Erläuterungen am aufmerksamsten während seine Kollegen ihn anschauten oder einfach weggingen. Die Innovation ging sie nichts an. Er war nicht der Entscheidungsträger, aber letztlich der Influencer der anderen.

Führungskräfte in Konzernen und Verbände sind kaum anders

Südtirol ist stark von Arbeitskräftemangel betroffen. Wie auch bayerische Gastwirte hoffen die dortigen Hoteliers nun auf Ukrainer. Der Hersteller nachhaltiger Outdoor-Kleidung Vaude betont seit Jahren wie wichtig die Afghanen für die Aufrechterhaltung der eigenen Fertigung seien. Es gibt Geschäftsmodelle, die basieren auf permanente Migration statt auf Technologie, habe ich hieraus geschlossen.

In der heutigen Ausgaben von Südtirol Online prognostiziert der Chef des Unternehmerverbandes Heiner Oberrauch (ein sehr erfolgreicher Unternehmer) „Ein Gasthaus in einem Dorf wird künftig auch einen kleinen Laden beherbergen und gleichzeitig auch das Postamt. Sonst ist das bei den fehlenden Arbeitskräften nicht mehr machbar.
Ich denke, hier denkt er die bestehenden Strukturen weiter und rationalisiert. Dies dürfte aber schlicht nicht ausreichen. Vermutlich werden viele Dorfgasthäuser ebenso wie der Laden von Robotern geführt werden. Die Aussage von Oberrauch zeigt, dass viele – auch erfolgreiche Manager – noch nicht in Robotik denken. Es gibt also noch viel zu tun.

Aversion gegen Robotik kommt aus ideologischen Narrativen

Im Zuge der Handelsblatt-Titelgeschichte habe ich auf LinkedIn eine Diskussion über Robotik gelesen. Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass die Medien über Jahre Roboter und Künstliche Intelligenz als Arbeitsplatzvernichter dargestellt haben und dabei die demographische Entwicklung nicht berücksichtigt haben. Ich denke, er hat Recht. So entstand ein weiteres falsches Narrativ und Roboter erhielten ein schlechtes Image. Völlig unverdient, denn nur sie können unseren Lebensstandard und Wohlstand sichern, wie es der Deutsche Robotik Verband in einem Artikel formulierte.

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In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät bei fast allen Fragen rund um Robotik incl Finanzierung/ Förderungen, aber nicht vertiefend in die Technik gehend. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.


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