Schweiger-Gruppe: Cobots sind keine Maschinen, sondern Werkzeuge

Rund um München werden nicht nur Cobots entwickelt (Franka Emika, ABB, Agile Robots, RobCo, Magazino), sondern auch eifrig verkauft. Zu nennen war hier bislang vor allem mit Jugard+Künstner, der größte Universal Robots-Händler. Vor rund einem Jahr kam mit Go2Automation eine Internet-Automatisierungsplattform hinzu. Dazu sitzt in München das Robots-as-a-Service-Unternehmen Jungle. Während es sich bei vorgenannten Unternehmen überwiegend um Start-ups handelt, ist seit einigen Monaten zunehmend ein traditionelles Unternehmen am Markt aktiv.

Die Schweiger-Unternehmensgruppe mit Sitz in Sauerlach (Landkreis München) besteht seit 35 Jahren und wird in zweiter Generation von Dr. Christoph Schweiger geführt. Die Gruppe beschäftigt über 200 Mitarbeiter. Sie handelt mit Maschinenzubehör, konfektioniert Kabel, fertigt Baugruppen und automatisiert für KMU, wie auch für namhafte Münchner Konzerne. Bei all diesen Tätigkeiten ist die Gruppe mit dem typischen Problem der Wirtschaft konfrontiert: Arbeitskräftemangel. Dies sowie die ohnehin enge Verbindung zum Maschinenbau haben früh das Interesse an Robotik geweckt.

„Wird der Cobot als Werkzeug und nicht als Maschine angesehen, steigt die Akzeptanz“

Bernd Finkenberger, Vertriebsverantwortlicher für die Robotik, will den KMU, der Hauptzielgruppe, keine Maschinen, sondern Werkzeuge anbieten. Daher übernimmt Schweiger nicht nur die Funktion des Verkaufs, sondern auch die des Integrators. Entweder mit eigenen Automatisierungslösungen incl. Band, Gehäuse etc. oder zumindest durch das Angebot der Programmierung. So wie ein Mitarbeiter heute einen Bohrer nutzt indem er nur wenige Dinge einstellt (Links- oder Rechtsdreh, Geschwindigkeit, Bohrtiefe), soll er auch einen Cobot nutzen können. Nach Finkenberger müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein damit ein Cobot die notwendige Akzeptanz erfährt: Einerseits darf der Mitarbeiter den Cobot nicht als Konkurrenten um seinen Arbeitsplatz ansehen. Bei der Assoziation mit einem Werkzeug ist dies nicht der Fall. Andererseits sinkt seine Befürchtung die Cobot-Bedienung könnte zu komplex sein. Aber auch wenn der Cobot als Werkzeug dienen soll, muß sich der Mitarbeiter die potentiell vorhandenen Gefahren sehen. Ein Einsatz von wechselnden Leiharbeitern am Cobot sieht er daher kritisch.

Bernd Finkenberger an einem Han´s Robot

Größte Auswahl an Cobots

Geschäftsführer Dr. Schweiger ist sich bewusst, dass nicht jeder Cobot voll ausgelastet sein wird. Ein Fanuc oder Doosan (werden auch angeboten) wäre für einen sporadischen Einsatz zu teuer. Daher setzt er ergänzend zu diesen bekannten Premium-Marken auf andere asiatische Anbieter wie Han´s Robot, Elite Robots, Jaka (alle China), Techman (Taiwan) und vor allem Rainbow Robotics. Der letztgenannte Hersteller kommt aus Süd-Korea und hat dort im direkten Wettbewerb zu Doosan Fuß fassen können. Finkenberger verwies auf die sehr gute Programmier-Oberfläche von Rainbow Robotics. Der im Showroom ausgestellte Rainbow Robotics kostet etwa 18.000 € und ist damit bedeutend günstiger als vergleichbare europäische Modelle. Nicht unerwähnt werden soll, dass auch Yuanda angeboten wird. Yuanda ist bereits besser bekannt und bedarf keiner Vorstellung.

Während die Programmierfläche des Han´s weitgehend auf Deutsch gehalten ist, bietet Elite Robots nur Englisch an. Jaka konnte zum Zeitpunkt des Besuches noch nicht beurteilt werden. Er befand sich noch in der „Kennenlernphase“.

Dr. Christoph Schweiger an einem Rainbow Robotic

Die ausgestellten Roboter haben alle in etwa eine Reichweite zwischen 80 und 90 cm. Die Geräte können nach Terminvereinbarung mit mitgebrachtem Material getestet werden. Hierfür stehe verschiedene Greifer und Lösungen der Bildverarbeitung zur Verfügung. (In einem weiteren Beitrag wird die Bin-Picking-Lösung von roboception vorgestellt.) Zudem wird i.d.R. immer eine Automatisierungslösung zusammengebaut, so dass vom Labor- zum Praxisbetrieb gewechselt werden kann. Wahrscheinlich bietet kein anderer Anbieter so viele asiatische Cobot-Marken wie Schweiger an.

Interessierte sind eingeladen eigene Teile mitzubringen.

Arbeitsplatzsystem

Die beiden führenden Aluprofil-Hersteller kommen aus Deutschland. Bosch Rexroth und item bieten so viele Varianten an, dass es für alles eine Lösung gibt. Die deutschen Montagesysteme sind so ausgereift, dass ein Wettbewerber eigentlich nur über den Preis oder das Design konkurrieren kann. Letzteres ist der Ansatz von Vention. Mit einer dunkel-blauen Eloxierung unterscheidet sich das Startup aus Kanada optisch stark von den hiesigen Platzhirschen. Das Foto zeigt, dass es nicht immer silber sein muss:

Vention-Profil

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Boost-Bot beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Markt (-eintritt)/ Business Development und Finanzierung/ Förderungen. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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