TQ-Robotics & der Franka Emika Robot: Es muss nicht alles automatisiert werden

Vor wenigen Monaten wurde an dieser Stelle über den „TQ-Ansatz“ berichtet, nun konnte ich TQ Systems in Durach bei Kempten auf Einladung der Produktmanager Dirk Thamm (rechts oben) und Robert Vogel (links oben) besuchen. TQ ist bekanntlich eng mit Franka Emika verbunden. Sowohl als Gesellschafter, wie als Fertiger des Franka Emika Robot und vor allem auch als Vertriebspartner, der gezielt Automatisierungslösungen sucht und diese mittels eigener Software-Entwicklung unterstützt. Sie ahnen es schon, “Franka Emika Robot” ist die neue Bezeichnung für den vormaligen “Panda”.

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TQ hat mehr zu bieten als den Franka Emika Robot

Vor dem Gang in den Showroom hing es – E-Bikes. Diese stellen für TQ nicht nur einen weiteren Einstieg in einen Wachstumsmarkt dar, sondern bringen auch erstmals den Kontakt zu Endkunden mit sich. Seit 2017 bietet TQ zahlreichen Fahrradherstellern komplette Antriebssysteme an. Das Herz des Systems ist der leistungsstarke HPR120S Motor. Dank der patentierte Harmonic Pin Ring Technologie bietet das E-Bike Antriebssystem von TQ neben einem ultrakompakten Design auch maximale Effizienz. Um die Bekanntheit der Marke über das Fachpublikum hinaus auf den gemeinen E-Biker zu erweitern, unterstützt TQ jetzt schon die zweite Saison als Sponsor den Deutschen Skiverband. Sofern Corona mitspielt, dürfte das TQ-Emblem in den nächsten Wochen und Monaten ausgiebig zu sehen sein, so dass die Technologie-Marke bis zum Rad-Saisonbeginn im März weiter an Bekanntheit gewonnen haben dürfte.

Bildquelle: Deutscher Skiverband
Bildbeschreibung: v.l.n.r.  Florian Notz (Skilanglauf), Sabrina Cakmakli (Freeski), Johannes Rydzek (Nordische Kombination), Katharina Althaus (Skisprung), Florian Wilmsmann (Skicross)

Leistungsdaten Franka Emika Robot – avisierter Zuwachs

Der vormals Panda genannte Cobot kann bekanntlich 3 kg heben und hat eine Reichweite von 85 cm. Das Besondere an ihm sind seine 7 Achsen, die eine besondere Beweglichkeit ermöglichen. Mit 15.700 € incl. Software und Greifer ist er günstiger als die allermeisten Wettbewerber, dafür aber nicht ganz so kräftig. Dies gleicht er neben dem Preis mit der Software und seiner besonderen Sensitivität aus. Seine Daten wie auch IP30 haben dazu geführt, dass der Panda in der Elektronik-Industrie und primär bei Anwendungen mit geringerem Gewicht, wie z.B. Maschinenbestückung eingesetzt wird und weniger z.B. im CNC-Bereich. Erst kürzlich wurde in einem Interview von Franka Emika eine Portfolio Erweiterung in Aussicht gestellt , womit die Anwendungsgebiete in naher Zukunft weiter zunehmen werden. Die Materialpreiserhöhungen dürften früher oder später auch am Franka nicht vorbeigehen. Wer also ohnehin einen Cobot kaufen wollte, sollte dies zeitnah tun. Denn die gestiegenen Einkaufspreise werden sicherlich weitergegeben.

Software ohne Folgekosten, aber mit Ergänzungen

TQ-Robotics hat wie eingangs erwähnt, verschiedene Funktionen. Die vielleicht am wenigsten bekannte ist die des Softwareentwicklers. Da TQ regelmäßig sowohl Inhouse- wie auch extern Automatisierungen realisiert, hat sich im Laufe der Zeit eine umfangreiche Software-Bibliothek angesammelt. Diese umfasst mittlerweile 30 Apps. Beim Kauf eines Franka Cobot wird die „TQ-Core-Solution“ mitgeliefert, ein Paket zur ganzheitlichen Automatisierung inkl. Ansteuerung von Sensorik, Aktorik, Error Handling, Logi, TCP Vermessen und vielem mehr  Der Kunde erhält neue Core-Apps kostenlos und hat auch sonst keine Folgekosten zu berücksichtigen. Die Apps eignen sich vor allem für Pick & Place-Anwendungen, Maschinenbestücken usw. Darüber hinaus gibt es modulare Erweiterungen für Schrauben, Löten, Kleben, 2D Kamera.

Es muß nicht alles automatisiert werden

Zum bekannten TQ-Ansatz gehört der intensive Einsatz des Franka Emika Robots in der eigenen Robotik- und Elektronik-Fertigung. Hierdurch ist man selber Anwender und kann in der Folge die Lösungen auch an Dritte verkaufen. Gerade der Elektronik-Bereich ist hier ein interessanter Markt. In Deutschland gibt es eine vierstellige Anzahl an Leiterplatten-Bestücker, die hauptsächlich in kleineren Losgrößen produzieren und daher überaus flexibel sein müssen. Der Franka Emika Robto ist für die Teil-Automatisierung prädestiniert. Teil-Automatisierung deshalb, weil eine Voll-Automatisierung häufig nicht lohnt. Robert Vogel wies darauf hin, dass einzelne Tätigkeit (z.B. das Wegtragen eines vollen Karton) nur in größeren Zeitintervallen anfallen und daher die Programmierung und Einrichtung solch einer Rand-Tätigkeit sich nicht rentieren würde.

Diese Reserviertheit gegenüber Vollautomatisierungen erscheint mir nur allzu gut berechtigt. Denn in mittelständischen Unternehmen gibt es eigentlich fast immer einen, der nebenbei alle paar Minuten einen Handgriff vornehmen kann.

Es gibt für fast alles eine Lösung

Der Rundgang durch die Fertigung machte deutlich, dass es für fast alles eine Lösung gibt und bei TQ aus Kostengründen der Franka Emika Robot so manches Zubehör ersetzen muß. Natürlich könnte man an einem geneigten Fertigungsband Laufrollen montieren damit die Teile selber zum Ziel gleiten. Dies aber würde Geld kosten und da der Franka Emika Robot noch etwas Zeit hatte, wurde ihm die Aufgabe übertragen zu schieben. Sieht ungewohnt aus, spart aber Geld.

Gutes Design ist wichtig, aber Sicherheit ist wichtiger

Natürlich ist es Geschmackssache, doch gehört der Franka Emika Robot für mich klar zu den Cobots mit gutem, wertig-erscheinenden Design. Dirk Thamm, einer der deutschen Cobot-Pioneere hörte dies natürlich gerne und sagte auch, dass das Aussehen bei der Kaufentscheidung durchaus eine Rolle spiele. Dennoch solle sich der Mitarbeiter stets bewusst sein, dass es sich um eine Maschinen und nicht einen freundschaftlich anzusehenden Kollegen handelt. Da hat Dirk Thamm natürlich Recht. Die Berücksichtigung der Sicherheit beim Gespräch wie auch der Kollisionsschutz des Franka Emika Robots unterscheiden ihn zusätzlich von manchem Wettbewerber.

Kleine Premiere

Kurz vor meinem Besuch war das Zimmer-Schmalz Wechselwerkzeug „Match“ in Durach eingetroffen und montiert worden. Es ermöglicht den schnellen und automatisierten Wechsel der Greifer dieser beiden Hersteller, wie das Video zeigt:

Vernetzen wir uns? LinkedIn
-> Zur Cobot-Gruppe auf LinkedIn (Link)

In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Boost-Bot beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Markt (-eintritt)/ Business Development und Finanzierung/ Förderungen. Das Standardbuch über Cobots stammt ebenfalls von Guido Bruch (das Buch ist allerdings bereits 2 Jahre alt und daher nicht mehr ganz aktuell). Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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