Viessmann und die Robotik – Parallelen

Viessmann verkauft seinen Klimabereich und der Klima- und gelegentlich auch Wirtschaftsminister Habeck, mutmaßlich Mit-Verursacher des Verkaufs, ist erschrocken. Dieses Erschrecken auch anderer Politiker erinnert an die Reaktion als KUKA von Midea übernommen wurde. Hiermit haben wir eine erste Parallele zur Robotik.

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Verkaufsgrund Überforderung?

Immer wieder gerne verweise ich auf das Buch “Rettet den Kapitalismus” von Robert Reich. Der vormalige US-Arbeitsminister unter Clinton schreibt in dem Buch, dass die großen Konzerne keine Parteispenden tätigen um Aufträge zu erhalten, sondern um die Regularien zu verändern. Denn wer diese bestimmt, hat die Märkte im Griff. Habeck hat recht naiv reguliert und somit von heute auf morgen den Öl- und Heizungsbereich von Viessmann zum Sanierungsfall gemacht. Denn dass die Nachfrage nach Öl- und Gas-Heizungen einbricht, ist klar. (Hinzu kommt die ohnehin schwache Neubau-Konjunktur als Folge der Zinserhöhungen.) Auf der anderen Seite wurde Marktpotenzial in Form der Wärmepumpe geschaffen. Deren Erschließung kostet natürlich erstmal Geld und eröffnet den asiatischen Wettbewerbern, die seit Jahrzehnten in großen Stückzahlen stark automatisiert vergleichbare Klimaanlagen bauen, Markteintritts-Chancen, die sie zuvor nicht hatten. Durch die Regierung wurden die Karten mal eben neu gemischt.

Letztlich hat Viessmann so das gleiche Problem wie unsere Automobilindustrie: Die schrittweise Abwicklung einer alten, auslaufenden Technologie und parallel hierzu der rasante Aufbau einer neuen. Es ist naheliegend, dass der, der sich nur um den Aufbau der neuen Technologie kümmern und keine Rücksicht auf alte Strukturen nehmen muß, klar im Vorteil ist. Dies erfuhren auch die Industrieroboter-Hersteller, deren Betriebssysteme nicht so geschmeidig wie die der neuen Wettbewerber waren. Kuka hat entsprechend gehandelt.

Viessmann kann für die Effekte der Transformation nichts, dennoch werfen einige Politiker und sogar das Handelsblatt dem Unternehmen nun vor, nicht rechtzeitig auf die Wärmepumpe gesetzt zu haben. Ich denke, bei ihr gab es nie einen richtig großen Mangel. Daher erscheint mir die Statistik hilfreich:

Absatz von Heizungswärmepumpen (Link)

Wie zu sehen ist, gab es zunächst Jahre des moderaten Wachstums bzw. gar der Stagnation (ca. bis 2015). Dann gab es einen Sprung und sodann wieder moderates Wachstum (bis 2019). Dann erst begann der Boom. Die Robotik, insbesondere die Cobots, hatte 2021 einen Umsatzsprung. Sie gilt weiterhin als Zukunftstechnologie, kann derzeit aber keinen Boom vorweisen. Nun, liebe Kritiiker, die ihr meint Viessmann hat geschlafen, sollen die Roboter-Hersteller nun Kapazitäten aufbauen in der Erwartung, dass der Markt zeitnah startet? Große asiatische Konzerne wie Yaskawa (baut offenbar sein Werk in Slowenien aus) oder FANUC können dies. Die kleineren deutschen Startups aber nicht. Soweit die zweite Parallele zwischen Robotik und Viessmann.

Viessmann und die Robotik benötigen Partner

Viele Robotik-Kunden benötigen die Unterstützung der Integratoren, die den Roboter in die bestehende Abläufe integrieren und programmieren. Mehr oder minder handelt es sich hier um ein eingespieltes Gleichgewicht. Als dritte Parallele ist somit zu nennen dass das eigene Produkt kaum verkauft werden kann wenn es keine Partner gibt oder deren Kapazität zu gering ist. Zudem können diese Partner ein anderes Produkt empfehlen. Sie sind häufig stärker als Subunternehmer. Bei den Wärmepumpen war eigentlich immer zu lesen, dass es einen Handwerkermangel geben würde. Der Handwerkermangel wurde als Limitierung der gesetzlichen Zielsetzung genannt. Nun wird plötzlich auch von asiatischer Konkurrenz gesprochen, die Konsquenz wäre aber die Gleiche: Bei starker Nachfrage gäbe es einen Handwerker- bzw. Integratorenmangel, nicht aber der Hardware. D.h. diese könnte hierdurch unter Preisdruck geraten, da der Einbauende mächtiger ist. Die begrenzte Preismacht ist demnach die vierte Parallele.

Viessmann wurde hoch bewertet

Trotz der womöglich begrenzt positiven Aussichten (Asiaten – Preisdruck?, begrenzte Kapazitäten der Partner, Strommangel?) wurde Viessmann mit dem zwanzigfachen des EBITDA bewertet. Als fünfte Parallele zur Robotik ist die hohe Bewertung zu nennen. Als Unterschied zu ihr aber auch, dass der Viessmann-Investor aus der Branche kommt. Vielleicht hat er einen anderen Grund solch einen hohen Kaufpreis zu zahlen. Und natürlich können die Verkäufer andere Gründe zum Verkauf gehabt haben als die offiziell genannten Gründe.

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). Der Verfasser ist auch beratend tätig (Robotik, Tech & Finanzierung). Kaum jemand dürfte über eine vergleichbare Marktübersicht verfügen.

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