Wäschereien: sewts mit Markteintritt – starkes Wachstum als Ziel

Es ist keine echte News mehr, die die Pressemitteilung des Münchner Startups sewts, einer TUM-Ausgründung, enthält. Denn vor wenigen Tagen gab es bereits vorab einen entsprechenden Handelsblatt-Artikel mit Hintergrund-Infos: sewts, bietet Robotik für Wäschereien an, kann den ersten Kunden vermelden. Dies auch noch in Wolfratshausen, also im Süden Münchens.

Infos/ Anmerkungen jenseits der Pressemitteilung

Eine VELUM-Anlage soll etwa 240.000 Euro kosten und soll sich in zwei Jahren amortisieren. Heuer sollen 16 Anlagen ausgeliefert und so ein siebenstelliger Mio.-Umsatz erreicht werden. In drei Jahren könnte der Umsatz bereits bei 60 bis 80 Mio. Euro liegen. In Deutschland gäbe es allein fast 1.000 industrielle Wäschereien (Krankenhäuser, Hotels). Übrigens liegt keine Konkurrenz zu Robotexile vor. sewts hilft beim Waschen von Handtüchern & Co., Robotexile bei der Herstellung von Textilien.

Zwei Dinge finde ich bemerkenswert: Soweit ich die Anlagen bislang gesehen habe, hält sich ihr Hardware-Wert in Grenzen: FANUC-Roboter, Zelle, Optik etc. Der Preis von 240.000 Euro ist natürlich dennoch fair, weil viel Hirn drinsteckt, es sich rechnet und ein Problem (Personalmangel) gelöst wird. ABER: Der Kunde/ die Leasinggesellschaft muß auch akzeptieren den Großteil des Invest für den Software-Anteil zu zahlen. Dies ist offenbar der Fall.

Zweitens: Die Anlagen müssen sicherlich vor Ort vom Fachmann integriert werden. Bei dem geplanten Umsatzanstieg ist hierfür eine beachtliche Manpower notwendig. Dies erinnert mich an eine kürzlich gelesene Aussage: Die Behebung des Fachkräftemangels durch Robotik ist nur möglich wenn es genügend Automatisierungsspezialisten gibt. – Nun zur Pressemitteilung:

Markteintritt: sewts begegnet dem Arbeitskräftemangel mit Robotik

Das Münchner Robotik-Startup sewts hat sein erstes Produkt erfolgreich auf den Markt gebracht. Die erste Auslieferung des Systems VELUM, mit dem Robotik
Einzug in industrielle Großwäschereien hält, wurde Anfang November abgeschlossen. Das System ist ab sofort bei der Firma Greif Textile Mietsysteme
in Wolfratshausen in Betrieb und schließt dort eine bedeutsame Automatisierungslücke. Wie auch in zahlreichen anderen Branchen stellt der Arbeitskräftemangel im Textilservice-Bereich aktuell eine zentrale Herausforderung dar, die sewts mit der Entwicklung innovativer Automatisierungslösungen angeht.

Für Co-Founder und CEO Alexander Bley ist die Auslieferung ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung von sewts: “Mit VELUM ist uns der Launch eines absolut neuartigen Produkts gelungen. Wir freuen uns, dass wir damit auch ein neues Kapitel unserer Unternehmensgeschichte aufschlagen können“. Seit 2019 arbeitet das Robotik-Startup aus München an innovativer Technologie zur automatisierten Verarbeitung von verformbaren Materialien, wie z.B. Textilien oder Folien. Diese waren aufgrund ihrer komplexen Materialeigenschaften bisher von Fortschritten der Automatisierungstechnik ausgenommen. VELUM beweist nun, dass es möglich ist, die Handhabung von forminstabilen Materialien in industriellen Prozessen wirtschaftlich profitabel zu automatisieren.

Herzlichen Glückwunsch an die sewts Co-Founder Till Rickert, Tim Doerks und Alexander Bley (von links nach rechts)

Weitere Inbetriebnahmen stehen an – Software “wächst”

Die Inbetriebnahme von zwei weiteren Systemen steht kurz bevor, insgesamt sind für das laufende Jahr 16 Auslieferungen geplant. sewts adressiert mit dem ersten Produkt VELUM, das momentan im Schnitt 500-600 Textilien pro Stunde verarbeitet, eine Zielgruppe von weltweit knapp 25.000 Betrieben. “Die aktuelle Leistung von VELUM ist vergleichbar mit der eines Menschen. Durch Over-the-air-Softwareupdates wird – wie beispielsweise auch beim Smartphone – der Funktionsumfang kontinuierlich erweitert”, betont Till Rickert, Co-Founder und CPO bei sewts.

Industrielle Großwäschereien verarbeiten immense Mengen an Handtüchern, Bettwäsche und Arbeitskleidung, insbesondere für Hotels, Krankenhäuser und Pflegeheime, aber auch für Labore und Handwerksbetriebe. Der Arbeitskräftemangel stellt für diese Betriebe ein bedeutendes Problem dar, da es sich als zunehmend schwierig erweist, Belegschaft für die sich wiederholenden manuellen Tätigkeiten zu finden, die bislang nicht automatisierbar waren. Darüber hinaus spielt Kosteneffizienz aufgrund der angespannten Energielage zur Zeit eine wichtige Rolle.

Greif Textile Mietsysteme bietet mit einem Netzwerk aus 10 Standorten deutschlandweit ein innovatives Mietwäschesystem. Die einzelnen Betriebe verarbeiten bis zu 100 Tonnen Textilien pro Tag und gehören damit zu den größten Wäschereien Europas. Das Unternehmen ist somit ein idealer Partner für die erstmalige Nutzung von Robotik in diesem Markt.

Auch in anderen Branchen ist die Verarbeitung von verformbaren Materialien häufig eine Herausforderung. Alexander Bley führt regelmäßig Gespräche mit Vertretern verschiedener Industrien und kommt zu dem Schluss: “Der Bedarf an Automatisierung wird in den kommenden Jahren in allen Bereichen steigen, da die lokale Kapazität manueller Arbeitskraft vielerorts nicht ausreicht, gleichzeitig aber eine Abhängigkeit von anfälligen und klimaschädlichen Lieferketten vermieden werden soll. Unsere Technologie ist dafür ausgelegt, auf weitere Anwendungen übertragen zu werden, und kann einen enormen Beitrag hierzu leisten“.

Neben der Weiterentwicklung von VELUM hat bei sewts bereits die Entwicklung einer zweiten Automatisierungslösung begonnen. In Kooperation mit einem namhaften Ecommerce Unternehmen soll die Retourenabwicklung von Kleidung bedeutend vereinfacht werden.

Über sewts

Die 2019 gegründete sewts GmbH mit Sitz in München ist ein Anbieter für innovative Steuerungs- und Bildverarbeitungssoftware, die die Grenzen der Robotik bei der Verarbeitung von leicht verformbaren Materialien verschiebt. sewts hat eine einzigartige Technologie entwickelt, die hochpräzise Simulationen nutzt, um Machine Learning Algorithmen effizient zu trainieren. Die intelligente Softwarelösung ermöglicht zahllose Anwendungen in der industriellen Automatisierung, wie z.B. die Verarbeitung von Textilien in industriellen Wäschereien oder die Herstellung von Bekleidung. Das Unternehmen wird von APEX Ventures, Bayern Kapital, High-Tech Gründerfonds, Initiative for Industrial Innovators und einer Reihe von sehr erfahrenen Business Angels unterstützt.

(Fotos: sewts GmbH)

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In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er beantwortet Unternehmen die Frage, ob und wie ein Roboter bei Ihnen eingesetzt werden könnte (Erstanalyse samt Empfehlung). Dies in den Großräumen Trier und Lüneburg sowie Ostdeutschland ohne Leipzig/ Berlin für 700 € netto, im restlichen Deutschland zu einem Pauschalpreis von 1.750 € netto (incl. Anreise). Der niedrige Preis ist dank Förderung möglich. Permanent auf der Suche nach interessanten Lösungen hat er schon hunderte Applikationen gesehen. Aus diesem Grund gehören auch Großunternehmen zu seinen Kunden, die zwar über Know how verfügen, aber nicht den gesamten Markt kennen. Für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern oder solchen mit Sitz in Österreich oder Schweiz gilt der Pauschalpreis nicht. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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