Ändern die Robotik-Tanker ihren Kurs?

Bis vor wenigen Monaten war zu lesen, dass die deutschen Automobilhersteller den Trend zur E-Mobilität verschlafen hätten. Tesla hätte einen fast uneinholbaren Vorsprung und würde siegen. In den letzten Wochen ist jedoch die erfolgsverwöhnte Tesla-Aktie um 20% gesunken und VW verkauft plötzlich mehr Elektroautos als Tesla. Daimer und BMW werden jetzt ebenfalls besser wahrgenommen als noch vor wenigen Monaten. Es scheint sich mal wieder eines zu bewahrheiten: Große, etablierte Konzerne sind wie Tanker – langsam und nur schwer zu wenden, wenn sie aber auf dem richtigen Kurs in Fahrt kommen, kaum zu stoppen.

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Robotik-Konzerne sind bei Cobots nur Nischenanbieter

Ähnlich wie bei der Transformation der Fahrzeugindustrie die Etablierten bislang zurückblieben, war es auch bei Cobots der Fall: ABB kaufte zwar 2014 die hoch innovative Gomtec, doch zog hieraus keinen Nutzen. In der Folge bestand das Cobot-Angebot nur aus dem Yumi. Dieser kostet viel und ist ein Nischenprodukt. Die damals hochfliegenden Pläne wurden offenbar nicht umgesetzt. Der Gomtec-Gründer hatte zuvor für Kuka bereits den iiwa entwickelt. Auch dieser Cobot hatte nie großen Erfolg. Dies lag nicht am Cobot, sondern an der Zugehörigkeit zu Kuka. Mit Fanuc hatte bis vor kurzem der Weltmarktführer der Industrierobotik eigentlich gar keinen richtigen Cobot. Der Quereinsteiger in die Robotik, Omron, kauft im Cobot-Bereich unverändert zu, hat aber immerhin respektable Marktanteile. Der Branchenprimus war und ist mit Universal Robots jedoch ein Unternehmen, dass erst vor 15 Jahren gegründet wurde. Die etablierten Robotik-Konzerne waren bislang weder Markt- noch Innovationsführer.

Kommen nun die Etablierten?

Zuletzt gab es einige interessante Signale von den “Großen”, dass sie doch mitspielen möchten. ABB stellte neue Cobots vor, die zwar keine Breakthrough-Innovation bieten, dafür aber leistungsfähiger als der Yumi sind und auch sehr schnell. Bei der Vorstellung betonte ABB, einer der führenden Cobot-Anbieter werden zu wollen.
Kuka teilte nun diese Woche mit, recht schnell ein neues und vor allem einheitliches Betriebssystem für alle seine Roboter anbieten zu wollen. Kuka betrachtet es als ein Windows für die Robotik mit Cloud-Anbindung und einer maßgeblichen Vereinfachung der Programmmierung aller Roboter. Es dürfte ein bedeutender Wettbewerbsvorteil sein, wenn die Programmierer der großen OEM sowohl einen Industrieroboter wie einen Cobot programmieren können.

Fanuc wiederum hat einen sehr interessanten Cobot vorgestellt, der auch ein hohes Tempo ermöglicht.

Rethink Robotics ist zwar in seinen Ursprüngen ein junges Unternehmen, wird durch seine Anbindung an Hahn Automation und seit wenigen Monaten Siemens auch immer etablierter. Gerade das Engagement von Siemens zeigt, dass Wachstum erhofft wird.

Fazit: Die etablieren Roboter-Hersteller bekommen nun die Möglichkeit wieder mitzuspielen.

Das Beitragsbild zeigt das Davoser Hotel Schatzalp. Das vormalige Sanatorium, bekannt aus dem Zauberg, hatte bereits vor Corona zu kämpfen. So ändern sich die Zeiten.

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