Festo: Das kann der weltweit erste pneumatische Cobot

Nach der Ankündigung fand soeben die Vorstellung des neuen Cobots statt. Dr. Melzer (Foto links), Technologie-Vorstand bei Festo lobte den Cobot mehr als notwendig. Man merkte, er glaubt an ihn. “Klarer Innovationssprung in der Automatisierungstechnik, worauf wir alle stolz sind“, waren seine Worte. Der Cobot hat eine Traglast von 3 kg und eine Reichweite von 670 mm bie einer Wiederholgenauigkeit von 0,3 mm. Die Begrenzung auf 3 kg ist bemerkenswert, da diese Traglast bei anderen Herstellern (z.B. UR 3) die Untergrenze darstellt. Die Pneumatik soll die Produktivität erhöhen und, so die Pressemitteilung: “Die Direktantriebe in den Gelenken sind kostengünstiger und besonders leicht, weil im Gegensatz zu elektrischen Lösungen keine schweren Getriebe und teure Kraft-Moment-Sensorik nötig sind.” Im Gegensatz zu meiner Spekulation reizt der Cobot die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz nicht aus.

Opdra

Robotik-Leiter Christian Tarragona (Foto rechts) sprach von fünf Leitlinien während der Entwicklung:

  1. Designed ease of use
  2. Created for easy movement
  3. Shaped for easy integration
  4. Development for economic success
  5. Inventend for easy collaboration

Preislich soll der Festo Cobot etwas günstiger als der elektrische Cobot positioniert werden. Der Roboter wird mit Luft betrieben. Diese gibt nach bei einer Kollision oder auch bei der Montage von Teilen neue Möglichkeiten.

Einfache Programmierung

Programmiert wird er mittels händischer Führung, Tasten am Arm und mit Hilfe von Icons am Tablet. Die entsprechende Vorführung der Einfachheit der Bedienung erinnerte an die Vorführung von Franka Emika. Allerdings muß man ehrlich sein: Die Programmierung mittels händischer Führung des Roboterarms und Tastenbedienung war damals ein großer Wurf und kann kaum noch vereinfacht werden. Insofern stellt Einfachheit der Programmierung nur ein Verkaufsargument im Vergleich zu Cobots da, die weniger komfortabel sind. Das Bild zeigt die bekannte Icon-Programmierung:

Festo Icon

Aber egal, der Festo ist auch so innovativ.

Kein Schaltschrank

Sehr innovativ ist hingegen der Verzicht auf den bislang benötigten Schaltschrank bzw. die Komprimierung aller Einheiten im etwas voluminöseren Festo-Cobot. Sein Standfuß wirkte sehr massiv. Der Verzicht auf den “Schaltschrank” wie auch das Gewicht von weniger als 20 kg des Cobots machen ihn flexibel. Er kann einfacher transportiert werden. Steht der Arbeitsplatzwechsel allerdings häufiger an, wird ein Cobot i.d.R. auf einem Wagen bewegt. Dort wäre auch Platz für die Schalteinheit.

Sanfte Kollissionen

Wie bei der Programmierung, die zwar nicht super-innovativ ist, aber doch auf modernstem Niveau ist, gilt der Innovationsgrad auch für etwaige Kollissionen. Diese verlaufen sanft, werden aber nicht automatisch vermieden.

Sehr wertiges Aussehen

Für mich ein wirkliches Highlight ist das Aussehen des Cobots. Er wirkt nicht wie ein Arbeitsgerät, sondern fast so edel wie ein Luxus-Auto.

Späte Markteinführung

Der Cobot wird zwar auf der Hannover Messe vorgestellt, dem breiten Markt aber erst 2023 zugeführt. Der Vertrieb erfolgt über den Festo-Vertrieb. Dies kann zum Problem werden, da Festo ein riesiges Sortiment hat. Von Omron ist bekannt, dass deren Cobot-Vertrieb abhängig vom jeweiligen Mitarbeiter ist.

Fazit

Sofern andere Marktteilnehmer bis zur Einführung des Festo-Cobots keine großen Würfe machen oder Märkte besetzen, wird der Cobot sicherlich erfolgreich – in seinem Segment. Er soll offenbar günstiger sein als ein elektrischer Cobot, obwohl Festo ein sehr gutes Image hat, er modern ist und auch sehr gut ausschaut. Damit dürfte er überaus attraktiv sein und z.B. Franka Konkurrenz machen. Größere Modelle wurden bereits avisiert. Wobei der Fokus der Reichweite gilt und nicht der Traglast.

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Marktanalysen und Finanzierung/ Förderungen. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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