Fruitcore erhält durch Kapitalerhöhung 17 Mio. Euro

An dieser Stelle war bereits am Freitag über die heute bekanntgegebene Kapitalzufuhr berichtet worden. Am Freitag wurde der Artikel auf Bitten von Fruitcore wieder entfernt. Aus verständlichen Gründen wollte das Unternehmen die freudige Nachricht selber bekanntgeben. Ich hatte sie zuvor bereits durch das Lesen des btov-Newsletters erfahren.

Kapitalerhöhung im Juli legt Bewertung in Höhe von 45 Mio. Euro nahe

Im Zuge einer im Juli 2021 vollzogenen Kapitalerhöhung wurde das Stammkapital von 30.024,00 Euro auf 48.298,00 Euro erhöht. Da die neuen Investoren zusammen 17 Mio. Euro eingelegt haben, entspricht dies einer Unternehmensbewertung von 45 Mio. Euro. (Ich habe am Freitag “mind. 50 Mio. Euro” vermutet). Bei den neuen Gesellschaftern handelt es sich um einen Altgesellschafter der mitzog und offenbar einem Hamburger Family Office nahesteht. Neu dabei sind Unternehmer TUM, die Constantia New Business (die Österreicher sind m.W. aus einem Papierkonzern hervorgegangen) und der Venture Capital-Spezialist btov über zwei Vehicles mit 7,5%. Das Besondere: btov investiert sowohl mittels Fonds das Geld von Dritten (institutionellen Anlegern etc.) wie auch alternativ das seiner Partner. Letzteres dürfte auch hier der Fall gewesen sein. D.h. namhafte (Industrie-) Vertreter haben eigenes Geld investiert. In Summe halten die Gründer (Beitragsfoto) mehr als 50% des Kapitals.

Die Objekte der Begierde.

Investoren sind sehr positiv gestimmt

Aus einer btov-Mitteilung: “With significant new funding, fruitcore continues to execute on their development roadmap and will add software functionality as well as introduce further modularity to serve many different automation needs and provide as much flexibility to their customers as possible – at lower CAPEX and lower OPEX.”Für Käufer von HORST also eine doppelt gute Nachricht: Einerseits wird die Software weiterentwickelt und andererseits ist das Unternehmen erstmal gut finanziert. Mit heute 75 Mitarbeiter dürfte Fruitcore – so meine grobe Schätzung aus der Ferne – erst bei einem Jahresumsatz von 15 Mio. Euro profitabel arbeiten. D.h. pro Jahr müßten an die 2.000 Roboter verkauft werden. Dies erklärt den regen Aufbau an Partnern. So groß scheint der Markt aber noch nicht zu sein, ist von Partnern durchaus Kritik an der Engmaschigkeit des Vertriebsnetzes zu hören. Sie kommen sich gegenseitig bisweilen in die Quere.

Ähnlich wie btov ist auch die Constantia überaus positiv gestimmt: „fruitcore robotics hat die beste End-to-End-Lösung im Robotikbereich entwickelt und sie kommt aus einer Hand“, erläutert Benjamin Erhart von UVC Partners. Robert Gallenberger vom btov Industrial Technologies Fund ergänzt: „Der integrierte Ansatz von Hardware- und Software-Innovation gepaart mit dem breiten Nutzen für den Kunden macht fruitcore robotics für uns zu einem hochinteressanten Investment.“

Nachvollziehbare Bewertung

Ein Ausstehender wie ich sollte vorsichtig mit Urteilen sein. Dennoch will ich nicht verleugnen, dass für mich die Bewertung von Agile Robots mit 1 Mrd. US-$ schon sehr hoch war. Die Zukunft wird zeigen, ob Agile zwanzigfach erfolgreicher als Fruitcore sein wird. Auf jeden Fall dürfte Agile Robots auf Grund des höheren Software-Anteils und der höheren Verkaufspreise bessere Margen erzielen können, wenn die erhoffte Skalierung eintritt. Die Bewertung von Fruitcore Robotics ähnelt ein wenig der von Elite Robot. Der chinesische Cobot-Hersteller hat zwar einen weitaus größeren (Heimat-) Markt und etwas höhere Verkaufspreise, dürfte dafür aber auch höhere Herstellkosten haben. Ein Cobot ist erstmal teurer herzustellen als ein Industrieroboter, noch dazu einer mit kostendrückenden Eigenentwicklungen.

Mittelverwendung: Expansion samt Softwareplattform

Zur Mittelverwendung wird aus der Pressemitteilung zitiert:

“Mit dem neuen Kapital plant das Deep-Tech-Unternehmen den Ausbau seiner Europapräsenz und die Erweiterung seiner digitalen Services. “Ein Roboter allein kann noch keine Anwendung automatisieren, es benötigt eine intelligente Verknüpfung verschiedener Komponenten wie Greifer, CNC-Anlagen oder Sicherheitssysteme. Mit unserer Software vernetzen wir diese Komponenten stärker als bislang in der Branche üblich und machen dadurch die ganze Anwendung intuitiv bedienbar, digital und eben auch bezahlbar“, so Jens Riegger. Und weiter: „Den ersten Schritt in diese Richtung haben wir mit dem Launch unserer IoT-Plattform horstCOSMOS.com bereits unternommen.“ Schon heute sorgen die Systeme von fruitcore für die Steuerung des gesamten Roboterumfelds und integrieren damit die physische Anwendung nahtlos auf eine digitale Plattform. Durch Erweiterungen der Software und Online-Plattform werden künftig zahlreiche Anwendung per Plug & Play automatisierbar werden.”

Ausschnitte vom btov-Investorentag 2021 incl. HORST von Fruitcore enthält das Video:

Ich gehe davon aus, dass in 2-3 Jahren alle Roboter einfach zu handeln sein werden. Notfalls mit Hilfen wie Wandelbots. Dann wird es noch mehr um den Preis gehen. Hier könnte igus oder auch extrem preiswerte chinesische Cobots zu Konkurrenten von HORST werden. Es bleibt spannend.

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In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Boost-Bot beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Markt (-eintritt)/ Business Development und Finanzierung/ Förderungen. Das Standardbuch über Cobots stammt ebenfalls von Guido Bruch (das Buch ist allerdings bereits 2 Jahre alt und daher nicht mehr ganz aktuell). Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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