United Robotics Group geht in die Gastronomie

Die in Bochum angesiedelte United Robotics Group hatte bereits bei der Vorstellung ihrer Unternehmen und des Konzeptes “CobiotiX” deutlich gemacht, dass man zwar den klasssichen Fertigungsunternehmen treu bleiben wird (Rehtink Robotics, Dahl Automation), aber auch in für die Robotik recht neue Bereiche wie Pflege, Service und Gastronomie gehen wird. Hier will man “Service-Robotik-Champion” werden (Link). Nun erfolgte ein weiterer wichtiger Schritt in diese Richtung.

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Mit Plato erfolgt der Einstieg in einen umkämpften Markt

In Frankreich von der Tochterfirma Aldebaran entwickelt, wurde der Service-Roboter “Plato” vorgestellt. Parallel erfolgte die Markteinführung in den USA. Man will es offenbar wissen. Statt einen Testmarkt auszuprobieren, wird gleich ausgerollt. Dies erscheint auch sinnig, da der Markt schon gut besetzt ist und in China offenbar bereits Überkapazitäten bestehen. Plato ist also bei weitem nicht der erste Service-Roboter, aber laut der United Robotics Group der Erste, der den industriellen Sicherheitsstandards entspricht. Ob dies für einen Gastronom, der auf´s Geld schaut ein Kaufkritierum sein wird, sei dahingestellt. (Zumal nicht wenige in der Industrie diese Sicherheitsstandards für übertrieben halten.). Aber für größere Ketten, bei denen angestellte Manager jegliches Risiko vermeiden wollen, könnte dieser Aspekt sehr interessant sein. Diese gilt auch für Krankenhäuser oder Pflegeheime. Für alle potentielle Kunden wiederum interessant wird die offenbar einfache Bedienung incl. Sprachsteuerung des Plato sein.

Das Foto ganz oben zeigt einige prominente Personen, die für die Vorstellung nach Paris gereist waren. V.l. Patrick Schwarzkopf (Geschäftsführer VDMA-Fachverband Robotik + Automation), Thomas Hähn (Gründer der Hahn Group und letztlich der United Robotics Group) und ganz rechts Frank Konrad (Geschäftsführer der Hahn Automation). Ein Heimspiel hatte Xavier Lachérade (Geschäftsführer Aldebaran, zweiter von rechts). (Foto ist ein Screenshot von der LinkedIn-Site von Patrick Schwarzkopf.)

Eigentlich widersprechen sich alle Anbieter von Service-Robotern

Ein wenig kurios ist es schon: Plato soll, wie auch die Produkte der Wettbewerber, keinesfalls das Personal ersetzen. Er soll quasi als Werkzeug dienen und dem Personal zuarbeiten. Dieses soll sich den Weg in die Küche sparen und erhält Speis und Trank beim Gast. Dies macht ja alles Sinn. Nur warum ahmen alle Gastronomie-Roboter das Aussehen von Kellner nach, wie sie früher mal ausgesehen haben mögen? Mit Fliege und Augen, also menschlich. Ein Werkzeug ist jedoch ein Werkzeug.

Interessante Verbindungen in einem potential gigantisch großen Markt

Aldebaran gehörte bis zum Frühjahr der japanischen Softbank. Diese tauschte ihre Beteiligung und erhielt im Gegenzug 24,9% an der United Robotics Group. Die Softbank ist weiterhin nicht nur an Agile Robotics und Jaka beteiligt, sondern auch an Keenon Robotics. Keenon hat nach eigener Aussage bereits über 33.000 Kunden und eine Vertriebspartnerschaft mit Hyundai Robotics. Unverändert präsent – auch in Deutschland – ist Pudu. Das gleichfalls chinesische Unternehmen wurde erst 2015 gegründet, wuchs schnell auf 2.000 Mitarbeiter, um dann im Sommer 2022 zu restrukturieren. Der Markt in China war erstmal gesättigt und m.W. sanken gar die Preise. Die nachfolgende Grafik legt nahe, dass weitere in China ansässige Marktteilnehmer früher oder später zu uns kommen dürften. Die Qualität der bereits hier erhältlichen chinesen Roboter gilt wie auch ihr Innovationsgrad als gut bis sehr gut.

Der weltweite Markt für Service-Roboter soll im Jahr 2030 übrigens bei 100 Mrd. Dollar liegen.

Robotise aus München ersetzt Minibar im Hotel

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass es auch im Bereich der Service-Roboter Nischen gibt. Das Münchner Startup Robotise bietet einen autonomen Service- und Verkaufsautomat für Gebäude an. D.h. er hat eine digitale Mappe des Gebäudes und kann auch Aufzug fahren. Technisch ist er somit den meisten chinesischen Gastronomie-Robotern weit überlegen. Diese kosten i.d.R. aber deutlich weniger als 20.000 € und ermöglichen so eine traumhaft schnelle Amortisation. (Ganz abgesehen davon, dass sie erst das Geschäftsmodell sichern – Personalmangel.) Ein Robotise kostet m.W. ein mehrfaches der klassischen Service-Roboter. Plato von der United Robotics Group dürfte deutlich teurer als Pudu oder Keeknon sein und letztlich einen anderen Markt bedienen, den bisherigen Platzhirschen aber Marktanteile kosten. Henrik Schunk ist übrigens Aufsichtsratsmitglied von Robotise. Ob er am Unternehmen auch beteiligt ist, ist nicht bekannt.

Das Video zeigt einen ersten Plato-Kunden in Frankreich:

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät KMU rund um Robotik – bis zu 50% Förderung der Beratung sind möglich. Permanent auf der Suche nach interessanten Lösungen hat er schon hunderte Applikationen gesehen. Aus diesem Grund gehören auch Großunternehmen zu seinen Kunden, die zwar über Know how verfügen, aber nicht den gesamten Markt kennen. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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