Vorwerk geht mit seinem Reinigungs-Cobot in den Vertrieb – Aeon Robotics will mit Hand reinigen

Vor drei Monaten war an dieser Stelle exklusiv berichtet worden, dass der Thermomix-Hersteller Vorwerk einen professionellen Reinigungsroboter verkaufen will. Nexaro, so der Name der Vorwerk-Tochter hielt, sich damals noch zurück, verwandte gleichwohl den Begriff “Cobot” intensiv. Ab Oktober startet der Verkauf und ein erstes Video ist verfügbar. Zeit für ein Update.

Opdra

Nexaro/ Vorwerk nutzt den Begriff “Cobot” klassisch

Der Nexaro unterscheidet sich von dem hier schon vor längerer Zeit vorgestellten Kemaro-Roboter aus der Schweiz. Während letzterer eine kompakte Kehrmaschine ist, ist der Nexaro NR 1500 ein Staubsauger, womit einer Kernkompetenz von Vorwerk entsprochen wird (“Kobold”). In der Folge sollen aber noch größere Geräte auf den Markt kommen. Diese werden nicht mehr so kompakt wie ein AMR sein, sondern deutlich größer und können insofern als Konkurrenten zu den Kärcher-Modellen angesehen werden.

Dass der Nexaro technisch top ist, lassen seine 28 Sensoren erahnen. Diese helfen ihn auf Menschen zu achten und auf andere arbeitenden Roboter der Marke. Somit erfüllt er auch das Kritierum Flottenmangement. Die Kartierung erfolgt KI gestützt. Die erwähnte Rücksichtnahme bzw. angestrebte Zusammenarbeit mit dem Menschen führt dazu, dass Vorwerk ihn als “Cobot” bezeichnet. In einem Paper wird darauf hingewiesen, dass der Cobot-Markt in den kommenden 5 Jahren um 76% wachsen soll.

Was hat Vorwerk mittelfristig vor?

Die entscheidene Frage lautet: Bleibt Vorwerk am Boden und reinigt oder folgt mehr? Ich denke mittelfristig ist mehr zu erwarten. Und ich tippe unverändert auf einen Haushaltsroboter, wie ihn Neura Robotics mit seinem Mipa auf der automatica vorgestellt hat. Denn die wesentlichen Entwicklungen lassen sich übertragen: Die Navigation, die Kollissionsvermeidung etc. Ob mehr zu erwarten ist, hängt auch von der Qualifkation der Entwickler ab. Nexaro selber zählt bei LinkedIn nur 10 Mitarbeiter. Die Technik wird also zu gekauft.

Das Video auf der Website ist sehenswert und unterstreicht den kommerziellen Anspruch.

Mipa von Neura Robotics
Haushaltsroboter “Mipa” von Neura Robotics

Aeon Robotics will mit Händen reinigen

Erst kürzlich erfolgte hier ein Update des Robotik-Startups Aeon Robotics. Aeon Robotics und das Institut für Robotik der TU Braunschweig erforschen nun – der Förderbescheid kam diese Tage – mit BMBF-Förderung die Automatisierung von Reinigungs- und Wartungsarbeiten. Hierzu die Pressemiteilung die erahnen läßt, dass es interessant wird und Vorwerk nachlegen muß:

Das kürzlich mit dem Innovationspreis Niedersachsen ausgezeichnete Braunschweiger Robotik Start-Up Aeon Robotics und das Institut für Robotik und Prozessinformatik (IRP) der Technischen Universität Braunschweig erhalten im Rahmen des START-interaktiv Förderprogramms des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung (BMBF) insgesamt eine Projektförderung von rund 700.000 EUR für die Automatisierung von Reinigungs- und Wartungsarbeiten. Aeon Robotics und das IRP wollen es im Rahmen des dreijährigen Projektes Servicerobotern ermöglichen, erstmals Aufgaben im Bereich der Gebäudereinigung und Gebäudewartung direkt vom Menschen zu erlernen. Das geförderte Vorhaben wurde als eines von fünf aus insgesamt 72 Bewerbungen durch das BMBF und den Projektträger ausgewählt.

Im Projekt wird eine Roboterplattform „AeonDroid“ entwickelt, die über Roboterhände und Arme nach menschlichem Vorbild verfügt und auf der innovativen HandEffector Technologie von Aeon Robotics basiert. Das mit einer mobilen Roboterplattform ausgestattete System wird über eine Handsteuerung intuitiv ohne Programmierkenntnisse bedienbar sein. Die Roboterhände verfügen über einen KI-gestützten tiefensensiblen Kraftsinn mit direkter Kraftübertragung zum menschlichen Nutzer. So können Reinigungsaufgaben mit Kraft-Feedback gesteuert und durch Vorführen der Aufgabe intuitiv angelernt werden. Der tiefensensible Kraftsinn des „AeonDroid“ erlaubt es, auch verformbare und sensible Objekte, wie z.B. Schwämme und Reinigungsmittel, sicher zu greifen und zu bewegen, um so
die Beschädigungen von zu reinigenden Objekten zu vermeiden. Aufgrund der hohen Variabilität der menschlichen Vorbilder birgt die Entwicklung angepasster Kraft-und Bewegungsprimitive für diese spezifische Anwendung einen erheblichen Forschungsbedarf, der vom IRP der TU Braunschweig um Prof. Dr. Jochen Steil im Verbundprojekt bearbeitet wird. So sollen Datenbanken der Greifbewegungen, Greifkräfte und Arbeitsabläufe erstellt werden, um Muster innerhalb der Bewegungsabläufe mittels neuronaler Netze zu erkennen und diese für neue Utensilien und Arbeitsbereiche eigenständig KI-gestützt anzupassen.
Projektsteckbrief: https://www.interaktive-technologien.de/projekte/aeondroid

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät rund um Robotik. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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