Dresden Robotic Festival 2021: Besuchsbericht Tag 2

Auch der zweite Tag des Robotic Festival bot sehr interessante Vortäge/ Präsentationen und Möglichkeiten zu persönlichen Gesprächen.

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Agile Robots

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Vortrag des ersten deutschen Robotik-Unicorns. Kein anderes Robotik-Startup wird weltweit so wie Agile Robots mit 1 Mrd. US-$ bewertet. Sebastian Lange, Director Sales & Business Development, nannte wohl erstmals einige Details.

Während typischerweise ein Roboter ein Teil erfaßt und dann arbeitet, verschafft sich Agile erstmal einen Überblick und entscheidet sich dann für den notwendigen Prozeß. Der Überblick, so interpretiere ich es, wird mittels Vision (Kamera), aber auch mit Schnittstellen zu ERP-Systemen wie SAP erreicht. Der Überblick über die Losgröße an sich ist auch deshalb sinnvoll, weil Agile Roboter unterschiedlichster Hersteller verbinden kann. Hier kann dann auch der Gedanke des Predictive Maintenance, so Sebastian Lange im persönlichen Gespräch, verwirklicht werden: Sind z.B. 20 Roboter im Einsatz und ist ersichtlich, dass die Stückzahl in der vorgeschriebenen Zeit problemlos montiert werden kann, kann das System einen Roboter (eines anderen Herstellers), der Verschleiß zeigt, schonen bzw. es können gar schon Ersatzteile geordert werden.

Im Video gezeigt wurde die erstmals von Franka Emika gezeigte Luftballon-Sensivitität, aber auch, dass der Roboter bei einem Schlag nie über den Ausgangspunkt hinaus zurückschwingt. Für die Sicherheit wahrscheinlich nicht ohne Bedeutung, aber vermutlich kein Verkaufsargument. Interessanter dürfte die Fähigkeit zum Self Learning sein.

Kaufbeuren wird Kunden- und Trainings-Center

Ich hoffe, hier noch die Präsentation zum Download anbieten zu können. Vorab einige Infos, runtergeschrieben:

  • In München sind rund 150 Mitarbeiter beschäftigt, davon Dutzende ehemalige DLRer und natürlich auch Chinesen, in China rund 300. Und die Mannschaft wird weiterhin aufgebaut.
  • In Kaufbeuren (ca. 40 Minuten westlich vom Firmensitz München) wird derzeit eine Fertigung aufgebaut. Die Jahreskapazität von ca. 2.500 Cobots dürfte deutlich unter der in China aufgebauten Fertigung liegen.
  • In Kaufbeuren entsteht zugleich eine Erlebniswelt, in der auch Roboter anderer Hersteller zu sehen sein werden. Es soll so gezeigt werden, dass unterschiedlichste Roboter mit der Agile-Software zusammenarbeiten können.
  • In Kaufbeuren werden verschiedene Arbeitsschritte gezeigt – vermutlich eine gläserne Manufaktur.
  • Produktionsbeginn 1.12.2021 – dort, landschaftlich schön – Tor zum Allgäu – wird natürlich auch verkauft und geschult.

Der Preis dürfte den eines Universal Robotics nicht kritisch übertreffen. Ein Gedanke im Nachgang von mir: Wenn die Software in der Lage ist verschiedene Roboter zu koordinieren und Prozesse zu steuern, dürfte sie vermutlich auch etwas kosten. Ansonsten könnte ein Kunde mit dem Kauf nur eines Agile Zugriff auf die AI erhalten und ansonsten ganz andere Roboter kaufen können. – So entstehen Preismodelle.

Igus Rebel kommt

Nicht jeder benötigt AI, Sensitivität und Kraftsteuerung oder verfügt über eine komplexe Fertigung. Wer eine simple Tätigkeit automatisieren will, achtet besonders auf’s Geld. igus aus Köln hatte bislang den “Cobot” Rebel im Baukastensystem im Angebot. Zum Jahreswechsel, so Alexander Mühlens, wird er komplett für 3.000 € angeboten (Infos). Der Preis ist eine Folge des Einsatzes von Kunststoff samt eigens entwickeltem Getriebe. Bei einer Traglast von 3 kg (tatsächlich kann ein Vielfaches gehoben werden) beträgt die Zykluszahl rund 2 bis 3 Mio.

Bei dem Preis und den typischerweise hohen Erwartungen des igus-Konzerns spielt die Absatzmenge eine große Rolle. Diese dürfte auch leicht erreicht werden können: Derzeit wird der Rebel von einer Fast Food-Kette zum Fritieren von Pommes getestet (rein und raus in das Fett). Dies zeigt, der Rebel verträgt heißes Fett ebenso wie intensivste Reinigung. Ein anderer Ansatzpunkt wäre die Gastronomie, z.B. Stadien oder Hallen und hier Bierzapfen. Denn die neuen Zapfanlagen füllen ein Glas von unten, so Alexander Mühlens, auf meine noch in alten Prozessen denkende Frage, wie denn dann die Steuerung erfolgt. In der Tat, die Technik gibt es bereits (Video ohne Roboter). Und natürlich gibt es auch im KMU-Bereich jede Menge Ansatzpunkte.

Links schaut der Rebel in den Himmel, ringsherum Zubehör.

Wichtig war Alexander Mühlens der Hinweis, dass keine oder nur geringe Integrationskosten anfallen. Der Rebell ist leicht über die eigene Software im Excel-Style zu programmieren. Der unerfahrene Benutzer findet sich daher schnell zu Recht.

Coboworx

Das Startup um Olaf Gehrels hatte Anfang der Woche durch eine beachtliche Finanzierung Aufmerksamkeit erhalten. In der Presse war von einer Roboterzelle die Rede. Bereits in wenigen Monaten soll eine Palletierungszelle auf Basis eines eigenen (!) Roboters vorgestellt werden. Dieser wird 4 Achsen haben und über einen Lift bewegt. Insofern wird quasi der Ansatz des französischen Herstellers MIP professionalisiert und unternehmenstauglich gemacht. Ein 6-Achser wird folgen und sicherlich sind weitere Komplett-Lösungen in Zellenform zu erwarten. Diese können dann via App an die inviduellen Bedürfnisse angepaßt werden können.

Es gibt noch mehr zu berichten, daher folgt ein Teil 3.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass neben den hier (incl. gestern) erwähnten jüngeren Unternehmen auch etablierte Firmen vertreten waren. Zu nennen sind u.a. Fanuc, Yaskawa, Epson, Microsoft, Siemens, Denso, Stäubli. Indirekt vertreten waren Universal Robots über Jugard & Künstner und Franka Emika über Beas Technology . Selbstverständlich – Standort Dresden – war auch das Fraunhofer IWU präsent. Allerdings fehlten auch einige wenige namhafte Roboter-Hersteller, z.B. Omron.

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In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Boost-Bot beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Markt (-eintritt)/ Business Development und Finanzierung/ Förderungen. Das Standardbuch über Cobots stammt ebenfalls von Guido Bruch (das Buch ist allerdings bereits 2 Jahre alt und daher nicht mehr ganz aktuell). Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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