Dresden Robotic Festival 2021: Besuchsbericht Tag 2/2

Zum Abschluss der Berichterstattung noch einige weitere Punkte. Vorweg: Es gab fast immer drei Vorträge/ Diskussionen parallel. Insofern wurde hier nur ansatzweise vom Festival berichtet. Die gesamte Agenda kann hier nachgelesen werden – interessant auch für etwaige neue Kontakte.

Opdra

Interessant fand ich, dass die Veranstaltung auch von einigen Finanzierern als Gelegenheit genutzt wurde Kontakte zu knüpfen oder sich eine Übersicht zu verschaffen. Neben Fonds wie dem MIG (hat Kewazo finanziert) war mit Haniel auch ein Family Office und ein ganz besonders tradiertes Unternehmen dabei. Haniel wurde 1756 gegründet.

Vorgestellt haben sich am Freitag u.a. auch Aitme (Kochbox für Kantinen), artiminds und Waku Robotics (Online-Anbieter von mobilen Robotern verschiedenster Hersteller).

Junge Wilde

Munter wurde es beim Gesprächspanel “Junge Wilden – Aufbruchstimmung in der Robotik”. Patrick Schwarzkopf, Geschäftsführer VDMA-Fachverband Robotik + Automation, führte durch die Runde. Einige Thesen/ Aussagen, die ich mitgenommen habe, nicht ganz wörtlich zitiert, aber hoffentlich sinngemäß:

Christian Fenk von robominds sieht die Aufgabe der Robotik in zwei Aspekten: Den Menschen von montonen Arbeiten zu befreien und vor allem Gesundheitsrisiken, z.B. durch Verschleiß beim permanten Heben schwerer Dinge zu vermeiden. Beim zweiten Punkt stimme ich zu, beim ersten eher nicht. Automatisierung macht m.E. aus Kosten- oder Qualitätsgründen Sinn, aber es gibt offenbar in der Tat Menschen, die monotone Arbeiten schätzen.

v.l.: A. Mühlens, C. Fenk, M. Dudenstädter, T. Eckelt und M. Mutschler

Alexander Mühlens von igus war es m.W., der auf die breite Verbreitung von Agrar-Robotern hinwies. Gerade in Kanada seien sie weit verbreitet, da dort Pestizide streng reglementiert bzw. verboten sein. (Vielleicht eines der wenigen Beispiele, die die These von Baerbock, dass Verbote zu Innovationen führen, stützen könnten.) Im Gespräch zuvor hatte er mir noch seine Vision dargestellt: Sein Rebel soll noch günstiger werden, so dass sich der Kunde (offenbar auch Verbraucher) irgendwann fragt, soll ich mir ein neues iPhone kaufen oder für das Geld einen neuen Roboter.
Marco Dudenstädter von Wandelbots wird in der nächsten Zeit ein Ökosystem rund um den TracePen anbieten können. Die Welding Edition war der erste Schritt, weitere werden folgen – ganz im Sinne des Plattform-Gedankes und der Vision immer komplexere Aufgaben für Laien zugänglich zu machen.

Thomas Eckelt von Fruitcore hat die Erfahrung gemacht, dass “ein Horst selten allein kommt”. D.h. der vorsichtige Kunde kauft zunächst einen Roboter, ist mit diesem dann zufrieden und kauft dann weitere. Diese logische Aussage relativiert ein wenig eine enttäuschende Folie, die am Vortag zu sehen war. Dort war aufgeführt, dass im Mehrjahresvergleich von den Unternehmen bis 49 Beschäftigte unverändert (!) nur 9% einen Roboter einsetzen. Innerhalb dieser Gruppe dürfte aber die Zahl der eingesetzten Roboter zugenommen haben. (Zu ähnlichen Statistiken der Link)

Maximilian Mutschler von micropsi industrie, einem mittlerweile etablierten Startup mit weltweiten Niederlassungen, ist unverändert auf der Suche nach nicht exakt wiederkehrenden, sich aber ähnenden Aufgaben. Mit der Aussage derartige Probleme lösen zu können, ging er zu Beginn zu den großen Roboterfirmen.

Nachmittag

Am Nachmittag standen zwei weitere Panels an: Maria Piechnik moderierte “Womens in Robotics” und das Fraunhofer IWU stellte zusammen mit Partnern wie dem IP Coswig interessante Ansätze und Lösungen vor. Ich hoffe, diese noch nachreichen zu können.

Euphorie und Realität

Beeindruckt von den neuesten Vorstellung und Möglichkeiten trat ich die Heimfahrt an. Bereits beim ersten Stop wurde ich dann aber von der Realität eingeholt. In der Autobahngaststätte Vogtland bestellte ich für stolze 4,50 € (üblicher Preis) einen Kaffee und legte sowohl WC-Bon wie ADAC-Ausweis (gibt 10% Rabatt 🙂 ) vor. Die Dame an der Theke: “Oh, jetzt habe ich zuerst den Bon eingetippt. Da geht der ADAC nicht mehr.” Auf meine Frage warum: “Dann stürzt die Kasse ab.” Entweder gönnte sie mir den Preisvorteil nicht oder aber hatte Probleme mit der Digitalisierung. Dass die Kasse abstürzt, halte ich für ausgeschlossen. An dieses Beispiel sollten wir denken, wenn wir der Politik zu Recht Vorwürfe machen die Digitalisierung verschlafen zu haben. Ein nicht geringer Prozentsatz der Bevölkerung ist so oder aber mit ihr überfordert.

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