Fragen an Ulrich Möller, Kassow Robots

In der Robotikszene dürfte kaum eine andere Person die sozialen Medien derart bespielen wie Ulrich Möller, auch „Cobot-Uli“ genannt. Bei LinkedIn fiel er mir vor einigen Jahren auf. Persönlich kennengelernt habe ich ihn erst Anfang Februar dieses Jahres. Bei LinkedIn zählt er zwischenzeitlich 30.000 Follower. Nach einer Vertriebstätigkeit für einen Universal-Distributor stellte er sein Wissen und seine Popularität zunächst Omron zur Verfügung und ist nun seit Jahresanfang für Kassow Robots tätig. Alle drei Hersteller haben eines auf jeden Fall gemeinsam: Sie gelten als Premium-Hersteller, geeignet auch für anspruchsvolle Einsätze bei höherer Belastung.

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1. Uli, stelle doch bitte mal Kassow Robots vor: Kurzer Abriss des Entstehens, Produkte etc.

Kassow Robots wurde von Kristian Kassow in Kopenhagen gegründet, der ja damals auch einer der Gründer von Universal Robots war. Kristian ist ja Robotik-Ingenieur durch und durch und hatte sich danach zum Ziel gesetzt, nicht nur einen flexiblen industrietauglichen, starken, Cobot zu entwickeln. Er hatte vielmehr von vornherein im Business Plan fixiert, dass es ein ganzes Portfolio von Cobots werden soll, und zwar von 7-Achsen Cobots. Ihm war klar, welchen enormen Zusatznutzen diese 7-Achse bringt. 2018 war es dann soweit: Er hat Prototypen der zwei ersten Modelle auf der Automatica vorgestellt. Schrittweise wurde der Business Plan abgearbeitet. 2019 war der Markeintritt und mittlerweile umfasst unser Portfolio fünf Modelle, die eine Traglast von bis zu 18 Kilogramm und
Reichweite von bis zu 1800 Millimeter haben – und natürlich alle 7 Achsen. Und auch in Sachen globaler Präsenz wurde die Roadmap bisher erfolgreich abgearbeitet: Unser Global Sales Manager Dieter Pletscher, der ja bis 2021 auch DACH mit betreute, hat ein globales Partnernetzwerk mit derzeit über 45 Partnern aufgebaut und baut das weiter aus, wobei ich mich um DACH kümmere..

2. Du bist jetzt seit zwei Monaten bei Kassow Robots. Wie empfindest Du im Nachhinein den Start, bist Du schon mit den – immerhin – fünf Robotern vertraut?
Welche Hauptunterschiede siehst du im Vergleich zu den bisherigen Cobots, die du früher verkauft hast?

Der Start war wirklich gut, diese 7-Achser sind schon etwas Besonderes und einfach zu bedienen. Aber natürlich muss ich mich noch ein wenig eingewöhnen, das ist ja ganz normal, wenn man Produkte eines neuen Herstellers betreut. Bezüglich der Frage des Vergleichs mit den früheren Robotern, die ich verkaufte. Ich will jetzt da nicht einzelne rausgreifen. Generell ist das Besondere an unseren Cobots die 7. Achse, wobei das Besondere natürlich die Kombi ist mit viel Kraft UND viel Reichweite und enormer Speed. Die 7. Achse ist einfach ein Riesenvorteil. Beispiel Maschinenbestückung und überall da, wo wenig Platz ist oder alles auf kleinstem Raum stattfinden soll. Bisher kannte ich zudem auch nicht so eine breite Produktpalette – ich würde mal sagen, da findet jede potenzielle Cobotanwendung ihre Lösung.

Was das Bedienungskonzept betrifft, so ist es auch besonders – es wurde ja damals auf Basis neuester Tabletgenerationen entwickelt: Die Programme werden einfach per Drag and Drop erstellt. Die Übersicht über das Programm ist sehr gut. Und wenn es um anspruchsvoller Aufgaben geht, dann kommt C++, also C-Buns ins Spiel.

3. Was genau ist Dein Aufgabengebiet bei Kassow Robots?

Meine Funktion ist Sales Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das umfasst zwei Hauptaufgaben. Die erste Aufgabe besteht darin, die vorhanden Partner und Integratoren zu betreuen sowie neue Partner und Integratoren zu finden. Der zweite Aufgabenbereich ist der Ausbau des Ökosystems mit EOA-Zubehör, das mit unseren Leichtbauroboter gut harmoniert. Plug and Work ist hier unser Ansatz.

4. Wie sieht für Dich ein idealer Vertriebspartner für Kassow Robots aus? Muss er bereits Cobot-Erfahrung haben?

Nein, das ist nicht zwingend notwendig. Wir haben schon heute in unserem globalen Netzwerk Partner, die schon teils Jahrzehnte Systemintegratoren sind – und auch ganz junge Player, die mit Cobots den Schritt in die Robotik wagen. Insofern bin ich da auch für die DACH-Region offen. Entscheidend ist: Unsere Partner sollen in der Lage sein, Integrationen beim industriellen Endkunden umzusetzen. Hierfür sind Erfahrungen zum Beispiel im Maschinenbau und der Elektrotechnik oder auch CE erforderlich. Dort, wo es Nachholbedarf gibt, unterstützen wir dann auch gerne. Natürlich setzen wir ein großes Vertriebsengagement voraus und dass die Partner den Fokus auf Kassow Robots als Partner bei Leichtgewichtrobotern setzen. Eine ganz andere Sache ist uns außerdem wichtig: Unsere Partner sollen die Sprache der Endkunden sprechen und auch von der Arbeitsweise her soll die Chemie zu Endkunden und uns passen.

5. Für welche Aufgaben hältst Du den Einsatz eines Kassow Roboters für (fast) alternativlos?

Die 7. Achse und die damit verbundene Beweglichkeit – damit ist ja Automatisieren auf engstem Raum möglich! – dann die hohe Geschwindigkeit an allen Achsen, das schlanke Design und die einfach Art der Programmierung bzw. das einfache Bedienen bieten enorme Vorteile bei vielen Anwendungen. Unsere Cobots bewegen sich preislich in der Größenordnung anderer respektabler Anbieter. Bei uns bekommen die Endkunden aber eben ein Mehr an Möglichkeiten. Insofern steht die 7. Achse von Kassow Robots sozusagen für mehr Beweglichkeit und mehr Flexibilität. Die Anwendungsgebiete sind fast unendlich, klassische Anwendungen sind aber sicher das Maschinenbeladen, Palettieren oder auch das Auftragen von Materialien wie Klebstoffen. Gerade bei so Anwendungen ist es ein Riesenvorteil, wenn unser Cobot ohne abzusetzen ums Eck und auch gerade Linien abfahren kann!

6. Du leitest im Deutschen Robotik-Verband die Fachgruppe mobile Roboter. Kassow Robots bietet keine mobilen Roboter an. Was empfiehlst Du einem Interessenten, der eine mobile Lösung will?

Sich einfach an uns wenden und wir werden einen Partner finden, der solch eine Paketlösung mit einem mobilen Roboter bereitstellt. Die Project Service & Produktion GmbH aus Kranenburg zum Beispiel, die ja auch unser allererster Partner weltweit war, nutzt eigens entwickelt AMR. Zusätzlich hat Sie bereits Zubehör wie einen Drehtisch und eine Hubachse mit Cobots von Kassow Robots umgesetzt. Dadurch, dass ich selbst mich auch in der Thematik „Mobile Roboter“ auskenne, kann ich hier gut eine Brücke bauen von Interessenten zum jeweiligen Partner.

Wir haben schon verschiedenste Applikationen, auch Dispensing oder Etikettieren , Palettieren oder Depalettieren etc. im konkreten Einsatz bei Kunden. Den Anwendungen sind eigentlich keine Grenzen gesetzt und natürlich schauen wir immer nach Partnern, die breit integrieren, aber auch nach solchen, die sich auf eine bestimmte Anwendung fokussieren. In dem Zusammenhang möchte ich auch das Netzwerk zwischen den DACH Partnern stärken – denn für manche Kunden bieten sich bei verschiedenen Applikationen vielleicht auch mal Lösungen verschiedener Partner an. Wer also Partner von uns werden will, bitte melden!

8. Kassow Robots wird bei der automatica ausstellen. Werden dort oder zu einem anderen Zeitpunkt heuer Neuigkeiten vorgestellt?

Wir haben ja seit 2019 fünf Modelle in den Markt gebracht und werden mit einem größeren Stand als 2018 auf der Messe präsent sein. Wenn die Frage in Richtung weiterer Modelle abzielt: Nein, in diese Richtung wird Besucher nichts auf der Messe erwarten. Aber ein Besuch am Stand lohnt! Alles weitere werden wir erst im Vorfeld der Messe berichten. Auf jeden Fall freut es uns riesig für die Messe München, uns als Austeller und die gesamte Branche, dass die Automatica nach vier Jahren endlich wieder stattfindet!

9. Wie siehst Du die Entwicklung der Cobot-Branche generell: Können wir wirklich mit jährlichen Wachstumsraten um 30% rechnen, wie es viele Prognosen aussagen?

Man muss dazu sagen, dass die Prognosen vor einigen Jahren noch deutlich höher lagen. Die Pandemie hat jedoch gezeigt wie anfällig globale Lieferketten sind. Ich rechne schon damit, dass nun einige Produktionen auch wieder zurück nach Europa verlagert werden oder eben in Europa bleiben. Das geht aber natürlich nur mit einem hohen Anteil an Automation. Daher reche ich tatsächlich mit deutlichen zweistelligen Wachstumsraten. Auf genaue Zahlen möchte ich mich da aber nicht
einlassen.

10. Etwas ganz anderes: Was empfiehlst du Mittelständler i.S. soziale Netzwerke. Lohnt es sich bei Xing oder LinkedIn besonders aktiv zu sein?

Manche sagen ja, Xing sei das neue StudiVz , also wird schwer zu kämpfen haben…. Schaut man sich die Entwicklung der letzten zwei Jahre an, so wird es sicher herausfordernd für einige Netzwerke. Aktivitäten auf LinkedIn sehe ich aber sehr positiv, die lohnen sich wirklich. Jeder muss aber wissen, dass man dort nicht auf Knopfdruck erfolgreich ist. Daher rechne ich tatsächlich mit zweistelligen Wachstumsraten. Doch auf exakte Vorhersagen möchte ich mich da nicht einlassen.

Ich danke für das Gespräch.

Vernetzen wir uns? LinkedIn
-> Zur Cobot-Gruppe auf LinkedIn (Link)

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Marktanalysen und Finanzierung/ Förderungen. Mehr zu seiner Person finden Sie hier

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