Ist Frank Thelen eine Hausfrau?

Eines vorweg, es sollen hier weder der aus “Der Höhle der Löwen” bestens bekannte Investor noch Hausfrauen verunglimpft werden. Aber zu den drei interessantesten Neuigkeiten der Woche gehört eine News rund um Thelen. Seine Freigeist Capital hat sich am Münchner Startup RobCo – The Robot Company beteiligt (Handelsblatt-Artikel). Hier im Blog ist der Anbieter modularer Cobots noch besser unter seinem alten Namen Kea Robotics bekannt. Mein erster Gedanke war, was hat Thelen mit Robotern zu tun? Daher die Assoziation mit der alten Börsianer-Weissheit: Wenn Dienstmädchen (heute Hausfrauen) in den Markt einsteigen, ist dies ein Indiz für dessen Überhitzung. Aber: Thelen kennt sich aus und dürfte besonders die RobCo-Software unter die Lupe genommen haben. Erste Erfahrungsberichte deuten daraufhin, dass diese top ist. Zudem hat sich Freigeist bereits frühzeitig auch in Lilium engagiert. Dennoch, auch dieses Investment bestätigt das starke Interesse von Venture Capitalisten an der Robotik. Die Zeit der rein-strategischen Investoren (z.B. Voith bei Franka Emika/ Hahn bei Rethink Robotics) scheint vorbei zu sein.
Nachtrag: Podcast zur Beteiligung mit Frank Thelen und Roman Hölzl von der RobCo

Agile Robots

Ebensfalls aus München kommt das Startup Agile Robots. Von mir schon als besonders interessant “beobachtet”, meldet nun einer der beiden CEO “Vollzug” für Ende des Jahres. Agile Robots setzt stark auf KI mit der Zielsetzung weitgehend auf Programmierung verzichten zu können. Das Unternehmen sitzt zwar in München, wird aber maßgeblich von einem chinesischen Investor großzügig finanziert. Zudem besteht ein Großteil der Mitarbeiter aus Chinesen. Neben der konsequenten Nutzung von KI und Sensorik setzt das Unternehmen offenbar auf die eigene 5-Finger-Hand.
Die vor 10 Jahren von einem befreundeten Unternehmer gemachte Aussage scheint sich zu bestätigen: Er hatte seinerzeit mal wieder die TU München besucht und ihm waren die vielen chinesischen Studenten aufgefallen. Er sagte grob “wir bilden sie jetzt aus und in wenigen Jahren machen sie uns Konkurrenz”. Allerdings sichern sie uns auch neue Technologien. So schaut es aus: Yuanda, Neura Robotics oder auch Agile Robots würde es ohne chinesische Unterstützung kaum geben. Dank dieser Verbindungen haben die genannten Firmen wesentlich leichter Zugang zum riesigen chinesischen Markt, so dass sie schneller die kritische Größe erreichen können. David Reger, CEO von Neura Robotics, nannte die Tage im ersten Podcast des SPS-Magazins die Größe des chinesischen Marktes in etwa gleich groß wie der übrigen Märkte. Ein Grund hierfür sei auch die größere Tech-Offenheit. In China würde es bereits Massagen durch Cobots geben. In Deutschland, so denke ich, unvorstellbar.

WeldingDroid

Wie diese Woche hier berichtet, ist der Ex-CEO und Ex-Eigentümer von Universal Robots und MIR beim Schweiß-Anbieter eingestiegen. Auch dieses Unternehmen verweist auf die extrem kurze Amortisationszeit. Gut, der Wettbewerb ist teilweise sehr groß. Bei WeldingDroid m.E. aber nicht, es hat einen richtigen USP. Dennoch ist die genannte Amortisationszeit so kurz, dass ich mich frage, ob hier nicht Geld verschenkt wird. Wenn ein Produkt wirklich sehr gut ist, kann es auch mehr kosten. Schlimmstenfalls kaufen einige potentielle Kunden nicht. Der hierdurch verlorengegangene Deckungsbeitrag ist in der Regel aber niederiger als der zusätzliche Ertrag mit denen, die bei der Stange bleiben.

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In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Boost-Bot beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Markt (-eintritt)/ Business Development und Finanzierung/ Förderungen. Das Standardbuch über Cobots stammt ebenfalls von Guido Bruch. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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