Kassow Robots: Gespräch mit dem Gründer und CEO Kristian Kassow

Einer der Höhepunkte 2018 der Messe „automatica“ war sicherlich der Stand von Kassow Robots. Das Kopenhagener Team rund um den Gründer Kristian Kassow präsentierte seinerzeit die ersten Prototypen seiner 7-achsigen und in schwarz gehaltenen Cobots, die heute eine Traglast bis zu 18 Kilogramm und Reichweite bis zu 1800 Millimeter umfassen. Seitdem hat das Unternehmen nicht nur diese drei Modelle auf den Markt gebracht, sondern zwei weitere. „In 2018, we had the goal to introduce into the market a broad product range of strong and easy to use 7-axis cobots within three years. We did what we promised.” Kristian Kassow bezieht sich darauf, dass das junge Unternehmen in den Folgejahren 2019 und 2020 alle fünf Modelle in den Markt brachte und diese nun produziert – und dass diese Cobots auch bereits bei industriellen Endkunden erfolgreich im Einsatz sind.

So fing es an: automatica 2018. Damals präsentierte Kristian Kassow erstmals seine 7-Achsen-Cobots.

Der Robotik-Ingenieur Kristian Kassow war 2005 einer der Gründer von Universal Robots und blieb diesem Unternehmen bis 2009 verbunden, zuletzt als COO. Mit Technik und Markt sowie seinen Nischen bestens vertraut, entwickelte er die siebenachsigen Cobots und  gründete Ende 2014 Kassow Robots.

Kassow ist mit der Entwicklung sehr zufrieden

Drei Jahre und zwei weitere Modelle später hatte ich die Gelegenheit zu einem telefonisch geführten Interview, dessen Inhalt hier wiedergegeben wird. Die erste Frage galt, ob seine Erwartungen, die er bei Markteintritt hat, denn eingetreten sind. Er ist absolut zufrieden mit der Entwicklung. Wörtlich sagte er: „I´m very happy about sales, production capacity and models.“ Die ersten Ziele wurden erfolgreich umgesetzt. Zum einen die Markteinführung von fünf Modellen, was Kristian Kassow besonders betont: „This broad product range of five cobots in combination with the 7th axis` benefits meets the needs of different kinds of customers and applications.”  Außerdem nennt Kristian Kassow den Aufbau einer eigenen Fertigung in Kopenhagen. Auch mit den Verkaufszahlen ist er zufrieden. Hierzu dürften die zwischenzeitlich über 40 Partner maßgeblich beigetragen haben, bei denen Kassow Robost wichtig ist, dass sie „die gleiche Sprache wie die industriellen Endkunden sprechen und ein zuverlässiger Partner auf Augenhöhe sind“. Die Partner von Kassow Robots sitzen primär in Europa und Nordamerika. In Asien und Ozeanien gibt es auch bereits Partner, der Fokus des weiteren Ausbaus des Netzwerks bleibt aktuell jedoch Europa und Nordamerika.

Inzwischen hat das Kopenhagener Unternehmen mit dem Motto “strong, fast, simple” eine Produktpalette von fünf 7-Achsen-Cobots in den Markt gebracht.

Design als USP

Sichtbar zufrieden ist Kristian Kassow unverändert auch mit der besonderen Gelenkigkeit seiner Cobots. Dank der siebten Achse wird selbst bei langer Reichweite nur wenig Platz benötigt „a true benefit for example for all those who have to automate in confined spaces, due to the fact, that they are not able to enlarge or completely redesign their production site for implementing further automation“. Ein weiteres Differenzierungsmerkmal sieht Kassow im minimalistischen Design mit wenig Komponenten. Dies erinnere viele an die dänisch-skandinavische Tradition.

Zukunft der Robotik ist schwer prognostizierbar

Noch beeindruckt von der stark KI-basierten Vorstellung von Agile Robots beim Dresdner Robotic Festival fragte ich nach entsprechenden Plänen bei ihm und der Zukunft von Sensoren, auf die Neura Robotics stark aufbaut. Generell denkt er, dass die Zukunft der Robotik schwer vorherzusagen ist. Zudem besetzt er ja eine Nische. Fest steht die hohe Relevanz  der Sensorik. Diese haben seine Cobots bereits. KI sei notwendig um Cobots smart zu machen, aber zuerst braucht es die Aufgabe für KI, so Kassow. Ich denke ergänzend, dass die Aufgabe für KI noch nicht zu komplex sein darf.

Gerade in Asien, also in einer Region, die für Kassow Robots heute noch nicht im höchsten Fokus steht, scheinen sich Cobots gegenwärtig dem Konsumenten/ Haushalten zu nähern. Vor diesem Hintergrund fragte ich, ob er Haushalte mittelfristig als Markt ansehen würde. Er verneinte ganz klar mit Verweis darauf, dass seine Produkte als einfach zu nutzende Cobots für den industriellen Gebrauch konzipiert wurden und in Bezug auf Qualität auf Dauerbelastung (24/7) ausgelegt seien. Diese Leistung spiegele sich auch im Preis wieder, wobei sich Kassow Robots auf einem marktüblichen Level für seine Art Anwendungen bewegt.

Ich selbst denke, es wird spannend: Wir sehen gerade in den Metropolen eine jüngere Generation von Immobilienkäufern, die bereit und in der Lage ist eine höhere siebenstellige Summe für eine schöne Wohnung auszugeben und sich auch sonst vieles gönnt. Warum sollten sich diesen Personen von einem Cobot in Kunststoff-Design statt im matten schwarz massieren lassen?

Kassow ist ein Freund des Cluster-Gedankens auch auf EU-Ebene

Vor dem Hintergrund, dass es neben den deutsch-chinesischen Cobot-Startups auch rein-chinesische Robotik-Hersteller gibt, die ihr Roboter zu absoluten Kampfpreisen bei uns anbieten könnten und mutmaßlich massiv staatlich gefördert werden, kam die „Cluster-Frage“. Nach dem Vorbild Odense fordert beispielsweise der Deutsche Robotik Verband ein Cobot-Cluster. Das dänische Odense war früher abhängig vom Schiffsbau. Als dieser niederging forcierte die dänische Regierung ein Robotik-Cluster. Durch dieses ist die Transformation in Odense gelungen und Dänemark hat heute einige der interessanten Robotik-Firmen vorzuweisen. Heute zählt das Cluster Odense über 100 Robotik-Firmen. Kassow hat sich eindeutig zum Cluster-Gedanken bekannt und kann sich auch ein europäisches Cluster vorstellen. Auf jeden Fall, so Kassow, braucht Europa eine signifikante Robotik-Industrie, schließlich handele es sich bei der Robotik um eine Schlüsseltechnologie. (Aus dem Grund wird die Robotik auch explizit im chinesischen 5-Jahresplan thematisiert.)

Der KR1410 kann neben der Öffnung der CNC-Anlage platziert werden, die Anlage ist also frei zugänglich. Denn aufgrund der siebten Achse kann dieser Cobot einfach ums Eck hinein in die Maschine greifen, einmal nach links, einmal nach rechts (Copyright Foto: Kassow Robots / SwissCobots; Anwendungsfall: Jules Bertschinger AG)  

Kassow Robots sieht sich gut positioniert für die kommenden Jahre

Der Marktführer Universal Robots dürfte aus seiner Sicht auf absehbare Zeit der Hauptwettbewerber von Kassow Robots bleiben. Das  Unternehmen selbst hingegen sieht sich „trotz der erfreulichen Entwicklung“ noch als „kleiner, wenn auch erfolgreich agierender Marktteilnehmer“. Es weist darauf hin, dass man sich erst 2018 präsentierte und erst seit 2019 Produkte in den Markt brachte. Mit dem breiten Produktportfolio und dem Vorteil der siebten Achse sieht sich Kassow Robots aber bestens für die Zukunft aufgestellt.   

Die Frage, ob es problematisch sei für Zubehöranbieter wie Greiferhersteller etc. als Folge des geringeren Umsatzes nicht so attraktiv zu sein, bejahte er für die Zeit des Markteintritts. Mittlerweile wurde auch hier das Netzwerk auf- und wird erfolgreich ausgebaut und so bieten u.a. OnRobot und Robotiq zahlreiche Greifer für Kassow Robots an und seine Cobots verfügen über ausreichende Schnittstellen.

Um die Zukunft macht sich Kristian Kassow jedenfalls keine Sorgen. Hardware und Software würden kontinuierlich weiterentwickelt. In fünf Jahren will er ein signifikanter Marktteilnehmer sein.

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich an “Opdra” beteiligt, der Software, die Schnittstellen überflüssig macht indem der (Fertigungs-) Bildschirm mittels normaler Kamera gelesen wird. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Markt (-eintritt)/ Business Development und Finanzierung/ Förderungen. Das Standardbuch über Cobots stammt ebenfalls von Guido Bruch (das Buch ist allerdings bereits 2 Jahre alt und daher nicht mehr ganz aktuell). Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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