Quartalszahlen: Robotik als Fels in der Brandung

Der VDMA gab diese Tage die Quartalszahlen des deutschen Maschinenbaus bekannt. Im zweiten Quartal sanken die Auftragseingänge um real 2% zum Vorjahr, seit Jahresanfang kann man noch einen Anstieg von 2% verzeichnen. Trotz trüber Stimmung spricht der VDMA von einer positiven Bilanz – noch. Entscheidend dürfte die Gasversorgung sein. Grundsätzlich sind die meisten Speicher wieder recht gut gefüllt (80%+x), nicht aber der für Oberbayern zuständige Speicher Wolfersberg (Foto oben/ liegt zwischen den Landkreisen Ebersberg/ München – also bei meinem Wohnsitz). Er befand sich zuvor im russischen Besitz und hat erst 30% Füllmenge.

Opdra

Robotik könnte sowieso kaum liefern

Universal Robots sprach bei den kürzlich vorgestellten Quartalszahlen von einem verlangsamten Wachstum und erwartet dies auch für das neue Quartal. Im Gegensatz zum Durchschnitt der Maschinenbauer geht der Cobot-Marktführer also von einem weiteren Wachstum aus. Die UR-Zahlen (Q 2 2022 noch grob):

ABB erhöhte den Auftragsbestand erneut

ABB meldet zwar einen Rückgang des Auftragseingangs im Vergleich zum 1. Quartal 2022 in Höhe von 23%. Aber dieses war auch ein a.o. Rekordquartal. In Summe konnte man noch immer die zweithöchsten Auftragseingänge in einem Quartal aufweisen. Korrekterweise seien auf etwaige Preiserhöhungen hingewiesen, die hierzu beigetragen haben dürften. Wichtiger ist aber die Info, dass die Auftragseingänge noch immer über dem Niveau lagen, in dem ausgeliefert und fakturiert werden konnte. D.h. die Lieferkettenproblematik trifft ABB unverändert schwer. Offenbar war ABB in China zusätzlich von Lockdowns in seiner Fertigung oder auch bei Kunden betroffen. Salopp ausgedrückt, niedrigere Auftragseingänge dürften für ABB von Vorteil sein, da der Auftragsüberhang nicht zu sehr wächst. Was in einem Jahr produziert wird, dürfte höhere Fertigungskosten als heute kalkuliert verursachen. Ein hoher Auftragsüberhang kann daher ein Verlustpotential beinhalten. Hier ein Ausschnitt aus der Investetorenpräsentation von ABB:

FANUC in Bestform

Der Weltmarktführer konnte seine Erlöse in China gleich um 36% im Vergleich zum Vorjahresquartal steigern – insbesondere dank der Elektromobilität. Natürlich wurde zuletzt primär ausgeliefert was in Quartalen zuvor bestellt wurde. Daher ist die Bestätigung des geplanten Jahresumsatz von großer Bedeutung. Das FANUC-Geschäftsjahr endet erst am 31.03.2023 und im Frühjahr 2023 dürfte erst ausgeliefert werden was jetzt noch nicht bestellt wurde.

Omron litt ebenfalls unter dem Shanghai-Lockdown

Der Umsatz der Industrial Automation-Sparte von Omron sank gegenüber dem Vorjahr um stolze 6%. Ohne den Lockdown wäre der Umsatz der Sparte aber um etwa 2% gestiegen. HIer muß auch berücksichtigt werden, dass Omron seit längerem die gleichen Cobots und AGVs anbietet. Für das gesamte Geschäftsjahr bleibt Omron optimstisch.

Fazit

Die Robotik bleibt von der allgemeinen Abkühlung zwar nicht verschont, ihr Hauptproblem dürften aber erstmal unverändert Materialengpässe sein. Hinzu kommt, dass die Robotik bei weitem noch nicht ihr Potenzial ausgechöpft hat. Wie das Beispiel des Kassow-Auftrages in den USA (60 Cobots) gezeigt hat, skaliert das Geschäft sehr schnell wenn Integratoren und Branchenexperten zusammenarbeiten. Robotik-Hersteller wie FANUC oder Neura Robotics suchen daher gezielt starke Marktteilnehmer aus Branchen, die sich für Robotik eignen, es bislang mangels Lösung aber noch nicht in Angriff genommen haben.

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In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät bei fast allen Fragen rund um Robotik incl Finanzierung/ Förderungen, aber nicht vertiefend in die Technik gehend. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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