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Schmalz bricht mit dem neuen „Pick-Accelerator“ alle Rekorde

Die J. Schmalz GmbH war bis zu der bei der automatica 2022 vorgestellten Kommissionierzelle ausschließlich als Anbieter von Vakuumgreifern und Handlingwerkzeugen bekannt. Sowohl für Roboter („Greifer“) wie für die Handführung. Die Spezialität hierbei sind Greifaufgaben, die ein Vakuum benötigen, wobei das Unternehmen beispielsweise auch Magnetgreifer anbietet. Bei der erwähnten Kommissionierzelle sorgt Schmalz für das Sehen, Greifen und Sortieren der Artikel. Diese Zelle stellte für Schmalz den Einstieg in das Sehen dar. Hierfür war zuvor in Stuttgart, also außerhalb der Zentrale bei Freudenstadt, ein Softwareteam aufgebaut worden.  

Die Kommissionierzelle war nur der Einstieg

Schmalz stellt bei der LogiMat (25.-27.04.2023 in Stuttgart) gleich zwei besondere Neuheiten vor: Eine neue Softwareplattform, das Vision Operating System ivOS, und den „Pick-Accelerator“. Während “ivOS” zwar durchaus als revolutionär bezeichnet werden kann, handelt es sich beim Pick-Accelerator” um einen echten Eye-Catcher – bislang unvorstellbar schnell.

Die Größe der Zelle erkärt weshalb sie auf der LogiMat per Video vorgestellt wird, dort aber nicht angefaßt werden kann.

Neben den Schmalz-typischen Vakuum-Greifern zeigt das Foto das End-of-Arm Ecosystem MATCH (in der Mitte auf der Schiene montiert), also die Standardschnittstelle für Werkzeuge, sowie eine Kamera.

Pick Accelerator bricht alle Bin-Picking-Rekorde

Wie kommt ein eher konservatives Unternehmen wie Schmalz dazu sein neues Produkt gleich als Rekordhalter anzusehen? Nun, die bis zu 2.700 Picks/ Stunde übertreffen m.E. das bislang Übliche um den Faktor 2. Zum Einsatz kommen in der Zelle zwei Scararoboter. Damit diese kollisionsfrei arbeiten können, wird vorab immer ein digitaler Zwilling erstellt. D.h. der Greifpunkt wird ebenso wie die Bahn berechnet.

Hervorzuheben ist, dass nicht nur kleine Artikel gehoben werden können, sondern dass eine Traglast bis zu 10 kg möglich ist. Damit können große Teile des Warenversandes abgedeckt werden. Die handzuhabenden Artikel können dabei völlig unterschiedlich sein. Ermöglicht wird dies durch den bereits bewährten Werkzeugwechsler (mehrere verschiedene Greifer sind möglich) und vor allem eine sehr mächtige Software.

Das Operating System selektiert das Beste

Hier kommt das neue Produkt namens „Solution Kit ivOS Pick-and-Pack“ ins Spiel. Das Bundle beinhaltet abgestimmte Greifertechnologie, 3D-Sensoren und neueste Algorithmen zur Greifpunktermittlung und ist optimiert für den spezifischen Anwendungsfall. Für das optimale Zusammenspiel aller Komponenten sorgt das ivOS genannte Operating System.

Das neue Solution Kit erlaubt die Kombination völlig unterschiedlicher Komponenten miteinander. Im Bereich der Software wird während eines Picking-Vorgangs schnell „überlegt“ welche Software am sinnvollsten wäre. Denn je nach Geometrie des Objektes ist unterschiedliches Handling sinnvoll. Die Bibliothek enthält derzeit die Produkte sieben verschiedener Anbieter. Neben der selbstentwickelten Schmalz-Software ist die Software von roboception, seract, Siemens, Bosch Rexroth, FIZYR und Fraunhofer IPA enthalten. Genutzt werden können die Roboter und Sensoren unterschiedlicher Hersteller. Über unterschiedliche Schnittstellen ist eine Anbindung an diverse Warenmanagementsysteme möglich.

Der Schmalz Pic Accelerator
Der Pic Accelerator überlegt blitzschnell, welche Komponenten der Partnerfirmen am sinnvollsten einzusetzen sind.

Geschäftsmodell

Es wird keine fertige Zelle verkauft – Schmalz liefert mit seinen Solution Kits die kritischen Komponenten für den Griff in die Kiste. Die Anpassung an die Umgebung vor Ort übernimmt dann ein „klassischer“ Integrator. Schmalz ist offen für Anfragen von Integratoren. Die Arbeitsteilung ist wie folgt angedacht: Software, Greifer, Bahnplanung der Roboter macht Schmalz, den Rest der Integrator incl. Zellenbau.

Aus Kundensicht lohnen sich Anwendungen mit einer großen Anzahl an ähnlich zu greifenden Artikeln. Die Zelle kann zwar schnell das Werkzeug wechseln, aber die Zeit des Wechselns fehlt gleichwohl für die produktive Arbeit. Dank der Schnittstelle zu den ERP-Systemen können die passenden Aufträge selektiert werden. In der Praxis wird der Pick Accelerator daher neben händischen Arbeitsplätzen stehen. Händisch werden weiterhin kleine Aufträge bearbeitet.

Weitere Anwendungsfälle in Arbeit

Für das Solution Kit ivOS Pick-and-Pack sind derzeit zwei Anwendungsfälle verfügbar. Neben dem hier vorgestellten Pick Accelerator ist es die eingangs erwähnte Kommissionierzelle. Da ich bisweilen zum Spekulieren neigen, würden mich weitere Anwendungen in naher Zukunft nicht verwundern. Generell ist alles was mit 3D oder Punktewolke zusammenhängt mit ivOS umsetzbar, so die Schmalz-Verantwortlichen.

Aus Platzgründen kann der „Pick Accelerator“ nicht bei der LogiMat aufgestellt werden. Es werden jedoch Videos gezeigt und Besichtigungen am Stammsitz im Schwarzwald zwecks Live-Vorführung der mächtigen Beispielzelle können vereinbart werden. Schmalz stellt in Halle 7 / Stand C05 aus.

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). Der Verfasser ist auch beratend tätig (Robotik, Tech). Kaum jemand dürfte über eine vergleichbare Markt- und Lösungsübersicht verfügen

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