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Super-Vortrag von KI-Koryphäe Schmidhuber

Robotik hat zunehmend mit Künstlicher Intelligenz zu tun und zudem denke ich, dass die Zielgruppe dieses Blogs die KI von Hause aus interessiert verfolgt.

Am Dienstag-Abend (04.02.2020) war Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber zu Gast in Aying. Schmidhubers Institut im schweizer Lugano hat die Grundlagen u.a. für die Spracherkennungs-Technologie geschaffen, wie sie heute jedes Smartphone bzw. Alexa hat. Er gilt auch daher als einer der Väter der KI, wenn nicht der Vater.

Aying ist ein noch landwirtschaftlich geprägter Ort, 35 km südlich vom Münchner Marienplatz und 20 km südlich von meinem Wohnort. Schmidhuber war Gast der Parteiunabhängige Wählergemeinschaft Helfendorf. Diese ungewöhnliche Konstellation hatte einen guten Grund: Vor über 30 Jahre spannte Schmidhuber Hermann Oswald, dem jetzigen Bürgermeisterkandidaten der Wählergemeinschaft, dessen Jugendliebe aus und heiratete sie. Der Bürgermeisterkandidat war nicht nachtragend und so blieben sie befreundet; vermutlich sogar sehr eng.

Die wichtigsten Aussagen von Prof. Schmidhuber:

  • 1941 stellte Zuse den ersten Computer vor. Dieser schaffte in einer Sekunde 1 Rechenoperation. Alle 5 Jahre wird seitdem die jeweilige Rechenleistung verzehnfacht- Wer es ausrechnet, kommt auf unvorstellbare Werte.
  • Diese Leistungssteigerung (Rechenkapazität) war zusammen mit neuen Algorithmen die Voraussetzung für den jüngsten Boom der KI.
  • Da es keinen Grund gibt, dass diese Leistungssteigerung sich verlangsamen wird, dürfte in 3 Jahrzehnten ein Computer in der Größe eines Handys das menschliche Gehirn erreicht haben
  • In der Folge hängt uns die KI ab.
  • Da die KI nicht stirbt, denkt sie nicht endlich. Daher wird sie – wenn man sie läßt – sich dem Weltraum zuwenden um zu schauen, was nach vielen, vielen Jahren entdeckt werden kann.
  • Bayern war schon frühzeitig ein Zentrum der KI. Bereits 1980 fuhr ein autonom fahrendes Auto von München nach Dänemark und zurück. (Foto).

  • Aus diesem Grund gehen noch immer über 50% der weltweiten Patente im Bereich autonomes Fahren aus Unternehmen/ Einrichtungen (Bundeswehr Universität Neubiberg) mit Sitz im Großraum München zurück.
  • Die Unternehmen am pazifischen Rand (so subsummiert er sowohl die Silicon Valley-Giganten wie auch die chinesischen Konzerne) haben zwar riesige Power und Geld, gerade aber Süddeutschland und die Schweiz eine herausragende Anzahl an Maschinenbauern.
  • Hierdurch besteht sehr großes Potential in der anstehenden Steuerung von Maschinen durch KI (Anmerkung des Autors: Opdra ist ein Beispiel hierfür).
  • Wenn aber Maschinen künftig mit immer weniger Menschen auskommen, dann müssen die Roboter über eine Steuer den Lebensunterhalt der Menschen finanzieren.
  • Man kann zwar sehr gut vorhersagen, welche Jobs wegfallen, nicht aber welche entstehen. Vor 20 Jahren hat niemand geahnt, dass es heute einen eigenen Berufszweig der Influencer oder YouTuber geben würde (beide Plattformen gab es damals noch gar nicht). D.h. er macht sich nur begrenzt Sorgen.
  • Es gibt Lebewesen, die quasi nicht oder kaum altern. Sei es Würmer oder auch Schildkröten oder Haie. Es gibt also theoretisch keine Grenze beim Leben. Der Mensch hat allerdings noch nicht verstanden, was ihn von diesen langlebigen Lebewesen unterscheidet. Kapiert er dies, spricht nichts (physikalische oder chemische Gesetze) dagegen das Altern zu unterbrechen.
  • In den letzten Monaten war er Redner bei KI-Kongressen in Shanghai (angeblich 100.000 Besucher) oder auch Moskau (6.000 Besucher samt Putin). Kein Politiker hätte bei der KI solch ein Verve wie Putin. Allerdings vermutet Schmidhuber, Putin sieht KI primär als Machtbasis.
  • Die Provinz Shanghai, von der Wirtschaftskraft grob mit der Schweiz oder Bayern vergleichbar, investiert allein 15 Mrd. in KI. (Deutschland über Jahre nur 3 Mrd., d. Verf.) Immerhin glaubt Schmidhuber, dass die Politik durch die Gespräche mit ihm ein wenig großzügiger wird.
  • Angesprochen auf die Gefahren eines KI-geprägten Überwachungsstaates zog Schmidbauer Parallelen zu früher: Früher hätte es in jedem Dorf Leute gegeben, die alles über jeden gewußt haben (z.B. der Postbote, Anmerk. d. Verf.). Die neue Überwachung läßt sich wohl nicht verhindern.

Fazit: Ein wirklich lohneswerter Besuch eines ebenso intelligenten wie bodenständig gebliebenen Professors. Und die Erkenntnis: Deutschland hat weiterhin Chancen mitzuspielen, muß aber was tun.