Universal Robots: Starker Rückgang in Europa in Q 3

Vor kurzem waren an dieser Stelle bereits die ersten Quartalszahlen des Cobot-Marktführers Universal Robots genannt wurden. Seit Freitag liegen detaillierte Umsatzzahlen auf Kontinentebene vor.

Werbung
Weihnachtsgeschenke

Die Zahlen von Universal Robots sind als Benchmark anzusehen

Vor den Zahlen meine Einschätzung, dass Universal Robots stellvertretend für die Branche steht. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass UR im größeren Umfang Marktanteile verloren hat. Bei der automatica stellten sich zwar neue Wettbewerber wie Neura Robotics oder Elite Robots (China) vor, aber dass sie binnen Wochen nach Markteintritt bereits große Verkaufserfolge vorweisen könnten, die signifikant zu Lasten von Universal Robots gehen könnten, ist auszuschließen. Ähnliches gilt für FANUC mit seiner nun breiten Cobot-Palette. Denn wie später gezeigt wird, hat sich bei UR Europa ganz anders als Amerika entwickelt. FANUC ist aber auf beiden Kontinenten mit seinem erweiterten Programm und starkem Vertrieb unterwegs. Wenn FANUC in Europa derart überzeugen würde, warum dann nicht auch in den USA? Es bleibt somit die naheliegende Vermutung, dass sich die gesamte Branche ähnlich entwickelt haben dürfte.

Denkbar erscheint allenfalls, dass igus dem UR3e ein wenig geschadet hat. Alle anderen UR-Roboter haben größere Volumina als der ReBel. Vermutlich entwickelten sich auch fruitcore robots und Kassow Robots lokal ein wenig besser, für die Betrachtung hier aber unbedeutend. (Der bei der automatica vorgestellte neue Universal Robots UR20e wurde in Q 3 noch nicht ausgeliefert.)

19% Umsatzrückgang in einer Wachstumsbranche sind heftig

Nominal – auf Dollar-Basis – hat Universal Robots im Zeitraum Juli bis September in Europa (incl. Afrika und mittleren Osten = EMEA) einen Umsatzrückgang von 19% hinnehmen müssen. Dieser relativiert sich zwar durchaus weil der Euro im Vorjahresvergleich deutlich sank und die Umsatzzahlen in Dollar ausgewiesen werden, aber das Verkaufsgebiet umfaßt auch Nicht-Euro-Länder und der Euro schwächelt schon seit Jahresanfang (Link). In Q 1 konnten die Erlöse in EMEA aber um 30% und in Q 2 um 12% zulegen. Es sieht also definitiv nicht gut aus. Hinzukommt, dass die Marktprognosen vor Kriegsbeginn einen jährlichen Anstieg von mindestens 30% erwarten ließen. Dieses Wachstum fehlt beim Vorjahresvergleich ja völlig.

Delle oder Trend?

Eine entscheidene Frage ist, ob der Rückgang einen “Ausrutscher” darstellt oder eine Folge generell gensunkener Investitionsbereitschaft ist. Wäre letzteres der Fall, wäre die Entwicklung fortzuschreiben. Ein “Ausrutscher” könnte nur mit temporären Unsicherheiten erklärt werden oder aber damit, dass die Entscheidungsträger z.B. mit Energiesparmaßnahmen beschäftigt waren. Letzteres erscheint durchaus plausibel, aber grundsätzlich hat sich die Stimmung in der Tat verschlechtert und bei den Kernkunden (kleineren Unternehmen) von Universal Robots und den anderen Cobot-Hersteller gibt es derzeit wenig Grund für eine höhere Gewichtung des langfristigen Denkens. Große Autohersteller klagen zwar derzeit unter eingeschränkter Lieferfähigkeit, sie investieren aber munter in die Fertigung der Elektromobilität. Dies fehlt bei den KMU. Es scheint, dass das Argument des Fachkräftemangels deutlich an Bedeutung verloren hat. Vielmehr ist es so, dass Energie-intensive Branchen wie Bäckereien erst seit kurzem richtige Probleme haben, Bauzulieferer erst seit wenigen Wochen einen Auftragseinbruch verspüren und Konsumgüterhersteller wie der Naturkosmetik-Hersteller Weleda empfindlich weniger verkaufen. Letzterer schickt seine 1.400 Mitarbeiter nun jeden Freitag in den Urlaub (Link). Ein Palettierroboter etc. wird unter solchen Umständen sekundär.

Amerika weiterhin wachstumsstark

Interessantweiese entwickelt sich die Nachfrage in Amerika ungebremst positiv. Wie im 2. Quartal konnte der Vorjahres-Umsatz um etwa 12% übertroffen werden. (Wechselkurseffekte sind hier nur minimal – Kanada – zu berücksichtigen.) Während Europa nur mäßig über dem Vor-Corona-Niveau liegt, steigt der Umsatz in den USA stetig und reicht nun erstmals an den in Europa heran – bei doch viel weniger Einwohnern. Dies bestätigt die These, dass Cobots ideal gegen den Fachkräftemangel sind, wenn denn die Rahmenbedingungen stimmen. Die USA haben übrigens kein Gas-Problem und die Strompreise dürften dort auch kaum gestiegen sein.

Quelle Robotik-Insider.de

Mobile Industrial Robots entwickelt sich ähnlich

Das Schwesterunternehmen Moblie Industrial Robots verlor in Europa stärker als Universal Robots. Hier ging definitiv der Absatz zurück. Beim nachfolgenden Umsatzvergleich ist für Amerika die neue Addition mit AutoGuide zu berücksitigen. AutoGuide war 2019 gekauft worden und erzielte zunächst höhere Erlöse in den USA, die dann aber wegbrachen. Außerhalb von Amerika war das Unternehmen nie aktiv. Seit Q 3 2022 werden beide Firmen zusammengefaßt.

Quelle Robotik-Insider.de

Anzumerken ist, dass die Sparte Industrial Automation, in der Universal Robots und Mobile Industrial Robots zusammengefaßt sind, auch in Q 3 2022 einen Verlust erwirtschaftet hat. Dieser dürfte zwar aus den Abschreibungen der Firmenwerte resultieren (letztlich wurden die Firmen überteuert eingekauft), doch zeigt dies, dass selbst bei etablierten Unternehmen die Gewinne noch nicht sprudeln.

Traurige Konsequenz für Startups: Ihre Bewertung sinkt

Als Unternehmensberater mit langjähriger Erfahrung nehme ich immer wieder Unternehmensbewertungen vor. (Auch auf Basis der Standards des Instituts für Wirtschaftsprüfer.) Würde ich von einem typischen Auftraggeber gefragt werden, würde ich sagen: Das prognostizierte Marktwachstum – zumindest in Europa – mag bis 2030 eintreffen, aber zeitlich doch verschoben. D.h. liquide Mittel würden erst später freigesetzt mit der Folge, dass die Bewertung deutlicher sinkt. Und da ich nicht schlauer als andere bin, dürfte diese Einschätzung geteilt werden. Bei Finanzierungsrunden müssen die Gründer folglich bescheidener werden oder aber mehr Anteile als zuvor abgeben. An die Branche glaube ich unverändert, doch dürfte eine schnelle Globalisierung immer wichtiger werden. Denn außerhalb Europas ist mehr Wachstum zu erwarten.

Vernetzen wir uns? LinkedIn
->
Zur Cobot-Gruppe auf LinkedIn (Link
)

In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät KMU rund um Robotik – bis zu 50% Förderung der Beratung sind möglich. Permanent auf der Suche nach interessanten Lösungen hat er schon hunderte Applikationen gesehen. Aus diesem Grund gehören auch Großunternehmen zu seinen Kunden, die zwar über Know how verfügen, aber nicht den gesamten Markt kennen. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

Robotik-Events