Inside Unchained Robotics – wie die Plattform funktioniert

Das Ende 2019 gegründete Paderborner Startup Unchained Robotics bietet via seiner Internetplattform Hersteller-unabhängige Lösungen rund um die Robotik an. Sowohl von einzelnen Produkten (Roboterarme, Greifer, Optik etc.) bis zur Komplettlösung. Das Besondere neben des sehr umfangreichen Angebotes: Die Preise der Produkte werden ohne Registrierung etc. angezeigt, so dass eine erste Kostenabschätzung möglich ist. Daher ist Unchained Robotics für mich stets die erste Adresse, wenn ich Preise oder Leistung (Reichweite, Traglast etc.) von Hardware wissen möchte.

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Geschäftsmodell hat sich als nachhaltig erwiesen

Die letzten Monate haben zudem gezeigt, dass das Startup den Proof-of-concept längst hinter sich hat: Im Januar erhielt man eine Finanzierung über 1,7 Mio€ und das junge Unternehmen wird immer sichtbarer in den Medien. Zuletzt berichtete das Handelsblatt über die Zielsetzung den Mittelstand einfach zu automatisieren. In diesem Artikel formuliert Mitgründer Mladen Milicevic exakt meine Denke: „Es gibt inzwischen für fast jedes Problem eine Lösung – man muss sie nur finden.“ Daher bringt der Blog regelmäßig Fallstudien.

So funktioniert Unchained Robotics

Wie aber funktioniert genau das Geschäftsmodell? Diese für Kunden wichtige und für die Branche interessante Frage hat mir Mladen Milicevic beantwortet. Das Unternehmen bietet im Internet Komponenten und Roboterzellen an. Da der Kunde verständlicherweise fertige Lösungen wünscht, fahren Mitarbeiter von Unchained Robotics nach dem Erstkontakt zu diesem. Es wird ein Grobkonzept vorgenommen und dem potentiellen Kunden binnen 24-48 Stunden ein Richtpreis genannt. Ist dieser weiter interessiert, wird der Fall mit einem geeignetem Integrator besprochen. D.h. dieser Partner spart sich von Hause aus den Akquisitionsaufwand und Zeit. Denn die Gefahr, dass ein Interessent wieder abspringt oder eine Automatisierung doch nur schwer geht, entfällt für den Partner. Unchained Robotics und der Partner arbeiten dann also das Konzept durch. Dies erfolgt alles recht zeitnah, so dass der potentielle Kunde ein Angebot binnen 3 Wochen erhält. Für potentielle Partner ist wichtig zu wissen, dass immer nur einer angesprochen wird. Es erfolgen also keine Ausschreibungen etc. Unchained Robotics tritt gegenüber dem Kunden als Generalunternehmer auf. Das Partnerunternehmen liefert Hardware und integriert. Zudem hat es den Vorteil, dass es selbstentwickelte Roboterzellen über Unchained Robotics leichter vermarkten kann. Die Turnkey-Lösungen nennen stets auch den Partner (Link).

Vorteile des Modells

Es ist klar, dieses Geschäftsmodell bietet diverse Vorteile. Unchained Robotics kann relativ einfach ein großes Gebiet abdecken ohne überall Personal vorhalten zu müssen und vor allem braucht das Unternehmen weniger Spezialisten. Bei der überaus großen Anzahl an verschiedenen Herstellern/ Modellen, die man im Programm hat, wäre eine gute Qualität und eine effektive Umsetzung ansonsten nicht umsetzbar. Natürlich ist auch die Kapitalbindung geringer.

Die Kooperation mit ABB zeigt zudem, dass auch markenstarke Konzerne an das Modell glauben.

Markteinschätzung

Milicevic spürt ein stark steigendes Interesse. In der Tat sollte das Unternehmen vom guten Marktumfeld an sich profitieren, von seiner zunehmenden Reichweite und von seinem wachsenden Angebotsspektrum. Dieses Wachstum läßt sich auch indirekt quantifizieren: Mit 10 Mitarbeitern am Jahresanfang gestartet, wird man bald 15 und am Jahresende wohl schon 25 Personen beschäftigen. Was den Markt betrifft, entwickelt sich nicht nur die Nachfrage in Summe gut, sondern auch branchenübergreifend, es gibt einen „bunten Branchenmix“. Ein Zeichen dafür, dass der Roboter überall gut ankommt. Der Branchenmix bedingt, dass man selber über ein breites Branchen Know-how verfügen muß.

Die typischen Interessenten sind zwischen 35 und 50 Jahre alt. Dies paßt wiederum zu den Gründern, die um die 30 Jahre alt sind.

Auf die Plattform kommen übrigens nicht nur KMU, sondern auch größere Unternehmen. Von diesen werden auch die komplexeren und daher teureren Lösungen von bis zu 200.000 € nachgefragt. Bei diesem Betrag sieht er derzeit in etwa die Grenze für eine Internet-Plattform.

Heute reicht schon eine Sitzgruppe nicht mehr. Zum Jahresende wird Klassenstärke erwartet. Vorne rechts Mladen Milicevi, der Gesprächspartner.

Im Bereich Low-Cost-Robotik spürt man Interesse. Es gibt auch einen Markt für Do-it-Yourself-Nutzer. Deutlich unterrepräsentiert ist das Handwerk.

Kernmarkt ist unverändert Deutschland, auch wenn gerne in Englisch gepostet wird. Ohne in den Ländern zu werben erhält man verstärkt auch Anfragen aus nicht-deutschsprechenden Nachbarländern.

Mladen Milicevic rechnet mit einem Supply-Shock als Folge des Ukraine-Krieges. Als wenige Wochen vor Corona gegründetes Unternehmen sei man aber besonders krisenerprobt.

Ein Thema, das viele in der Robotik bewegt ist RaaS: Robotic-as-a-Service. Dies ist für ihn eine Definitionsfrage (Vergütung pro Pick oder monatlich etc.) . Wenn Eintrittsschwelle gesenkt wird, erwartet Milicevic mehr Nachfrage. Daher kann RaaS ein Weg sein, aber der Endkunde muß es verstehen.

Soziale Medien

Die Erhöhung der eigenen Reichweite mittels der sozialen Medien ist für Unchained Robotics genauso wichtig wie für andere Plattformen. Unchained Robotics bevorzugt wegen der Möglichkeit des Teilens LinkedIn. Xing bietet diese Möglichkeit nicht. Sehr hilfreich sei YouTube, wo das Startup einen eigenen Kanal betreibt in dem es laufend Videos von Herstellern und Partnern einspielt. Bei YouTube können Fallstudien einfach gezeigt werden.

Vernetzen wir uns? LinkedIn
-> Zur Cobot-Gruppe auf LinkedIn (Link)

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In eigener Sache/ Werbung
Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Marktanalysen und Finanzierung/ Förderungen. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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