Lebenszkylus von Roboterfirmen

In der Betriebswirtschaft gibt es – angelehnt an den Menschen – das Lebenszyklus-Konzept. Nach der Gründung und den anfänglichen Verlusten kommt im Idealfall das rasante Wachstum, dann ein langsameres Wachstum, sodann die Phase der Stabilität und irgendwann der Niedergang. Letzter verursacht durch das Aufkommen neuer Technologien, einer Marktsättigung oder durch Managementfehlern. Nicht grundlos sind die ältesten Unternehmen häufig Brauereien. Bier wird fast immer getrunken und es war früher mangels LKW nur begrenzt transportfähig. Technologiefirmen befinden sich hingegen in einem dynamischeren Umfeld. Häufig können hier nur “die Paranoiden überleben“. (Das Foto oben zeigt die Zeiterfassung im BWM-Werk Dingolfing. Der Lebenszyklus von Lochkarten ist längst vorbei. Diese wurden früher genutzt um die Arbeitszeiten zu erfassen.)

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US-Techriesen schwächeln oder scheinen ihren Zenit überschritten zu haben

Die großen US-Techfirmen haben die letzte Zeit massiv an Börsenwert verloren. Schlimmer als der Kursverlust von über 1.000 Mrd. Dollar dürfte die Erosion so manchner Geschäftsmodelle sein: Facebook stagniert bei den Nutzer-Zahlen und Amazon eCommerce macht schon wieder Verlust – so wie in den ersten beiden Jahrzehnten. Damals hieß es immer, ohne das Wachstum und Invesitionen in die heutige Goldgrube AWS würden diese Verluste nicht anfallen. Amazon hat seine Profitabilität nur der Cloud (AWS) zu verdanken. (Der bereits weit vorangeschrittene Robotereinsatz macht sich beim Handelsergebnis noch nicht bemerkbar. In dem Handelsergebnis ist allerdings auch Alexa enthalten. Alexa verursacht hohe Verluste – vielleicht sind die Geräte zu günstig sowie abnehmender Grenznutzen der Zusatzentwicklungen.)

Quelle: Amazon, SEC-File 10k vom 28.10.22

Diese Entwicklung zeigt, dass der Lebenszyklus von Technologie-Firmen kürzer als der von Brauereien oder der Lebensmittelindustrie insgesamt ist (Coca Cola ist schon über 100 Jahre alt). Amazon, Facebook, Google oder Twitter droht sichrelich keine Insolvenz, das ganz große Wachstum im Stammgeschäft scheint aber vorbei zu sein. Ertragsverbesserungen werden primär durch Einsparungen machbar sein. Daher entlassen diese Firmen derzeit viel Personal. Es stellt sich die Frage, wie der Lebenszyklus-Ansatz auf die Robotik-Firmen übertragen werden kann.

Die klassischen Industrieroboter-Hersteller gibt es seit Jahrzehnten

FANUC hat die Tage bekanntgegeben schon 900.000 Roboter ausgeliefert zu haben. Der erste Roboter wurde von FANUC vor fast 50 Jahren gebaut. Aus heutiger Sicht spricht nichts oder wenig dafür, dass Industrieroboter, zumindest mit einer “richtigen” Traglast”, von einer neuen Technologie verdrängt werden. Anders kann es bei den kleinen Cobots aussehen. Dies gilt besonders für die, die nur sporadisch eingesetzt werden. Hier ist vorstellbar dass ein günstiger Haushaltsroboter so manche Anwendung übernehmen wird. Denn Haushaltsroboter dürften als Folge des absehbar großen Fertigungsvolumens deutlich günstiger sein und sicherlich auch einfacher zu bedienen.

Andererseits können Industrieroboter zu Cobots umgestaltet werden. Sei es mit Radar, Schutzhaut oder sonstiger Technik.

Cobots mit mittlerer und womöglich auch größerer Traglast könnten teilweise durch humanoide Roboter verdrängt werden. Wer dies für möglich hält, sollte sich fragen, wann ist es soweit? Denn spätestens ab dem Beginn der Verdrängung wird der Absatz der Cobots sinken. Etwaige Versuche mittels Preissenkungen “Land zu retten” werden nicht helfen. Nun kann man argumentieren, dass ein Cobot aus viel weniger Teilen als ein humanoider Roboter besteht. Dies stimmt, doch dürften humanoide Roboter in großer Stückzahl und somit dennoch günstiger hergestellt werden können. Zudem bedarf ihre Arbeitsumgebung weniger Anpassungen und überhaupt werden sie flexibler als ein Cobot sein.

Im Bereich der Vision-Anbieter könnte der neue Techman zu einem enrsthaften Wettbewerber werden.

igus und andere haben große Ambitionen

igus, bislang nur mit kleineren, einfacheren Robotern im Markt, hat offenbar grundsätzlich große Ambitionen. In der Automationsraxis verriet der geschäftsführende Gesellschafter Frank Blase, dem igus seinen wirklich großen Erfolg zu verdanken hat, dass man heuer über 1 Mrd. Euro mit rund 190.000 aktiven Kunden erlöst. Im Jahr 2030 wolle man 1 Mio. Kunden haben. Ich folgere hieraus bzw. interpretiere:
1. igus will sicherlich den Umsatz/ Kunde zumindest auf dem bestehenden Level halten.
2. Dann entsprächen 1 Mio. Kunden in 2030 einem Umsatz von mind. 5 Mrd. Euro.
3. Unternehmen wie igus akzeptieren keine Sparte mit weniger als 5% Umsatzanteil, eigentlich eher mit mindestens 10% Umsatzanteil oder mehr.
4. Wenn dem so ist, müßte die sich noch im Aufbau befindliche Robotik in 2030 einige hundert Mio. oder gar 500 Mio. erlösen.
5. Dies bedingt vermutlich diverse weitere Modelle/ Technologien.
6. Die Robotik dürfte heute bereits mehr als die 5.000 Euro erlösen, die ein aktiver Kunde während des Jahres bringt. Daher ist sie – zusätzich zum Wachstumspotenzial der Branche – für igus sehr interessant.
7. Aber: So rührig igus auch ist, die auf der Motek genannten bisherigen “>1.000 Projekte” implizieren einen Umsatz im bestenfalls niedrigen zweistelligen Mio.-Bereich. Die Robotik muß daher weit überproportional wachsen. (igus versucht sich aber auch in weiteren neuen Feldern, z.B. Fahrrad). igus wird den Markt der Robotik massiv beeinflussen.

Neben igus wird es weitere neue Marktteilnehmer mit womöglich völlig neuen Ansätzen geben – sei es Hardware oder Software. Vorstellbar sind auch weitere “Technologie-Hochzeiten”, wie es Techman zeigt: Roboter mit integrierter Kamera und AI-Software. Auch können neue Kinematiken aufkommen (Isochronic).

Gewinnfenster kann kurz sein

Sollte der Absatz-Zenit recht schnell erreicht sein, wird das Zeitfenster zum Geldverdienen kurz sein. Das Gros der jüngeren Robotik-Unternehmen erwirtschaftet unveränderte Verluste. Sei es weil der Umsatz noch sehr niedrig und daher nicht kostendeckend ist oder aber weil auf Wachstum gesetzt wird. Externe Faktoren wie aktuell der Krieg, verschlechtern dann die Perspektive. Der durch sie verlorengegangene Umsatz kann allenfalls nur zum Teil aufgeholt werden. Denn die Entwicklung der Gamechanger schreitet unabhängig vom Krieg voran.

Lebenszyklus ist schwer aufzuhalten

Fast jeder hat bereits das Beispiel “Kodak” aus dem Mund eines Digitalisierungsberaters gehört. Der weltgrößte Hersteller von Filme für klassische Fotoapparate hat die Digitalisierung verschlafen und ging in Insolvenz. Stimmt, nur was hätte er tun können? Er hätte allenfalls in völlig neue Geschäftsfelder investieren können. Dann hätten womöglich die MItarbeiter in der Hauptverwaltung temporär ihre Jobs behalten und die Aktionäre wären im Idealfall nicht leer ausgegangen. Denn die ganzen japanischen Kamerahersteller, die auf die Digitalisierung gesetzt haben, sind fast ausnahmslos ebenfalls verschwunden (Yashica, Pentax, Contax, Olympus und Minolta hat m.W. Kmaeras aufgegeben, Nikon versucht sich neu zu erfinden…). Die Kodak-Aktionäre hätte frühzeitig verkaufen und in Startups investieren können, wenn sie an die Digitalisierung geglaubt hätten. Beim ebenfalls viel genannten Beispiel Nokia schaut es schon wieder aus. Der Touchscreen war bereits eine m.W. frei zugängliche Technologie. Ihr Potential wurde einfach nicht erkannt. Dennoch ein Technologiebruch mit gravierenden Folgen für die Oldschool-Handys Nokia, Blackberry & Co.

In Deutschland gab es vergleichbare Fälle mit unterschiedlichem Erfolg: Die Mannesmann-Stahlwerke sind in das Mobilfunk-Geschäft eingestiegen und haben D2 (heute Vodafone Deutschland) gegründet. (Die Stahlarbeitsplätze gibt es wohl nicht mehr.). Osram (“Hell wie der lichte Tag”) wurde immer kleiner mit dem Sterben der Glühbirne, schrumpfte (fand wohl nie richtig Fuß im LED-Massenmarkt) und gehört heute zur österreichischen AMS.

Nach Jahren schwerer Schmerzen für alle Beteiligte hat offenbar Heidelberger Druck den Übergang geschafft. Das Unternehmen besteht, die Aktionäre verloren aber – vor Inflation! – über 90%. Zudem gab es viele Entlassungen.

Staatliche Förderprogramme als Indikator für Technologiereife?

Der Freistaat Bayern fördert dank seiner Finanzkraft und letztlich auch seiner Technologie-Offenheit (bis zur Corona-Impfung haben weite Teile der Grünen Gentechnik abgelehnt) Technologien im Anfangsstadium besonders großzügig. Mir scheint, dass des kaum/ keine “Calls” mehr Robotik gibt. Dies war vor wenigen Jahren noch anders. Heute stehen Quantencomputer und Wasserstofftechnologie (Video) im Vordergrund. Auch als Folge der Förderungen konnten sich in Bayern zahlreiche Robotik-Firmen etablieren.

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät KMU rund um Robotik – bis zu 50% Förderung der Beratung sind möglich. Permanent auf der Suche nach interessanten Lösungen hat er schon hunderte Applikationen gesehen. Aus diesem Grund gehören auch Großunternehmen zu seinen Kunden, die zwar über Know how verfügen, aber nicht den gesamten Markt kennen. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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