Magazino: Hohe Umsätze kommen später als geplant

Das 2014 gegründete Münchner Robotik-Startup hat sich auf intelligente und mobile Roboter spezialisiert, die parallel mit dem Menschen arbeiten können. Das Unternehmen bedient Nischen bei der Intralogistik und E-Commerce Fulfillment. Als Referenzen können ebenso unterschiedliche wie namhafte Firmen wie BMW, Lloyds Schuhe, DHL und vor allem Zalando genannt werden. Zalando gehört auch zu den Gesellschaftern. Der Proof of concept ist längst erbracht. Es wirkt, als habe Magazino alles richtig gemacht. Insofern ist Magazino ein gutes Vorbild für andere junge Unternehmen. Zugleich aber offenbar auch eine Warnung: Der Markt läßt sich nicht so schnell erschließen wie geplant.

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Von 0 auf 100 schaffen es die wenigsten

Im November 2018 zitierte das Handelsblatt “Quellen in Industriekreisen”, die damals von einem zweistelligen Mio.-Umsatz ausgingen. Der Gründer Frederik Brandtner nannte für 2019 einen Umsatz in Höhe von “sicherlich über 100 Mio. Euro”. Ein Grund für den hohen Umsatz wäre die Lizenzierung seines Roboter-Betriebssystems auch für andere Hersteller (dies hatte auch mal Rethink Robotics mit seinem Intera-System vor). Die im Bundesanzeiger abrufbare Bilanz 2019 nennt für 2018 aber nur Erlöse von 0,7 Mio€, die sich in 2019 zwar auf 1,3 Mio€ verdoppelt haben, aber gleichwohl nicht an das zuvor erwähnte Ziel herankamen. Der Auftragseingang versechsfachte sich immerhin und in 2020 dürfte die Entwicklung ebenfalls positiv gewesen sein. Im Herbst 2020 stieg dann Jungheinrich ein und investierte 8,5 Mio€. Bestandsinvestoren und die Europäische Investitionsbank engagierten sich ebenfalls, so dass in Summe 21 Mio€ zuflossen.

Interessantes Preismodell

Vor kurzem konnte Magazino weitere Verkäufe an Zalando vermelden. Im Früjahr 2022 werden dann 28 Toru-Roboter beim Versender im Einsatz sein – mehr als bei jedem anderen Kunden. Bei einem Stückpreis von etwa 60.000 € und 6 Cent je Pick dürfte das Gesamtvolumen des über mehrere Jahre verteilten Auftrages aber auch nur im niedrigeren einstelligen Mio.-Bereich liegen. Das Umsatzziel von 100 Mio€ scheint somit noch nicht so bald erreichbar zu sein. Hierfür spricht auch, dass bis zum Jungheinrich-Einsteig eher bescheidene 80 Roboter gebaut worden waren. Hoher Umsatz könnte daher nur mit Software generiert worden sein.

Mittlere Bewertung

Jungheinrich hat für die 8,5 Mio€ im Zuge einer Kapitalerhöhung 18,2% an Magazino erhalten. Somit dürfte das Unternehmen mit etwa 50 Mio€ bewertet worden sein.

Software schlägt Hardware

Auffallend ist, wie sehr Jungheinrich bei der Bekanntgabe seines Einstiegs die Software von Magazino gelobt hat. Offensichtlich ging es Jungheinrich ganz klar um die Software, die sodann Jungheinrich selber nutzen dürfte. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Lars Brzoska äußerte sich vergangenes Jahr ähnlich wie zuletzt bei der Übernahme von arculus :

„Magazino ist ein hochinnovatives junges Unternehmen, das eine herausragende Kompetenz im Bereich Navigations- und Steuerungssoftware für mobile Automation hat. Die Beteiligung folgt unserer Strategie im Bereich der Automatisierung und wird einen wesentlichen Beitrag zum beschleunigten Ausbau unseres Geschäftes mit automatisierten Fahrzeugen leisten“.

Die Software muß also wirklich gut sein. Die zuvor genannten hohe Umsätze scheinen sich so schnell aber nicht realisieren zu lassen. Startups können hieraus lernen, dass Erlöse selten so schnell erzielt werden können wie sie geplant wurden.

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Boost-Bot beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Markt (-eintritt)/ Business Development und Finanzierung/ Förderungen. Das Standardbuch über Cobots stammt ebenfalls von Guido Bruch (das Buch ist allerdings bereits 2 Jahre alt und daher nicht mehr ganz aktuell). Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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