Robotik-Insider.de

Präsentiert vom Deutschen Robotikverband e.V.

Robotik-Insider.de
MeinungWirtschaft

Umsatzrückgang Cobots: Weitere Gedanken

Zwischen den Prognosen von +30% bis +40% p.a. für den Gesamtmarkt der Cobots und der Realität in den beiden letzten Quartalen klafft beim Marktführer (- 8% in Q 4 2022 incl. Währungseffekt) eine riesige Lücke, die sicherlich nicht allein auf die Rahmenbedingungen (Krieg, Energie) zurückzuführen ist. Denn in Westeuropa erreichten die Gas- und Energiepreise m.W. bereits im August/ September ihren Höhepunkt. Seitdem sinken sie wieder. Die Lieferkette ist auch stabiler geworden (jenseits von Medikamenten). Die Robotik-Sparte von ABB hat lt. aktuellem Quartalsbericht in den USA einen starken Anstieg der Aufträge, in Asien und Europa (hier wohl stärker) aber Rückgänge zu verzeichnen (Link). Zwischen den Regionen gibt es also bedeutende Unterschiede. (Nachtrag 05.02.: Zu Pessimismus besteht aber auch kein Anlass, setzten doch auch langjährige Industrieroboter-Hersteller wie FANUC voll auf Cobots – Stichwort Fabrikneubau, wachsende Modellpalette. Die Frage ist nicht ob das Segment wächst, sondern wie stark und wo.)


Statistischer Effekt – Marktanteile

Nicht ausgeschlossen, aber ehr doch unwahrscheinlich ist, dass es am Markt bedeutende Veränderungen gab: Der Cobots-Absatz in Summe könnte boomen, nur verliert Universal Robots stark an Marktanteilen. Gewisse Marktanteilsverluste wären zwar plausibel, da es stetig neue Wettbewerber gibt (u.a. FANUC, Neura Robotics/ Robco und fruitcore wachsen als Anbieter anderer Techniken). Allerdings sehen wir in der nachfolgenden Tabelle auch seit zwei Quartalen Umsatzrückgänge im Vorjahresvergleich. Würde der Markt „richtig“ wachsen, wäre dies schon sehr ungewöhnlich.

Flammt das „Dezemberfieber“ ab?

Wohl jeder Student der Volkswirtschaft lernt das „Dezemberfieber“: Institutionen bemerken zum Ende Jahres, dass sie noch nicht ihr Budget ausgegeben haben. In der Furcht im Folgejahr ein angepaßtes (reduziertes) Budget zu erhalten („die haben heuer das Geld auch nicht gebraucht“), kaufen sie schnell noch was. Vielleicht aus diesem Grund war das vierte Quartal bei Universal Robots stets signifikant besser als die Vorquartale. Dieser Unterschied fiel nun merklich geringer aus. Vielleicht als Folge einer allgemeinen Reseviertheit oder weil die Kunden auf den UR 20 warten, es kann aber auch bedeuten, dass es im Bereich der „Dezemberfieber“-Kunden eine gewisse Sättigung gibt. Gerade viele Hochchulen haben bereits Cobots, insbesondere von Universal Robots.

Ressourcenverschwendung?

Auf LinkedIn erschien am 30.01.23 der nachfolgend abgebildete Post. Er ist verlinkt zur Homepage von Techman. Meine Zweifel wachsen stetig, ob derartige Artikel zu Umsatz oder auch nur Imagegewinn führen. Denn sie erreichen ihren Adressaten nicht (mehr), so meine Meinung. Das „offene“ (vor allem auch größere) Unternehmen ist längst informiert, viele kleinere KMU werden so nicht erreicht. Auch die Presse als typischer Multiplikator ist sich längst der Vorteile von Robotik bewußt.

Konkrete Fallstudien, gerade aus Branchen, die sonst eher vernachlässigt werden, machen m.E. hingegen weiterhin Sinn. Aber interessant, dass taiwanesische Marketing-Experten genauso vorgehen wie ihre Kollegen im Westen. Vielleicht irre ich mich ja mit meiner These, dass wir die Zielkunden größtenteils nicht erreichen bzw. überzeugen können.

E-Bikes: Über Jahre gutes Wachstum, dann erst echter Boom

Sicherlich ein schwieriger Vergleich, da Cobots Investitionsgüter sind und nicht privat wie E-Bikes genutzt werden. Oder auch weil bei E-Bikes der technische Fortschritt wohl besonders hoch war (Reichweite). Zudem gab es in den Anfangsjahren eher eine soziale Ächtung. Dennoch ein Versuch: E-Bikes legten über Jahre „nur“ zwischen 10 und 20% p.a. zu. Erst Corona führte 2020 zu einem extremen Boom und in der Folge zu Lieferschwierigkeiten. Aber auch wenn der Vergleich nicht unproblematisch ist: E-Bikes hatten schon kurz vor Corona eine gute Reichweite und die passende Klientel gab es auch. Dennoch konnten sich die Konsumenten noch nicht so richtig durchringen. Viele Kunden brauchten offfenbar den Anstoß durch positive Feedbacks von Freunden oder auch um mithalten zu können. Ähnliches könnte auch für Cobots und KMU gelten. Ich sehe hier bekanntlich die Erfordernis von „Leuchtturmprojekten“ in der Nachbarschaft von KMUs.

Vernetzen wir uns? LinkedIn
->
Zur Cobot-Gruppe auf LinkedIn (Link
)

In eigener Sache/ Werbung
Der Autor beantwortet Unternehmen die Frage, ob und wie ein Roboter bei Ihnen eingesetzt werden könnte (Erstanalyse samt Empfehlung). Dies in den Großräumen Trier und Lüneburg sowie Ostdeutschland ohne Leipzig/ Berlin für 700 € netto, im restlichen Deutschland zu einem Pauschalpreis von 1.750 € netto (incl. Anreise). Der niedrige Preis ist dank Förderung möglich. Permanent auf der Suche nach interessanten Lösungen hat er schon hunderte Applikationen gesehen. Aus diesem Grund gehören auch Großunternehmen zu seinen Kunden, die zwar über Know how verfügen, aber nicht den gesamten Markt kennen. Für Unternehmen ab 250 Mitarbeitern oder solchen mit Sitz in Österreich oder Schweiz gilt der Pauschalpreis nicht. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

Entdecke mehr von Robotik-Insider.de

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen