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Keine Cobotlösungen für Handwerker: Gefährden Baustoff-Konzerne ihr Geschäftsmodell?

In Deutschland wird eifrig gebaut. Entsprechend hohe Umsätze erlösen die Unternehmen der Baustoffindustrie oder auch der Bau-Chemie. Sie sind i.d.R. sehr kapitalkräftig. Unternehmensnamen wie Sika, Bauder, Uzin, Brillux, Erlus, Creaton, Braas Monier, Mappei, Saint-Gobain oder PCI sind Bauherren gut bekannt.

Zum Video: Ein Hybrid-Cobot (MRK montiert auf mobilem Roboter) sollte eigentlich in der Lage sein ebenfalls Ziegel zu verlegen. (Zwar langsamer, dafür aber flexibler und günstiger.) Durch BIM sind die relevanten Daten sowieso schon digitalisiert.

Wenn es um die Erhöhung der eigenen Produktivität geht, sind diese Unternehmen sicherlich gut unterwegs. Automatisierung ist für sie kein Fremdwort. Dies gilt als Folge des Fachkräftemangel  zunehmend auch für kleinere Produktionsbetriebe unterschiedlichster Branchen. Selber als Berater unterwegs, bekomme ich zunehmend Aufträge von Unternehmen mit hohem saisonalen Bedarf. Diese Unternehmen wollen Cobots für nur drei bis vier Monate im Jahr und dies für nur etwa 10 Stunden/ Tag. Die Amortisation verlängert sich entsprechend, was aber in Kauf genommen wird, da der Mangel an ungelernten Kräfte, die nur temporär eine Stelle suchen, das eigene Geschäftsmodell bedroht.

Gezögert wird aber dort, wo das eigene Produkt zwar automatisiert hergestellt wird, dann aber an Handwerker bzw. Verarbeiter verkauft wird. Dass hier das Geschäftsmodell der Baustoffkonzerne durch die extrem negative Demographie der Handwerker bedroht wird, ist zwar bewußt, gehandelt wird aber nicht. Der Bauherr merkt diese Demographie, gepaart mit erhöhter Nachfrage, an stetig steigenden Preisen (lt. IHK-Oberbayern steigen die Handwerker-Preise p.a. um 5%). Die Baustoffkonzerne werden dies mittelfristig an stagnierenden bis rückläufigen Absätzen spürren. Und: Letztlich befinden sie sich in einem Verteilungskampf. Wenn der Eigenheimbesitzer jährlich nur den Betrag x für Renovierungen zur Verfügung hat, der Handwerker aber immer mehr verlangt, wird beispielsweise die Bad-Renovierung um ein paar Jahre verschoben. Die Funktionsfähigkeit ist typischerweise auch bei einem alten Bad gewährleistet, so dass ein Hinauszögern möglich ist. Der Fliesenhersteller könnte also mehr verkaufen, merkt diesen Umsatzentgang aber nicht. Wie ernst die Lage bereits ist, merkt man daran, dass Gemeinden in meiner Region teilweise gar keine Reaktionen auf ihre Ausschreibungen erhalten. Das Geld für Bauvorhaben ist vorhanden, kann aber nicht ausgegeben werden!

Insofern wäre es rational, wenn zumindest die großen Baustoff-Konzerne in die handwerkliche Robotik einsteigen würden. Mit Ausnahme von Sika (7 Mrd. Umsatz) tun sie dies aber m.W. nicht. Dies ist umso erstauntlicher, wie es – bezogen auf die genannten Firmen – gar nicht mal um sehr große Beträge geht und die Technik größtenteils bereits verfügbar ist. Sofort einsatzfähige Lösungen wären nicht zu erwarten, aber nach wenigen Jahren sollte der Einsatz der Cobots möglich sein.

Interessanterweise ist das Handwerk bereits weiter. Bei der diesjährigen (2019) Messe wurden Cobots vorgestellt – im Aufrag des Deutschen Handwerkerkammertages.

Das Münchner Startup Kewazo entwickelt derzeit einen Roboter, der die Montage von Gerüsten revolutionieren soll, wie das Video zeigt:

Der Autor dieses Blogs berät rund um den Themenbereich Cobot incl. Strategien für einen Markteintritt/ Chancen & Potenziale/ Vernetzung etc. Zudem steht er für einen Gang durch Ihre Produktion/ Fertigung zur Verfügung (Detail) um dann konkrete Cobot-Vorschläge incl. Fördermöglichkeiten zu unterbreiten. Es werden sowohl KMU wie Groß-Unternehmen besucht.