ArtiMinds: No-Code für anspruchsvolle Aufgaben

Zuletzt wurden hier mit Augmentus und AICA hier zwei noch nicht bekannte No-Code-Anbieter vorgestellt. Diese Anbieter wenden sich wie auch Wandeltobs an relativ einfache Handlingsaufgaben, die nun fix und ohne Fachwissen gelöst werden können. Zeit zur besseren Abgrenzung mit ArtiMinds eine – wie auch drag&bot und vielleicht MicroPsi – Lösung für komplexe Anwendungen zu detaillieren. Dank an Frau Glasstetter von ArtiMinds für die fachliche Unterstützung hierbei.

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60 Programmbausteine decken (fast) alles ab

Die ArtiMinds Robot Programming Suite (RPS) arbeitet mit vordefinierten Funktionsbausteinen, mit denen der Anwender per drag&drop anspruchsvolle Roboterprogramme erstellen kann, ohne eine einzige Zeile Robotercode selbst schreiben zu müssen. Anspruchsvoll deshalb, da die rund 60 Bausteine tatsächlich nahezu alle Aufgabenstellungen/ denkbaren Teilprozesse abdecken. Hierbei setzt ArtiMinds stärker als so mancher Wettbewerber auf sensorbasierte Anwendungen. Dies ist für Anwendungen, die viel Feingefühl und eine hohe Präzision erfordern, von Vorteil.

Software ist für komplexere Aufgaben konzipiert

D.h. es geht nicht nur um einfache Handlingsaufgaben, sondern um kraftgeregelte Aufgaben wie das Stecken von Kabeln, Setzen von Plastikstopfen oder –clipsen, die THT-Bestückung oder das Überziehen von Textilbezügen. Ebenfalls abgeeckt werden das Polieren von Oberflächen oder Gravieren, Entgraten und Verschrauben von Bauteilen und/ oder bildverarbeitende Prozesse. Über den Roboterkonfigurator lässt sich das Hardware-Set-up einfach konfigurieren. Der üblicherweise hohe Programmieraufwand zur Integration von Kameras, Kraft-Momenten-Sensoren oder elektrischen Greifern entfällt. Denn alle Treiber sind in der Software integriert. Ebenfalls problemos möglich ist die Integration von SPS-Kommunikation.

Der native Robotercode wird automatisch generiert und kann ergänzt werden

Am Ende generiert die Software automatisch einen nativen Robotercode. Dieser läuft (ohne zusätzliche Hardware/Steuerungen) direkt auf der Standardsteuerung des Roboterherstellers. Andere Lösungen arbeiten mit ROS. Dieses Open Source Framework war ursprünglich für den Einsatz im Forschungsbereich vorgesehen und ist daher noch nicht vollständig auf die Anforderungen im industriellen Umfeld, insbesondere hinsichtlich IT-Security und Robustheit, optimiert. Bei Roboteranwendungen, die mit Softwarelösungen, die auf ROS basieren, programmiert wurden, muss diese Software im Hintergrund permanent laufen,  Da sie als Controller fungiert, wird separate Hardware (zuzüglich zur Robotersteuerung) benötigt. Dr.-Ing. Andreas Hermann hat hierzu einen interessanten Blog-Beitrag geschrieben. Der von der ArtiMinds RPS erzeugte native Robotercode kann später auch ohne die Programmiersoftware  bearbeitet, angepasst und verwendet werden.

Anwender kann Teilprozesse alternativ selber programmieren

Der Anwender kann Teilprozesse selbst auf „normalem“ Weg programmieren und in die Software mit übernehmen. So kann er z.B. schon vorhandenen Programmcode um komplexere Prozesse, die er dann aufgrund der verfügbaren Funktionsbausteine leichter mit ArtiMinds programmieren kann, ergänzen. Außerdem kann der Code auch ohne Neuprogrammierung auf ein neues Hardware-Set-up angepasst werden. Hierzu wird das Set-up einfach neu im Roboterkonfigurator zusammengestellt. ArtiMinds RPS kompiliert den Code dann neu.

Ein weiterer großer Vorteil ist die Kombination von Offline- und Onlineprogrammierung in einer einzigen (herstellerunabhängigen) Software. Diese Kombi ermöglicht einen nahtlosen Übergang von der Planung einer Roboterzelle, über die Inbetriebnahme bis zur Instandhaltung, schafft also einen Standard im Bezug auf Roboterprogrammierung und verhindert Probleme zwischen den einzelnen Phasen und verantwortlichen Personen, da alle einheitlich mit einem Tool und auf Basis der gleichen Informationen arbeiten können. Bereits am Schreibtisch lassen sich auf Basis von CAD-Dateien Werkzeugpfade erstellen, Kollisions- und Erreichbarkeitstests durchführen oder kollisionsfreie Bahnen berechnen. Das vom Planer erstellte Roboterprogramm kann daraufhin erweitert und am echten Roboter in Betrieb genommen werden. Schlüsselpunkte lassen sich direkt über den Roboter oder direkt in der Software teachen. 

Die ergänzende Software ArtiMinds Learning & Analytics for Robots (LAR) sorgt dafür, dass der Anwender sein Roboterprogramm perfekt optimieren kann (z.B. hinsichtlich Taktzeit, Toleranzen ausgleichen, Schonen von Material oder Werkzeug). Die LAR wertet die Sensordaten automatisch aus und bricht diese auf die Teilprozesse herunter. So kann der Anwender also genau sehen, an welcher Stelle es hakt bzw. er das Programm optimieren muss. Dies wird im obigen Video dargestellt.

Die Referenzliste zeigt, dass sich die Software in diesem doch noch jungen Markt gut etabliert hat (Link unten).

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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Boost-Bot beteiligt. Er berät Robotik-Firmen und Investoren bei den Fragen Markt (-eintritt)/ Business Development und Finanzierung/ Förderungen. Das Standardbuch über Cobots stammt ebenfalls von Guido Bruch. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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