Universal Robots-Interview im Handelsblatt – Anmerkungen

Axel Höpner begleitet für das Handelsbatt die Robotik-Szene. In der gestrigen (15.06.22) Ausgabe interviewt er Esben Hallundbæk Østergaard, der 2005 zusammen mit Kristian Kassow und Kaspar Stoy Universal Robots gründete und 2015 verkaufte. Östergaard ist der Branche unverändert eng verbunden und kennt den heutigen Markt. Gefragt im Interview, das offenbar ohne Paywall nachzulesen ist (Link), wurde er u.a. ob Universal Robots Weltmarktführer bleiben kann. Über einige der gestellten Fragen hatte ich mir auch schon Gedanken gemacht. Zeit für einige Anmerkungen.

Opdra

Marktwachstum

Östergaard hält das prognostizierte Wachstum von jährlich 60% für Cobots und somit ein Umsatzvolumen von 8 Mrd. US-$ in 2026 für realistisch. Ich denke ähnlich, wobei ich mich frage, wie die Prognosen zustande kommen. Ich denke es wird überlegt wer noch Cobots anwenden könnte. Dies aber auf Basis der heutigen Anwendungen. D.h. wenn heute vielleicht 10% der Schweißarbeitsplätze aus einem Cobot bestehen dann in 2026 x% aus Cobots. Aber: Ich glaube, dass Anwendungen, die heute noch nicht von Cobots bedient werden, bald auch automatisiert werden. Es hängt von der Kreativität des potentiellen Nutzers ab. Er muß die Idee haben und diese auch auch umsetzen (lassen). Mein Schlüsselerlebnis war ein großer Gastronomiebetrieb, der schmutziges Geschirr mittels eines Cobots in den Spülautomaten einräumen will. Oder – zugegeben ein Industrieroboter – das Beispiel der Straßensanierung. Andererseits leidet auch die Robotik unter der Lieferketten-Thematik. Wenn diese noch länger anhält, können die erwähnten 8 Mrd. US-$ 2026 in weite Ferne rücken.

Weltmarktführer

Im Interview wird das Interesse von FANUC, Kuka und ABB am Cobot-Markt erwähnt und die Frage gestellt, ob Universal Robots langfristig Weltmarktführer bleiben kann. Östergaard verweist auf den im Vergleich zu den Industrierobotern anderen Vertrieb der Cobots (es geht schneller) und dass UR noch immer einen Marktanteil von 50% hat. Fest steht, dass FANUC und ELITE Robots erklärt haben Weltmarktführer werden zu wollen. Universal Robots wird es sicherlich bleiben wollen. ABB hat sich zwar nicht entsprechend geäußert, investiert aber mächtig in den Markt, so dass gewisse Ambitionen unterstellt werden können. Dann stellt sich die Frage auf welcher Basis Agile Robots mit 1 Mrd. bewertet wurde. Was stand im Businessplan? Ich unterstelle mal, dass sich Agile Robots mittelfristig zumindest unter den Top 3 sieht. Die heutige Nr. 2, Techman/ Omron, dürfte das Feld auch nicht so kampflos räumen. Doosan sollte man auch noch nicht abhaken. Hinzu kommen Hersteller wie Neura Robotics, Neurameka oder noch nicht genannte, die sich zwar nie entsprechend geäußert haben, aber durchaus Ambitionen haben dürften.D.h. wir hätten plausibel 10+x Kandidaten für die Top 3. Es wird spannend und sollte es knapp werden, wird die Variantenvielfalt eine umso größere Rolle spielen. Selbst wenn Agile Robots 100% Marktanteil in seiner Gewichtsklasse erreichen würde, wäre dies ja noch unbedeutend. D.h. wer große Ambitionen hat, braucht verschiedene Modelle. Dies gilt insbesondere für ELITE Robots, deren größtes Modell im Vergleich zu FANUC oder Universal Robots bescheidene 12 kg Traglast hat. Und vielleicht wird Universal Robots zur automatica ein ganz großes Modell vorstellen.

Gibt es 2026 noch Cobots i.e.S.?

Mit der Frage will ich auf einen Eindruck hinweisen: Cobots und Industrieroboter kommen sich immer mehr ins “Gehege”. Sie gleichen sich an. Cobots werden immer schneller, arbeiten z.T. mit Industriegeschwindigkeit wenn kenn Mensch in der Nähe ist, während Industrieroboter teilweise abbremsen, wenn ein Mensch sich nähert und leichter zu programmieren sind als früher. Möglich macht dies u.a. die Radar-Technologie. Die ersten Hersteller kommen nun mit einheitlichen Betriebssystemen für alle ihre Roboter auf den Markt. Hinzu kommen Lösungen wie AirSkin oder RoboSkin. Womöglich gilt 2026 ein “HORST” noch als eindeutiger Industrieroboter. Danach könnte die Differenzierung bei Traglasten < 50 kg schon schwieriger werden.

Vielleicht lautet 2026 die nächste Zukunftsfrage bereits: “Wer wird 2031 wichtiger sein, Arm-Roboter oder humanoider Roboter?”

Hardware first

Auf die Frage, wer denn perspektivisch mehr Geld verdienen wird, Hard- oder Software-Anbieter, nennt Östergaard die Hardware-Anbieter, auch wenn die Hardware viel Software enthält. Ich kann mir vorstellen, dass man hier differenzieren muß. Lösungen von Firmen wie micropsi, Artiminds oder drag&bot, die der Nutzer so vielleicht gar nicht begreift, ihm auf jeden Fall nachvollziehbar Zeit und Geld einsparen und die er daher schätzt, können höhere Preise durchsetzen und auch ein solches Volumen erzielen, dass sie nachhaltig Geld verdienen. Anders könnte es bei der “einfacheren” Bildverarbeitung ausschauen. Wenn Google Fotos Mustererkennung anbietet oder die Handy-Software immer mehr kann, wird m.E. der Kunde “versaut”. Warum soll hier die Lösung einen deutlich fünfstelligen Betrag kosten? (Klar bietet Google nicht die notwendige Trefferquote. Dass aber gerade die 20%-Punkte bessere Erkennung viel Geld kosten, verstehen nicht alle.) Dies gilt um so mehr wie die neue Techman S-Serie mutmaßlich hier schon einiges eingebaut baut.


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Der Autor dieses Blogs ist maßgeblich am KI-/ Robotik-Projekt Opdra beteiligt. Er berät bei fast allen Fragen rund um Robotik incl Finanzierung/ Förderungen. Mehr zu seiner Person finden Sie hier.

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